Teams im Wettstreit um das beste Bild
Im Vortragssaal des Kunstmuseums Stuttgart herrscht ein Hauch von Glamour. Hier wird es am Abend um Kunst und KI gehen, und zwar in Form einer Game-Show, genannt „Prompt-Battle“:
Anmeldung kostenlos, je zwei Teams bekommen eine Aufgabe, die mit Kunstwerken des Museums in Verbindung steht. Dann prompten, also schreiben, die Kandidaten Anweisungen an ChatGPT, was für Bilder das Programm erzeugen soll. Am Schluss stimmt das Publikum über die Resultate ab.
Während sich der Raum füllt, zeigt sich: Hier battelt nicht die Gen Z, sondern ein Altersdurchschnitt an der Pensionsgrenze. Womöglich trifft diese Art „betreutes Prompten“ also ein Bedürfnis nach spielerischem Ausprobieren.
„Wir stehen KI jetzt ja auch nicht nur positiv gegenüber. Und ich finde, das ist eine gute Möglichkeit, sich mit KI das erste Mal auseinanderzusetzen und eine Haltung zu künstlicher Intelligenz zu entwickeln“, sagt Laura Wünsche von der Kunstvermittlung des Museums.
„Prompt-Battles“ gab es noch nicht im Museum
Künstliche Intelligenz ist der große Angstgegner. Wird sie Arbeitsplätze killen, Menschen überflüssig machen, sich eines Tages womöglich zur Weltherrschaft aufschwingen? Zugleich bleibt sie gespenstisch ungreifbar, eine virtuelle Weltmacht. Da ist es fast schon therapeutisch wertvoll, das Phänomen anschaulich zu machen, indem man es mit Kunstwerken verknüpft.
Laura Wünsche: „Soweit ich weiß, hat das sonst noch kein Museum gemacht. Und das ist eine tolle Möglichkeit, unsere Werke kennenzulernen. Und beim Prompting macht man manchmal Ähnliches wie bei einer Kunstwerkbeschreibung, also man lernt, von Bild zum Text zu denken oder vom Text zum Bild.“
Doch bevor es an diesem Abend ums Denken geht, geht es um Stimmung und Entertainment, da gehört ein Showmaster zum guten Ton. Die Kunstvermittlerin checkt noch einmal die Anwesenheit der Kandidaten, und dann geht’s los.
Die Kandidaten der ersten Runde setzen sich an die Show-Pulte, bekommen noch Frotteetücher über die Schultern, als wären sie im Fitness-Club oder Boxer am Ring, dann präsentiert der Moderator ein Kunstwerk aus dem Museum und stellt die damit verbundene Aufgabe.
Was ChatGPT macht, ist oft jenseits der Kitschgrenze
- Das Bild: „Die Aussicht vom Bahnhofsturm auf die nächtliche Königstraße“ von Reinhold Nägele.
- Die Aufgabe: Einen Stuttgarter Lieblingsort auswählen und diesen – wie Reinhold Nägele – bei nächtlicher Beleuchtung und aus Vogelperspektive zeigen.
Was ChatGPT daraus macht, ist oft jenseits der Kitschgrenze; und das wiederum macht die Sache angesichts der Originale im Museum hochgradig unterhaltsam.
KI als Sparringspartner sehen, aber kritisch bleiben
Die beiden vom Publikum gekürten Prompt-Champions gehören eindeutig zur jüngeren Generation, und sie sind versierte User von KI: der Grafikdesigner Konrad Koppenburg und Nele Bertsch, Gymnasiallehrerin für Kunst und Medien. Sie haben eine klare Meinung, wie man mit KI umgehen sollte.
„Keine Angst haben, das mehr als Sparringspartner begreifen und nicht als Gegner“, sagt Koppenburg. „Aber trotzdem sehe ich das kritisch. Man muss mit ihr arbeiten und sich da weiterbilden oder mit ihr herumexperimentieren.“
Nele Bertsch ergänzt: „Bilder analysieren und begründen, warum das jetzt irgendwie spannender ist oder was einen vielleicht auch subjektiv mehr anspricht. Neugierig sein, also immer kritisch natürlich. Aber ich glaube, wir können davon viel profitieren und das uns zu eigen machen.“
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