Wie Künstler aktuell auf das Vergängliche schauen

„Vanitas“-Ausstellung: Alles vergeht – und sieht dabei verdammt gut aus

Im Museum LA8 kann man zurzeit die Schönheit des Vergänglichen bestaunen - was sich vergnüglicher gestaltet als das Thema vielleicht ahnen lässt.

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Von Autor/in David Kirchgeßner, Niko Vialkowitsch

Wer sagt eigentlich, dass die eigene Endlichkeit immer nur düster und schwer verdaulich sein muss? Im Museum LA8 in Baden-Baden lässt sich derzeit das genaue Gegenteil beobachten. Die Ausstellung „Vanitas. Die Schönheit des Vergänglichen“ beweist, dass man den ernstesten Fragen des Lebens durchaus mit einer gewissen Leichtigkeit begegnen kann.

Seit jeher setzen sich Kunstschaffende mit dem Thema „Memento mori“ – also das Wissen um die eigene Sterblichkeit – auseinander. Doch heute geschieht das oft mit einer erfrischenden Portion Ironie. Da hängen in der Schau Stillleben aus Plastikblumen direkt neben der morbiden Ästhetik verschimmelter Äpfel. Ein spannender Kontrast zwischen künstlicher Ewigkeit und natürlichem Verfall.

Streuobstäpfel für die Biennale

Das Kernstück und zugleich größte Werk der Ausstellung ist die Installation „Metamorphosis“ des Künstlerduos Silvia Eisele und Achim Großmann. In 415 hochästhetischen Fotografien dokumentieren sie den Verfallsprozess von Streuobstäpfeln in seiner ganzen Schönheit. Mit seinen „Apfelporträts“ war das Duo auch schon auf der Biennale in Venedig vertreten.

Ausstellung VANITAS. DIE SCHÖNHEIT DES VERGÄNGLICHEN
415 Galeriedrucke heimischer Streuobstäpfel, in all ihren Stadien des Verfalls mit der ihnen eigenen Ästhetik, präsentiert das Calwer Künstlerduo ArsCubis. Pressestelle Museum LA8 Bild in Detailansicht öffnen
Einblick in die Ausstellung "Vanitas. Die Schönheit des Vergänglichen" im Museum LA 8 in Baden-Baden
„Ökologische und ästhetische Reflexion“ heißt es im Begleittext zur Ausstellung über das Kunstwerk. Musseum LA 8 Bild in Detailansicht öffnen
Einblick in die Ausstellung "Vanitas. Die Schönheit des Vergänglichen" im Museum LA 8 in Baden-Baden
Die Apfelporträts waren auch schon auf der Biennale in Venedig zu sehen. Musseum LA 8 Bild in Detailansicht öffnen

Zeitgenössische Ölmalerei

Dass auch die klassische Ölmalerei im 21. Jahrhundert noch immer aktuell ist, beweist der 1965 geborene Künstler Cornelius Völker. Seine großformatigen Bilder leuchten in kräftigen Farben und wirken fast greifbar.

Das Werk "Kerze mit Eingelegtem" von Cornelius Völker in der Ausstellung VANITAS. DIE SCHÖNHEIT DES VERGÄNGLICHEN
Das Werk „Kerze mit Eingelegtem“ von Cornelius Völker ist 2021 entstanden. Pressestelle Museum LA8

Wer näher herantritt, erkennt seinen meisterhaften Stil: Mit breiten, pastosen Pinselstrichen setzt er Kontraste und Lichteffekte so gezielt, dass selbst eine brennende Kerze eine einladende, fast gemütliche Stimmung verbreitet.

Statt vollen Obstkörben, erlegtem Wild und Gemüse malt Völker Einmachgläser. Völker holt so die alten Symbole der Stilllebenmalerei und Vergänglichkeit ins Hier und Jetzt.

Große Namen und junge Talente

Neben etablierten Größen wie dem 2024 verstorbenen Daniel Spoerri sind auch ganz junge künstlerische Positionen zu sehen. Die 1997 geborene Helena Hafemann ist die jüngste Künstlerin der Ausstellung. Ihre Serie „Fadenschein“ entstand aus dem Versuch, den Verlust einer lieb gewonnenen Untertasse zu überwinden.

Das Werk "Fadenschein Nr.4" von Helene Hafemann in der Ausstellung VANITAS. DIE SCHÖNHEIT DES VERGÄNGLICHEN
„Fadenschein Nr.4“: Bei Helena Hafemann zieht sich der Moment, wenn Porzellan zu Bruch geht scheinbar endlos. Pressestelle Museum LA8

Der Porzellanteller zerbrach in mehrere Fragmente, die sich für Hafemann durch ihren ästhetischen und emotionalen Wert, aber nicht mehr durch ihre Funktion definieren: „Der Moment der Verwandlung wird durch filigrane Fäden fixiert, die sich zwischen den Scherben des Porzellantellers spannen. Die Auflösung wird durch das farbige Ornament des Porzellanobjekts in einem Strichcode-ähnlichen Muster aus Fäden eingefroren.“

Die Offenbacher Künstlerin Felicithas Arndt (Jahrgang 1992) reflektiert Themen wie ökologische Vernetzung, Schutzräume und die Durchlässigkeit von Materie und Raum. Ihre Serie „Madrepora“ besteht aus keramischen Skulpturen, die an zerbrechliche Korallen erinnern. Angesichts der kritischen Lage vieler Korallenriffe in den Weltmeeren ein hochaktuelles Symbol der Vergänglichkeit.

Die Skulptur "Madrepora I" von Felicithas Arndt in der Ausstellung VANITAS. DIE SCHÖNHEIT DES VERGÄNGLICHEN
Die Skulptur "Madrepora I" von Felicithas Arndt Pressestelle Museum LA8

Vanitas und Lebensfreude

Co-Kuratorin Christine Schében-Meyer sagt: „Da ist sehr viel Lebensfreude in den Werken.“ Wer sehen möchte, wie lebendig der Verfall sein kann, sollte dem LA8 einen Besuch abstatten. Die Ausstellung ist bis 20. September zu sehen.

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