Werke voller Perfektion
Ein mattblauer Luftballon schwebt vor dunklem Hintergrund, darüber hängt Tuch, auf dem sich eine Waldszenerie entfaltet. Was auf den ersten Blick fast wie eine surreale Fotografie wirkt, ist in Wahrheit ein Ölgemälde der Künstlerin Mona Ardeleanu, aktuell ausgestellt im Galerieverein Leonberg.
Ihr Malstil wurde mit dem von Hans Hohlbein dem Jüngeren und Jan Vermeer vergleichen. Wirklich wohl fühlt sich Ardeleanu damit aber nicht. Doch der Vergleich kommt nicht von ungefähr, denn in Sachen Detailgenauigkeit und Präzision steht sie in der Tradition alter Meister.
Eine künstlerische Reise
Mona Ardeleanu wird 1984 geboren und wächst in Lörrach auf, im äußersten Südwesten von Baden-Württemberg. In ihrer Jugend ist sie leidenschaftliche Sportlerin, besonders im Rollkunstlauf erzielt sie ausgezeichnete Leistungen.
Mit 19 Jahren zieht sie dann aus ihrer Heimat ins drei Autostunden entfernte Stuttgart, um Freie Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste zu studieren. Ihre Lehrer: Größen wie Alexander Roob und Daniel Richter.
Den Leistungssport lässt sie zu diesem Zweck hinter sich: „Ich wollte nicht durch eine Verletzung riskieren, meinen Traum von der Malerei aufgeben zu müssen.“ Stattdessen studiert sie Kunst – zum Missfallen ihrer Eltern. „Die Kunstbranche ist nämlich ein schnelllebiges Geschäft“, sagt Ardeleanu. „Man weiß nie, ob man den aktuellen Geschmack trifft oder nicht.“
Künstlerisch lagen ihre Anfänge bei Graffiti und Comics. Davon ist sie heute weit entfernt. Den Grund dafür sieht sie unter anderem im Chaos, das in der Klasse an der Akademie herrschte. Als Ausgleich begann sie nämlich, sich in ihren eigenen Bildern um Ruhe zu bemühen.
Der Prozess des Malens
In ihrem Atelier herrscht daher auch absolute Stille. Für Mona Ardeleanu ist es Arbeits- und Rückzugsort zugleich, der ihr ein sicheres Gefühl geben muss. Hier arbeitet sie maximal drei Stunden am Stück – länger ist es bei ihrem Malstil nicht möglich, schließlich sind Augen und Hand von der Detailarbeit schnell erschöpft.
Die Anzahl der Bilder, die sie malt, ist deshalb begrenzt. „Ich schaffe etwa 22 Arbeiten im Jahr“, erklärt die Malerin. Sie arbeitet an bis zu zwölf Bildern gleichzeitig, sagt sie weiter, da die von ihr genutzte Ölfarbe lange zum Trocknen braucht. Malen und gutes Zeitmanagement gehören deshalb bei ihr seit jeher zusammen.
So entstehen Mona Ardeleanus Bilder
Ihre Motive entstehen derweil aus dem Bauch heraus: Mit der Farbe Blau assoziiert Ardeleanu zum Beispiel den Nachthimmel mit seinen Sternen, der sie wiederum an das Märchen Sterntaler erinnert, und schon ist eine Idee geboren.
„Das sind einfach nur Gefühle und Gefühlsketten, die sich irgendwie ergeben. Und dann endet das in einem Bild“, sagt die Malerin. Wie eine Waldszenerie bei Nacht auf einem Ballon, in der ein kleines Mädchen Sterne sammelt.
Während intensiver Arbeitsphasen versucht sie, äußere Einflüsse zu meiden, um in ihrer eigenen Gedankenwelt ungestört und unbeeinflusst zu bleiben. Nicht einmal ein Modell nimmt Ardeleanu mit ins Atelier, die Motive müssen allein aus ihrem Kopf stammen.
„Auf dieser Leinwand kann alles passieren, was ich mir so ausdenke“, beschreibt sie ihr gedankliches Spiel. „Das ist die größte Freiheit überhaupt, deswegen setze ich mich da jeden Tag hin.“
Ein ausgefülltes Leben
Was gar nicht so leicht ist, schließlich ist Ardeleanu auch dreifache Mutter. „In der Kunstbranche wirst du mit Kind schnell nur noch als die Mami abgestempelt. Man traut dir nicht mehr viel zu“, sagt sie. Schon kurz nach den Geburten begann sie deshalb wieder mit der Arbeit – entschlossen, sich diesen Stempel nicht aufdrücken zu lassen.
Dazu kommt noch der Sport. Aus Angst vor Verletzungen setzt Ardeleanu sich zwar keinem großen Risiko mehr aus, aber der Wille zur Leistung ist geblieben. Deshalb trainiert sie nun für die virtuelle Weltmeisterschaft im Rudern. Zugleich steht auch die Kunstmesse in Shanghai an, und bald findet ihre erste Einzelausstellung in New York statt.
Doch für Mona Ardeleanu ist dieser volle Zeitplan nur eine weitere Herausforderung, die gemeistert werden will.