Asienreise nach Ausbildung an der Kunstakademie
Ivo Puhonný wird 1876 in der Kurstadt Baden-Baden geboren und studiert später an der Kunstgewerbeschule und an der Kunstakademie in Karlsruhe. Nach seinem Studium begibt sich Puhonný auf achtmonatige Weltreise. Die Eindrücke dieser Reise veröffentlicht er immer wieder im heimischen Badeblatt.
„Diese Weltreise war für sein ganzes Schaffen, für die Werbegrafik, für seine künstlerischen Grafiken sehr wichtig. Die führte dann auch nach Asien, China, Japan. Und das sind Einflüsse, die dann auch später bei seinen Marionetten vorkamen“, sagt Katja Mikolajczak vom Stadtmuseum Baden-Baden
Mit Marionetten auf Tournee
Seine Marionetten waren ab 1911 in „Puhonny`s Künstler-Marionetten-Theater“ unter anderem im Baden-Badener Kurhaus zu sehen, aber auch international in Frankreich, Indonesien, Dänemark und Belgien. Vor allem Puppenspielerinnen führten lustige bis dramatische Stücke auf.
„Bei seinen Marionetten wissen wir aus Briefen: Er hat die selber geschnitzt“, erzählt Katja Mikolajczak. Er habe sogar extra ein Werkzeug erfunden, um die Marionetten besser schnitzen zu können, und auch früh mit elektrischem Gerät gearbeitet.
Werbegrafiken für Palmin, Kupferberg und Meßmer
Den Lebensunterhalt für seine Familie verdiente der Künstler aber nicht mit Marionettenkunst, sondern vor allem mit der Gestaltung von Werbegrafiken für regionale und überregionale Produkte: das Kokosfett Palmin, Kupferberg-Sekt, Meßmer-Tee oder die Zigarettenmarke Batschari.
Dabei stechen bei Puhonnýs Arbeiten nicht nur die Jugendstileinflüsse seiner französischen Kollegen hervor. Katja Mikolajczak: „Er reduziert gerne aufs Wesentliche. Und das ist ja auch das, was wir heute aus Anzeigen kennen. Wir sehen eine reduzierte Figur, die man dadurch auch sehr viel schneller erfasst und der dann auch gerne ein gewisser Humor innewohnt.“
Dieser Humor zeigt sich auch in Details wie dem „einmillionsten Kurgast“, der im Hintergrund eines Plakats mit dem Fallschirm über dem Kurhaus abspringt. Wer Ivo Puhonný kennenlernen will, muss sich auf diese Beobachtungen einlassen und zeitgeistbedingte Widersprüche aushalten: Er war menschen- und naturinteressierter Kosmopolit mit exotisierendem Blick.
Puhonný-Postkarte rettete das Hirtenhäuschen
Medial und künstlerisch war er vorwärtsgewandt, gleichzeitig aber skeptisch gegenüber baulichen Veränderungen. So setzte er sich 1909 mit einer eigens gestalteten Postkarte für den Erhalt des vom Abriss bedrohten Baden-Badener Hirtenhäuschens ein.
Mit Erfolg: Das Hirtenhäuschen steht heute noch und beherbergt ein Kaffee. Katja Mikolajczak: „Und das ist sicherlich nicht zuletzt dem Einsatz von Pohonný zu verdanken, der dann ja auch gleich als Grafiker seine Mittel nutzte und es dann verbreitete, diese Postkarten zum Erhalt.“
Und so kann man sich, auch 150 Jahre später, dank Ivo Puhonnýs Einsatz, dem Künstler bei einer Tasse Baden-Badener Kaffee noch ganz nah fühlen.
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