Neue Ausstellung im Mittelrhein-Museum Koblenz

„Gestalten der Nacht“ – Wie Kunst das Dunkel immer wieder neu deutet

Die Nacht ist mehr als nur das Gegenteil des Tages. Sie kann Unterdrückung und Verfolgung symbolisieren, Einsamkeit oder Unsicherheit. „Die Romantik verändert das Verhältnis zur Nacht“, sagt Museumsdirektor Matthias von der Bank. „Die Mondscheinromantik kehrt das um: Es wird romantisiert, was vorher negativ gesehen wurde.“

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Von Autor/in Paula Zeiler

Rätselhaft, romantisch oder abgrundtief böse – so, aber auch ganz anders interpretieren Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten die Nacht. Das Mittelrhein-Museum widmet dem Spiel aus Licht und Dunkelheit jetzt eine gesamte Ausstellung und zeigt, wie sich der Blick auf die Nacht über die Jahrhunderte gewandelt hat.

Vom Schrecken zur Mondscheinromantik

Kurator und Museumsdirektor Matthias von der Bank hat die Schau chronologisch aufgebaut. So zeigt sich, wie sich der Blick auf die Nacht im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat. Besonders die Romantik brachte eine Umkehr: Was zuvor düster und bedrohlich wirkte, wurde nun verklärt – die „Mondscheinromantik“ machte die Nacht zu einem Sehnsuchtsort.

Dunkelheit im Nationalsozialismus

Ganz anders die Werke von Carl Josef Meffert, geboren in Koblenz. Für ihn brach mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten die Nacht über Deutschland herein. Seine Grafiken zeigen die Verfolgung politisch Andersdenkender durch Gestapo und SS. Meffert selbst wurde verfolgt, floh 1933 ins Exil und nahm später den Künstlernamen Clement Moreau an.

Gegenwartskunst zwischen Vertrautem und Bedrohlichem

Nach diesen historischen Kapiteln öffnet sich die Ausstellung hin zur Gegenwart. Die weißen Wände bilden den Rahmen für großformatige zeitgenössische Werke. Besonders auffällig sind die Ölgemälde der Berliner Künstlerin Lorraine Durgeloh.

Gestalten der Nacht
Lorraine Durgeloh: Fassade II, 2016 Pressestelle Sammlung Peifer, Courtesy of the Artist

Sie zeigt vertraute Vorstadtszenen bei Nacht – Straßen, Vorgärten, Häuser. Doch unter der Oberfläche schwingt Bedrohung mit, ein Gefühl wie im Horrorfilm: Zwischen dem Vertrauten lauert das Unbekannte.

Nacht als Spiegel menschlicher Gefühle

Von barocken Gemälden über die Rheinromantik bis zu heutigen Positionen: „Gestalten der Nacht“ spiegelt ein breites Spektrum an Deutungen. Die Ausstellung zeigt, wie Künstlerinnen und Künstler im Dunkel Unsicherheit, Angst, Wut – aber auch Kraft und Trost finden. Gerade die zeitgenössischen Werke machen die Schau zu einem intensiven Erlebnis, das lange nachwirkt.

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