40 Jahre Förderverein Projekt Osthofen
Der Förderverein Projekt Osthofen ist gegründet worden, um die Geschichte des Konzentrationslagers Osthofen publik zu machen. Eine ehemalige Papierfabrik wurde zu einem der ersten Konzentrationslager. Von 1933 bis 1934 wurden dort rund 3.000 Menschen inhaftiert und gequält.
Eine Ausstellung zum Gründungsjubiläum des Fördervereins beschäftigt sich nun mit dem Thema Ausgrenzung. Zudem führen unter dem Namen „InKontakt. Ein Stück Kunst – Installationen und Szenen“ fünf Künstler*innen eine Performance an verschiedenen Orten der Gedenkstätte auf.
Abstraktion und Schweigen - große Wirkung
Die Performance beginnt in der großen, kalten und schmucklosen Halle, in der die Häftlinge 1933 untergebracht waren. Eine Künstlerin hängt sorgfältig papierne, fast durchsichtige Hemdchen mit Kleiderbügeln an eine Wäscheleine.
Die Besucherinnen und Besucher stehen inmitten dieser Szenerie und werden so zum Teil der Performance. Gleichzeitig schreitet eine Schauspielerin von Wand zu Wand. Gesprochen wird nicht. Nach einigen Minuten fordert eine der Künstlerinnen auf, den Raum zu wechseln.
Das Publikum steht eng um einen großen Kubus aus Metallstangen, von dessen Decke braune Papierplanen hängen. Darauf sind Zeichnungen mit Kugelschreiber oder Tinte zu erkennen. Menschen sind abgebildet. Ein Künstler tritt in den Kubus und fängt an, aus einer der Zeichnungen menschliche Umrisse herauszutrennen.
Historische Ereignisse ohne Zeitzeugen erlebbar machen
Achtlos wirft der Künstler den großen Papierfetzen auf den Boden. In einem weiteren Kubus hängen menschliche Organe aus Pappmaché, die ein Künstler mit Schläuchen verbindet. Die Performance „InKontakt“ stellt sich die Frage, wie man historische Ereignisse heute ohne Zeitzeugen näherbringen kann.
Der Architekt und Konzeptkünstler Norbert Illig ist an der Performance beteiligt. Vor ein paar Jahren noch, erzählt er, sei die Dauerausstellung in der Gedenkstätte KZ Osthofen für ihn eine historische Ausstellung gewesen. Doch nun erwecke sie den Eindruck einer zeitgenössischen Ausstellung. Das habe ihn sehr beschäftigt.
Dieses schreckliche Ereignis kann man nicht übersetzen, kann man auch nicht bebildern. Aber wie kann man vor dieser Entwicklung warnen?
Die fünf Künstlerinnen und Künstler haben sich von der Gedenkstätte, der Atmosphäre und der Geschichte des Konzentrationslagers inspirieren lassen. Seit Sommer vergangenen Jahres haben sie sich mit dem Thema Erinnerungskultur beschäftigt.
Videos für das zukünftige Publikum
Die Performance ist flüchtig, deshalb wurden Videos davon produziert. Auf Tablets können sich Schülerinnen und Schüler die Performance beim Besuch ansehen. Wenn dann erstmal alle irritiert sind, ist das nicht schlimm, glaubt die Leiterin der Gedenkstätte KZ Osthofen Martina Ruppert-Kelly.
Irritation ist in dem Fall sehr gut, das regt zum Nachdenken an und zum Diskutieren. Insofern passt es sehr gut in die Gedenkstätte und zum Erinnern.
Seit den neunziger Jahren hat sich die Gedenkstätte KZ Osthofen in der Öffentlichkeit etabliert. Immer wieder müssen die Verantwortlichen die Erinnerungskultur weiterentwickeln, um vor allem für die jüngere Generation interessant zu bleiben. Die Performance „InKontakt“ setzt dabei nicht auf Schock-Momente, sondern nähert sich ganz behutsam über künstlerische Abstraktion.
Gespräch Michel Friedman: „Opportunismus und Schweigen ist ein stiller Tod“
„Der Hass ist hungrig. Und der Hass ist niemals satt“, sagte der Publizist und Anwalt Michel Friedman in seiner Rede vor der CDU-Zentrale Berlin, als die Künstlergruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ dort ein Denk- und Mahnmal für den ermordeten Walter Lübcke aufstellte: gegen Kollaboration mit der extremen Rechten. Nachdem die Union im Bundestag 2025 gemeinsam mit der AfD gestimmt hatte, trat Friedman aus der CDU aus. Er setzt sich für ein AfD-Verbot ein. Geboren wurde er in Paris. Seine Eltern hatten die Shoah dank Oskar Schindler überlebt. Eine Sendung zum Holocaust-Gedenktag 2026.