Platz 4 (49 Punkte)

Banine: Liebe ist Dir verboten. Ernst Jünger und ich. Aufzeichnungen 1942–1991

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Ernst Jünger ist noch nicht vergessen. Der Mann im Wilflinger Forsthaus, der einmal im Jahr von Helmut Kohl besucht wurde. Vielleicht ist Jünger der umstrittenste deutsche Autor des 20. Jahrhunderts. Geboren 1895, gestorben 1998. Kampferprobt, der konservativen Revolution zugerechnet, hat er mit „Auf den Marmorklippen“ mindestens ein Buch geschaffen, das bleiben wird; von seinen Tagebüchern einmal ganz abgesehen, die bis heute im höchsten Maße schillernd, erschreckend, kalt, aber auch lesenswert sind.

Legendär sind Jüngers Tagebucheinträge während der deutschen Besatzungszeit in Paris. Dort lernte Jünger auch die französische Schriftstellerin Banine kennen, die einer reichen und einflussreichen Familie entstammte. Sie verliebte sich in ihn und führt Jünger in die Pariser Gesellschaft ein. Geboren 1905 in Baku, war Banine Anfang der 1920er-Jahre nach Paris emigriert. Jünger wahrte, eingedenk seiner Frau und seiner beiden Kinder in Deutschland, Abstand, obwohl auch er sich zu Banine hingezogen fühlte.

Ihr Tagebuch aus dieser Zeit ist erst kürzlich an die Öffentlichkeit gelangt. Sie erzählt darin von gemeinsamen Unternehmungen, eröffnet aber auch neue Perspektiven im Hinblick auf Jüngers Blick auf andere Autoren und über seine Haltung zum Nationalsozialismus. Sowohl für Jünger-Forscher als auch für historisch interessierte Leser von Interesse.

Diskussion über vier Bücher SWR Bestenliste März 2026

Ein vielleicht gar nicht mal so überraschendes Ergebnis lieferte die Bestenliste-Runde im Freiburger Literaturhaus. Werke, die auf die Vergangenheit zurückblicken, führten nicht selten zu hitzigen Diskussionen über die Gegenwart. Meike Feßmann, Eberhard Falcke und Jörg Magenau diskutierten über vier auf der SWR Bestenliste im März verzeichneten Werke.
Auf Platz 4 steht ein Buch aus der Friedenauer Presse, nämlich Banines „Liebe ist Dir verboten. Ernst Jünger und ich. Aufzeichnungen 1942-1991“. Die von Alexander Pschera übersetzten, eingeleiteten und herausgegebenen Reflexionen der in Baku geborenen Schriftstellerin führten zur kontrovers beantworteten Frage, wie neben der geistigen Anziehung das erotische Verhältnis, insbesondere ein sexueller Übergriff Jüngers zu bewerten sei. (ab 1:10)
Safae el Khannoussis Roman „Oroppa“ in der deutschen Fassung von Stefanie Ochel wird durchweg gelobt. Das Buch der marokkanisch-niederländischen Autorin, das im Hanser Verlag erschienen ist, steht auf Platz 3 der März-Bestenliste und zeichnet sich vor allem durch eine vielschichtige und zunächst nicht leicht zu lesende Mehrstimmigkeit aus. Trotzdem oder auch gerade deshalb wird es als „Meisterwerk“ gefeiert. (ab 20:55)
Kurios, komisch und surreal ist Dorota Masłowskas Episodenroman „Im Paradies“, den Olaf Kühl für den Rowohlt Berlin Verlag aus dem Polnischen ins Deutsche übertragen hat. Die ästhetischen Mittel der Autorin und das Roman-Etikett werden innerhalb der Jury unterschiedlich bewertet, genau wie die Frage, ob „Im Paradies“ (Platz 2) auch als Gesellschaftsportrait Polens zu lesen sei. (ab 37:01)
Äußerst kritische Anmerkungen gab es zu Judith Hermanns Erinnerungsbuch „Ich möchte zurückgehen in der Zeit (S. Fischer Verlag). Hermann begibt sich auf Spurensuche in Polen. Dort möchte sie mehr über ihren Großvater erfahren, der Mitglied der SS und mutmaßlich an Verbrechen der Besatzer beteiligt war. Doch die Recherche verläuft im Dunklen. Worum geht es in dem Text? Handelt es sich um eine literarische Familienaufstellung? Wie fügt sich der Besuch der Erzählerin bei der Schwester in Neapel in die Gesamtkonstruktion ein? Welche Rolle spielt der Stil der Autorin bei Einordnung des Buchs? Es wurden viele Fragen gestellt, die zu heftiger Kritik der Jury führten. Ein Buch, das auf Platz 1 der SWR Bestenliste steht, das Publikum nachdenklich stimmt und Debatten über die Gegenwart der Vergangenheit auslöst. (ab 53:15)
Aus den vier Büchern lasen Antje Keil und Sebastian Mirow. Durch den Abend führte Carsten Otte.

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SWR