Ernst Jünger ist noch nicht vergessen. Der Mann im Wilflinger Forsthaus, der einmal im Jahr von Helmut Kohl besucht wurde. Vielleicht ist Jünger der umstrittenste deutsche Autor des 20. Jahrhunderts. Geboren 1895, gestorben 1998. Kampferprobt, der konservativen Revolution zugerechnet, hat er mit „Auf den Marmorklippen“ mindestens ein Buch geschaffen, das bleiben wird; von seinen Tagebüchern einmal ganz abgesehen, die bis heute im höchsten Maße schillernd, erschreckend, kalt, aber auch lesenswert sind.
Legendär sind Jüngers Tagebucheinträge während der deutschen Besatzungszeit in Paris. Dort lernte Jünger auch die französische Schriftstellerin Banine kennen, die einer reichen und einflussreichen Familie entstammte. Sie verliebte sich in ihn und führt Jünger in die Pariser Gesellschaft ein. Geboren 1905 in Baku, war Banine Anfang der 1920er-Jahre nach Paris emigriert. Jünger wahrte, eingedenk seiner Frau und seiner beiden Kinder in Deutschland, Abstand, obwohl auch er sich zu Banine hingezogen fühlte.
Ihr Tagebuch aus dieser Zeit ist erst kürzlich an die Öffentlichkeit gelangt. Sie erzählt darin von gemeinsamen Unternehmungen, eröffnet aber auch neue Perspektiven im Hinblick auf Jüngers Blick auf andere Autoren und über seine Haltung zum Nationalsozialismus. Sowohl für Jünger-Forscher als auch für historisch interessierte Leser von Interesse.