Es gibt nichts, was es nicht gibt

Schweine, Flipper, Ekel-Essen: 5 skurrile Museen im Südwesten

Museen beherbergen millionenschwere Schätze, oder aber auch allerlei Kurioses, etwa einen Wein mit nackten Mäusebabys oder eine 50 Millionen Jahre alte, in Bernstein eingeschlossene Urbiene. Ganz nach der Überzeugung: Wie wertvoll etwas ist, liegt im Auge des Betrachters.

Teilen

Stand

Von Autor/in Luisa Sophie Klink

Wenn das Zuhause zu klein für die Sammelleidenschaft wird, dann entstehen etwa so kuriose Museen wie das Schweinemuseum in Stuttgart oder das Flippermuseum in Neuwied. Und wenn das „Dschungelcamp“ in Stuttgart einziehen soll oder der Schwabe auf der Suche nach kostengünstigen Nahrungsmitteln ist, dann kommt so etwas heraus wie das „Disgusting Food Museum“ in der schwäbischen Landeshauptstadt.

Nicht weniger spektakulär, aber eher zum Staunen als kurios sind solche Museen wie das Bienenkundemuseum im Münstertal oder das Tagebucharchiv in Emmendingen. Hier steht in erster Linie der Forschungsaspekt im Vordergrund, der aber auch alles andere als langweilig ist.

Lotto-Museumspreis für Deutsches Fleischermuseum Böblingen:

Fünf skurrile Museen im Südwesten:

Schweine-Museum in Stuttgart

Wer denkt, das Schweine-Museum hat etwas mit Schweinen zu tun, ist nicht ganz auf dem Holzweg, allerdings geht es in erster Linie nicht um das Tier und seinen Lebensraum, sondern um Schweine in allen erdenklichen Formen, Farben und Materialien, sprich Plüsschweine, Glücksschweine, Sparschweine.

Schweinemasken und -figürchen in einer Vitrine des Stuttgarter Schweinemuseums.
Nachdem Erika Wilhelmer das Glücksschwein-Museum in Bad Wimpfen zu klein wurde, zog sie kurzerhand mit ihrer Sammlung in einen ehemaligen Schlachthof nach Stuttgart.

Schwein gehabt, könnte man sagen, denn das Museum befindet sich in einem ehemaligen Schlachthof. Im doppelten Sinne: Denn gegründet wurde es von der Gastronomin Erika Wilhelmer.

Ihre Sammelleidenschaft brachte dem Museum sogar einen Guiness-Buch-Rekord ein. Mit 25.000 Exponaten durfte es den Titel „Größtes Schweine-Museum der Welt“ führen. Mittlerweile beherbergt es 50.000 Exponate auf 600 Quadratmetern in 25 Themenräumen.

Flippermuseum in Neuwied

Wer's bunt und knifflig mag, der sollte dem Deutschen Flippermuseum „Extraball“ in Neuwied mal einen Besuch abstatten. Mit 150 Exponate von 1930 bis in die Gegenwart lässt es Spielerherzen höherschlagen.

Ein besonderes Highlight ist das „Bajazzo“, das zu den Ur-Kugelfangspielen gehört. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es überwiegend in Berlin, Dresden und Leipzig gebaut.

Flipperautomaten im Deutschen Flippermuseum „Extraball“ in Neuwied.
Den Flipper, also den Flipperhebel, hat ein amerikanischer Techniker namens Harry Mabs 1947 erfunden.

Das Ziel des Spiels: Eine italienische Clownfigur, der Bajazzo, musste mithilfe eines Drehknopfs so bewegt werden, dass er die Kugel, die man mit einem anderen Drehknopf ins Rollen brachte, fangen konnte. War der Spieler geschickt genug, konnte er, mit einem Einsatz von 10 Pfennig, 40 Pfennig gewinnen.

Besonders beliebt waren sie auf Jahrmärkten und in Gaststätten. Im Gegensatz dazu dient der klassische Flipperautomat, wie man ihn auch heute noch kennt, in erster Linie der Spiellust. Es geht also um einen Gewinn an Freude, nicht an Geld.

Disgusting Food Museum in Stuttgart

Maden in Käseleib
Augen auf bei der nächsten Bestellung Spaghetti im Parmesanleib. Für die cremige Note könnte eine nicht ganz so angenehme Komponente sorgen. Der Casu Marzu, ein Schafskäse aus Sardinen, reift unter anderem mithilfe von Maden, die ihm seine cremige Konsistenz geben.

Ungewöhnliche Speisen aus exotischen Kulturen? Man kann es so wie das Museum nennen, oder kurz „Ekel-Essen“ – zumindest für den mitteleuropäischen Geschmack. Das bietet das Disgusting Food Museum in Stuttgart, dessen Vorläufer sich in Malmö und Berlin befinden.

Wer Lust auf eine Essens-Challange hat, muss also nicht mehr eine der berüchtigten Essensprüfungen im australischen Dschungel absolvieren, sondern kann einfach einen Museumsbesuch einplanen.

Schafsauge in Tomatensaft.
Schafsauge in Tomatensaft. In der Mongolei soll dieses Süppchen bei Kopfschmerzen helfen oder auch ein beliebtes Katerfrühstück sein.

