Zeitungsschreiber, später Bundeskanzler

„Berufswunsch Journalist“ – Ausstellung über prägende Pläne des jungen Willy Brandt

Kurz vor dem Abitur schrieb der spätere Bundeskanzler Willy Brand, dass er beabsichtige, Journalist zu werden. Das wurde er auch. Bereits als Schüler, aber auch später im Exil schrieb er Zeitungsartikel. Wie sehr ihn diese Arbeit geprägt hat, ist nun in einer Ausstellung in Unkel zu sehen.

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Von Autor/in Henning Hübert

„Ich habe die Absicht, Journalist zu werden“

In Sütterlin steht es in seinem Gesuch auf Zulassung zur Abiturprüfung 1931: „Ich habe die Absicht, Journalist zu werden. Wenn es möglich sein sollte, möchte ich auch Deutsch und Geschichte studieren.“

Unterschrieben hat Willy Brandt das in Lübeck noch mit seinem Geburtsnamen Herbert Frahm. Die Unkeler Künstlerin Grabriela Mrozik hat diese Formulierung seines Berufswunsches in eine große Papierarbeit verwandelt, einen aufgeklappten Leporello.

Die Erklärung des jungen Mannes kurz vor seinem Abitur habe sie beeindruckt. sagt Mrozik: „Denn es ist kein Wunsch, sondern eine feste Absicht, also kraftvoll für mich. Ein Satz, der wichtig ist für ihn und für sein Leben.“

Ausstellung „Berufswunsch Journalist – Zeitungsschreiber Willy Brandt“
Brandt, 1913 in Lübeck als Herbert Frahm geboren, nahm 1929 auf der Halbinsel Namedy an einer sogenannten „Kinderrepublik“ teil: Er gestaltete das Lager-Programm als Rezitator mit. Bei der Gelegenheit gab er sein erstes Radio-Interview.

Brandt geht erst 1948 in die Politik

Die Künstlerin spielt mit dem Satz in 14 Variationen. Jede Grafik des Leporellos steht für ein Jahr Brandts als Journalist im Exil. Erst 1948 ließ der spätere Regierende Bürgermeister West-Berlins und Bundeskanzler den Journalismus sein und ging in die Politik.

NIcht, ohne sich weiterhin mit Journalisten zu umgeben: von Egon Bahr bis Günter Gaus. Seine Witwe Brigitte Seebacher sagt, dass Willy Brandt eigentlich nichts gesagt oder veröffentlicht habe, was nicht zuvor ein anderer redigiert oder gegengelesen hätte.

Ausstellung „Berufswunsch Journalist – Zeitungsschreiber Willy Brandt“
Seinen allersten Artikel schrieb Herbert als Dreizehnjähriger für die Kinderseite der „Lübecker Nachrichten“, seinem Hausblatt. Der Bericht über eine Wanderung entlang der Trave, 69 Kilometer.

„Willy Brandt“ wird sein Pseudonym

Politische Artikel schrieb er zunächst unter seinem Geburtsnamen Herbert Frahm in Lübeck, nach seiner Emigration wegen der Machtübernahme der Nationalsozialisten dann auch in Skandinavien.

„Er hat, seitdem er 15 war, regelmäßig Beiträge für den ‚Lübecker Volksboten‘ geschrieben“, erklärt Ausstellungskurator Christoph Charlier. „Willy Brandt war jemand, der sich die Finger wund geschrieben hat. Das konnte ihm die Sozialdemokratische Zeitung mit ihrem Chefredakteur Julius Leber durchaus finanzieren.“

Unter falschem Namen in Nazi-Deutschland

Im Exil schrieb er ab April 1933 unter dem Fantasie-Namen Willy Brandt über Nazi-Deutschland, wurde Deutschland-Erklärer. 1936 ging er kurz nach den Olympischen Sommerspielen dafür unter falschem Namen nach Berlin – getarnt als Student Gunnar, um Kontakt zu Parteifreunden zu halten und über die Stimmung im Land zu berichten.

Die Frucht: ein Artikel Brandts im Exil-Organ „Marxistische Tribüne“: Genau beobachten und erklären und daraus Schlüsse ziehen – das machte den Zeitungsschreiber Willy Brandt aus.

Ausstellung „Berufswunsch Journalist – Zeitungsschreiber Willy Brandt“
Brandt hat sich ein Leben lang als Journalist geführt, so steht es also auch in seinen Ausweispapieren.

Schreiben, um sich selbst zu reflektieren

„Immer sich selbst zu reflektieren, zu sich selber zu kommen und dazu das Schreiben zu nutzen, das war ein ganz zentraler Wesenszug von Willy Brandt“, sagt Kurator Christoph Charlier.

Die Unkeler Ausstellung zeigt viele spannende Objekte aus seinem Nachlass. So wird klar, wie sehr der Berufswunsch Journalist den späteren Politiker Willy Brandt geprägt hat.

Zeitwort 16.02.1964: Willy Brandt wird SPD-Vorsitzender

Er zählt zu den bedeutendsten Politikern der Bundesrepublik, aber er war auch ein Mensch, der Freunden und Gegnern immer etwas fremd und rätselhaft blieb.

SWR2 Zeitwort SWR2

28.10.1969 Willy Brandt will "Mehr Demokratie wagen"

28.10.1969 | Der neu gewählte Bundeskanzler Willy Brandt sagt in seiner ersten Regierungserklärung, er wolle mehr Demokratie wagen. Das ist auch eine Reaktion auf die Ereignisse von 1968.