Diskutiert auf Platz 1 der SWR Bestenliste Februar 2026:
Seit den 1980er-Jahren hat der Brite Julian Barnes 14 Romane veröffentlicht, außerdem diverse Essay- und Erzählungsbände. Unter dem Pseudonym Dan Kavanagh hat er eine Reihe von Kriminalromanen publiziert; für „Vom Ende einer Geschichte“ wurde Barnes im Jahr 2011 mit dem Booker Prize ausgezeichnet.
Am 19. Januar ist Julian Barnes 80 Jahre alt geworden, und „Abschied(e)“ soll sein letztes Buch sein. Behauptet der Autor jedenfalls.
Barnes verabschiedet sich von seiner großen und treuen Leserschaft auf so formvollendete wie rührende Weise:
Ich hoffe, unsere Beziehung hat Ihnen über die Jahre hinweg Freude gemacht. Mir auf jeden Fall. Es war mir ein Vergnügen, dass Sie da waren – ja, ich wäre nichts ohne Sie. Darum lege ich Ihnen einfach kurz meine Hand auf den Arm – nein, schauen Sie weiter – und stehle mich davon. Nein, schauen Sie weiter.
Sollte Barnes ernst machen mit seiner Ankündigung, so ist „Abschied(e)“ ein würdiger Abschluss – ein kluger, eleganter, mit feiner Ironie gewürzter Text über das Leben, die Liebe und die Erinnerung, kleine Seitenhiebe gegen das Proust’sche Madeleine-Konzept inklusive. Barnes leidet an einer seltenen Form von Blutkrebs, der, wie man ihm sagte, beherrschbar sei. Er wird nicht daran, aber damit sterben, so seine Formulierung.
Davon erzählt er. Von den Verlusten. Von seiner Zeit am College und von Stephen und Jean, einem Paar, das er zu Beginn der 1960er-Jahre eben dort kennenlernt und das Jahrzehnte später durch sein Zutun erneut zusammenkommt.
Selbstverständlich ist diese Form des Erinnerns auch ein Versuch, die Kontrolle zu behalten. Aber die Ambivalenz und die spielerische Offenheit, die Barnes‘ Erzählen schon immer geprägt hat, hat er auch im Alter nicht verloren. Und vielleicht, ja hoffentlich, ist der Abschied doch kein endgültiger.