Hier werden Besucher eingeladen, über den Tellerrand hinauszublicken. Gezeigt werden 80 der ekelerregendsten Speisen aus aller Welt. An manchen darf gerochen, andere dürfen gekostet werden.

Hinter dem Museumskonzept steckt die Idee, den eigenen Geschmack zu hinterfragen, um eventuell künftig durch ein neues Ekelverständnis einen umweltfreundlicheren Nahrungsumgang zu etablieren.

Stuttgart

Disgusting Food Museum in Stuttgart Bullenpenis und Madenkäse: Ausstellung zeigt ekligste Speisen der Welt

In Stuttgart bringt eine neue Ausstellung das Dschungelcamp-Feeling ins Museum. Die Besucher können dort ihre Gewohnheiten hinterfragen. Was ist essbar – und was nicht.

Bienenkundemuseum im Münstertal

Der damalige Leiter des Bienenkundemuseums im Münstertal, Karl Pfefferle sitzt neben etwa mehr als 220 Jahre alten, so genannten Kamin-Bienenstöcken aus der Steiermark, bei denen sich der Einflug über der herausgestreckten Zunge befindet.
Der 1918 geborene Imker Karl Pfefferle beschäftigte sich schon seit seiner Kindheit mit den Bienen. Die Faszination trieb ihn auch zur ein oder anderen Entwicklung: etwa zum fahrbaren Bienenhaus „Huckepack“, für das er mehrere Patente besaß.

Wer in die Welt der Bienen eintauchen möchte, für den ist ein Abstecher ins Bienenkundemuseum im Münstertal ein Muss. Der ehemalige Museumsleiter und „Bienenpapst“ Karl Pfefferle reiste durch die ganze Welt, um rare Imkerei-Unikate in sein Museum zu holen.

So findet sich unter den Ausstellungsstücken etwa eine rund 50 Millionen Jahre alte, in Bernstein eingeschlossene Urbiene oder über 220 Jahre alte Kamin-Bienenstöcke. In zwölf Räumen auf 800 Quadratmetern gibt es jede Menge zu bestaunen.

Summende Inspirationsquelle Von Albrecht Dürer bis Jopseph Beuys: Bienen in der Kunst

Ohne Bienen kein Leben – da war sich schon Albert Einstein sicher. Sie gelten als Symbol der Fruchtbarkeit, Mütterlichkeit und Produktivität und inspirieren seit Anbeginn der Menschheit auch die Kunst.

Im Mittelpunkt steht immer die Beziehung des Menschen zur Biene und ihre Bedeutung für die Erhaltung von Natur und Umwelt: Denn ohne Biene, kein Leben, war Karl Pfefferle überzeugt.

Deutsches Tagebucharchiv in Emmendingen

Tagbuch eines Stammtischs
Das Archiv wurde 1998 gegründet. Stand Februar 2025 werden rund 28.000 Zeitzeugnisse von über 5.500 Autoren aufbewahrt.

Von Tagebüchern geht immer eine gewisse Faszination aus, denn sie sind geheim, persönlich und sollen grundsätzlich nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Wer also etwas neugierig veranlagt ist und schon immer mal in fremde Tagebücher spicken wollte, kann dies im Tagebucharchiv in Emmendingen ganz legal tun.

Tagebuch aus dem Deutschen Tagebucharchiv in Emmendingen.
Laut einer Statistik des Deutschen Tagebucharchivs in Emmendingen wurden die meisten Zeitzeugnisse, die das Archiv aufbewahrt, von Menschen im Alter von 40 Jahren geschrieben.

Aufbewahrt werden unveröffentlichte Tagebücher, Lebenserinnerungen und Briefe von nicht prominenten Personen – Schriftstücke, in denen jemand eine Spur seines Lebens hinterlassen hat. 2019 ist das Archiv als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ in das Denkmalbuch des Landes Baden-Württemberg eingetragen worden.

Sehenswürdigkeiten am UNESCO-Weltkulturerbe Ausflugstipps entlang des Limes: Unterwegs mit den alten Römern

An vielen Orten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind noch heute Reste des Limes zu sehen. Das Leben entlang des römischen Schutzwalls ist vielfältig zu entdecken.

SWR Kultur am Samstagnachmittag SWR Kultur

Erholen, Kraft tanken und staunen Faszination Garten: Ausflugsziele entdecken in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Die Gartenkunst gilt als eine der ältesten Künste und Gärten als Rückzugs-, Kraft- und Erholungsorte. Welche Gärten in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg einen Ausflug lohnen.

SWR Kultur am Mittag SWR Kultur

Stuttgart

Disgusting Food Museum in Stuttgart Bullenpenis und Madenkäse: Ausstellung zeigt ekligste Speisen der Welt

In Stuttgart bringt eine neue Ausstellung das Dschungelcamp-Feeling ins Museum. Die Besucher können dort ihre Gewohnheiten hinterfragen. Was ist essbar – und was nicht.

Summende Inspirationsquelle Von Albrecht Dürer bis Jopseph Beuys: Bienen in der Kunst

Ohne Bienen kein Leben – da war sich schon Albert Einstein sicher. Sie gelten als Symbol der Fruchtbarkeit, Mütterlichkeit und Produktivität und inspirieren seit Anbeginn der Menschheit auch die Kunst.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Luisa Sophie Klink