Mehr als 70 Werke der Künstlervereinigung

Künstler gegen Faschismus: „Netzwerk Paris“ im Arp Museum Rolandseck

Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, Piet Mondrian oder Robert Delaunay gehörten zur sogenannten Künstlergruppe „Abstraction-Création“. Ihr Ziel: nicht weniger als die Freiheit der Kunst. Rund 70 Werke dieser Künstlerinnen und Künstler sind nun in einer neuen Ausstellung am Arp-Museum Rolandseck zu sehen. Es ist die erste Ausstellung zum Kollektiv seit den 1970er-Jahren.

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Von Autor/in Natali Kurth

Piet Mondrian gilt als einer der Hauptvertreter der Abstraktion

Zwei schwarze senkrechte Linien durchziehen eine weiße Fläche. An einer der Linien setzen zwei kürzere waagerechte Linien an. Ganz oben rechts, eine blau ausgemalte Fläche. „Komposition mit Blau und Weiß“ heißt diese Arbeit des niederländischen Malers und Kunsttheoretikers Piet Mondrian, entstanden 1936.

Für Mondrian waren die gestalterischen Mittel der Malerei nichts anderes als Linie und Farbe. Mit dieser Idee ist der Künstler weltberühmt und seine Kunst unverkennbar geworden.

„Mondrian gehört zu den ganz großen Erneuerern, weil er sich mit seinem Kunstbegriff ‚De Stijl‘ einzig und allein an Linie, Farbe und Rastern orientiert. Kunst steht bei Mondrian nur für sich selbst und löst sich von der abbildenden Qualität.” Das, so Museumsdirektorin Julia Wallner, mache Mondrians Kunst so besonders.

Netzwerk Paris - Ausstellung Arp Museum Remagen
„Composition verticale“ von Sophie Taeuber-Arp. Einer der wenigen Frauen in der Künstlervereinigung „Abstraction-Création“, die sich in Paris in den 1930er-Jahren zusammengeschlossen hatte.

Weg von der figürlichen Malerei und gegen den Faschismus

Mondrian malte wie viele seiner Künstlerkollegen am Anfang figürlich. Doch jegliche figurative Kunst war aus der Sicht der Künstlergruppe „Abstraction-Création“ zu anfällig, für Propagandazwecke missbraucht zu werden. Eine Kunst, die nicht abbildet, war damals wesentlich unangreifbarer und dazu noch revolutionär: Gitter, serielle Strukturen, Linien.

Der deutsch-französische Künstler Hans Arp empfand seine Formen der Natur nach, ohne ein konkretes Objekt zu haben.

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Weiche Formen und glatte Oberflächen dominieren die Skulptur „Menschliche Konkretion“ von Hans Arp aus dem Jahr 1933. Das Werk erinnert an zwei miteinander verbundene Körper.

Abstraktion: Weiche Form oder harte Linie

„Menschliche Konkretion“ nennt Hans Arp 1933 sein Werk, das aus zwei weißen, organisch wirkenden Skulpturen besteht, die wirken, wie Steinbrocken, die über Jahre vom Wasser geschliffen wurden.

Hans Arp lässt eine freie Form entstehen, die auf nichts anderes verweist als auf sich selbst, sagt Museumsdirektorin Julia Wallner.

Abstraktion war in den 1930er-Jahren Avantgarde

Rund 70 Arbeiten der Künstlergruppe „Abstraction-Création“ sind im Arp-Museum zu sehen. Eine Gemeinschaft, deren Mitglieder gegensätzlicher kaum hätten sein können. Doch ob weiche Form oder harte Linie – gemeinsam standen die Künstler und Künstlerinnen der Bewegung für die Abstraktion ein.

Die Künstlergruppe „Abstraction-Création“ bewegte sich in den 1930er-Jahren zwischen der geometrischen und der organischen Abstraktion. Sie wollte alle Kräfte bündeln und einen Markt für die abstrakte Kunst finden.

„Es war der Künstlergruppe ein großes Bedürfnis, die neue Kunstrichtung in die Welt zu bringen”, sagt Julia Wallner.

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Ausstellungsansicht Netzwerk Paris. Abstraction-Création 1931–1937 mit Werken von Albert Gleizes, Etienne Beoth und der in Dublin geborenen Malerin Mainie Jellett.

Mainie Jellett schafft Strudel aus Formen und Farben

In der Künstlergruppe gab es neben Sophie Täuber-Arp nur wenige Künstlerinnen. Eine Entdeckung in der Ausstellung ist das Werk der 1897 in Dublin geborenen Malerin Mainie Jellett.

Für Jellett war der Ausgangspunkt die Oberfläche, die sie zum Leben erwecken wollte. Starke Farben, in kubistischen Formen angeordnet, wirken in „A Composition“ wie ein sich schnell drehender Strudel. Das Kunstwerk wird zu einem visionären, utopischen Raum.

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Ein Strudel aus Formen und Farben: Mainie Jellett, A Composition, 1930er-Jahre National Gallery of Ireland Collection, Dublin.

Ein buntes Fischernetz als Weiterentwicklung der Abstraktion

Museumsdirektorin Julia Wallner betont die Aktualität der Ausstellung: „Die Kunst kann auch Garant für die Freiheit des Denkens sein. Wir wissen, dass die Einheit Europas bedroht ist und alle hoffen, dass wir nicht an diesem Kipppunkt sind wie in den 1930er-Jahren.”

Es ist mit ein Grund, warum sie und Ihre Kollegin, Kuratorin Astrid von Asten, auch zeitgenössische Positionen in die Ausstellung integriert haben.

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Eine farbige Installation aus bunten Fischernetzen im Dialog mit dem Museumsbau des Stararchitekten Richard Meyer. Ausstellungsansicht „Netzwerk Paris“ mit „No. 1084 Net“ (2021) von Rana Begum.

Augenfällig ist ein Kunstwerk aus Bangladesch: ein riesiges buntes Fischernetz, das sich über einen Gang des Arp-Museums erstreckt. Die Künstlerin Rana Begum hat diese imposante Rauminstallation geschaffen.

Sie verbindet die Idee der Raster, Linien und organischen Formen miteinander und lässt den Bau des Star-Architekten Richard Meyer neu erleben.

Bahnbrechende Gruppe „Abstraction-Création“ wirkt bis heute

Das Fischernetz ist nur ein Beispiel dafür, wie die Errungenschaft der innovativen Gruppe „Abstraction-Création“ die nachfolgenden Generationen beeinflusst hat.

Mit der Ausstellung „Netzwerk Paris“ stellt das Arp-Museum mit rund 70 Werken die Künstlervereinigung nach rund 50 Jahren wieder ins Rampenlicht. Die Schau kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.

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