Ludwig I., von 1825 bis 1848 König von Bayern, war derart begeistert von seiner Reise nach Pompeji, dass er seine Eindrücke in der zehnten Elegie seiner „Erinnerungen an Italien“ niederschrieb. Er war höchstselbst bei den Grabungen dabei gewesen und begeisterte sich für die Antike.
Mehr als 40 Mal reiste er nach Italien. Vor Ort studierte er archäologische Stätten, antike Skulpturen und deren Renaissance-Nachbildungen. Der König wollte aber auch ein Stück Italien nach Bayern holen und ließ ganze Bauwerke im direkten Bezug zur Antike und zu Pompeji errichten.
Villa Ludwigshöhe im italienischen Stil errichtet
Bestes Beispiel ist das Pompejanum in Aschaffenburg, Nachbau einer römischen Villa. Aber auch seine Sommerresidenz in Edenkoben, die Villa Ludwigshöhe, ließ er als Prunkbau im italienischen Stil errichten.
Die Sonderausstellung spannt nun den Bogen von der Pfalz und Bayern bis zur antiken Stadt Pompeji. Jessica Jancziak von der Generaldirektion Kulturelles Erbe in Rheinland-Pfalz erklärt: „Mit Alltagsgegenständen aus dem ersten Jahrhundert nach Christus bekommen die Besucherinnen und Besucher einen ersten Eindruck der römischen Kultur rund um die Hafenstadt Pompeji.“
Römische Artefakte und ein tanzender Satyr
In den Vitrinen liegen römische Pinzetten, Spielwürfel, Öllämpchen, Glasampullen und Haarnadeln. Gefunden wurden sie allerdings nicht in Italien, sondern in Trier. Ein tanzender Satyr ist das Highlight der Ausstellung. Das Original befindet sich im Nationalmuseum von Neapel.
„Der Faun oder Satyr ist ein Gefolgsmann des Gottes Dionysos, dem Weingott“, erklärt Jessica Jancziak, „und wir sind ja hier in einer Weingegend. Das schließt den Kreis zu Ludwig und diesem Gebäude hier. Ludwig hat die Casa del Fauno in Pompeij besucht und dort selbst diese Funde gemacht.“
Wandmalereien aus Pompeji kopiert
Damit ist die Verbindung zwischen Antike, Ludwig und Edenkoben geklärt. Es sind aber nicht nur die Statuen, die den König begeisterten. Ludwig liebte die pompejianischen braunroten Wandmalereien mit schwebenden Figuren und Landschaftsbildern.
In der Villa Ludwigshöhe gibt es vier Räume, die in diesem Stil ausgemalt sind. Beauftragt wurde damit der Künstler Adalbert Hock. König Ludwig I. war zu diesem Zeitpunkt bereits tot.
Besucherinnen und Besucher können im Anschluss der Ausstellung die Wandmalereien in den geöffneten Räumen der Villa Ludwigshöhe betrachten. Auch ein Blick auf den Boden lohnt sich, denn König Ludwig hat auf kühle Steinmosaike verzichtet und stattdessen Holzblättchen aus Rosen- und Nussbaumholz verwenden lassen.
Beim Verlassen des Schlosses ist alles klar: Bayern, die Pfalz und Pompeji liegen nur auf der Landkarte weit auseinander.
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