Im April 2024 ist der Schriftsteller Paul Auster im Alter von 77 Jahren an Krebs gestorben. 43 Jahre lang waren er und die Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet; die beiden waren das intellektuelle Vorzeigepaar der amerikanischen Ostküste: liberal, urban, weltgewandt.
Paul Auster, so erzählt es Siri Hustvedt, habe kurz vor seinem Tod den Wunsch geäußert, als Geist in die Welt zurückkehren zu können. Dementsprechend heißt Hustvedts Buch, in dem sie eben diesen Geist beschwört, „Ghost Stories“.
Es ist ein intimes, bewegendes Buch, in dem Hustvedt den Dialog mit ihrem verstorbenen Partner weiterführt, den die beiden über Jahrzehnte hinweg geführt haben.
Im Interview zu ihren Memoiren „Ghost Stories“ Siri Hustvedt: „Ich wollte etwas von Paul und mir zum Leben erwecken“
43 Jahre lang waren Siri Hustvedt und Paul Auster verheiratet und galten als wichtiges Autorenpaar. Im Gespräch erzählt sie vom Roman „Ghost Stories“ und dem verstorbenen Auster.
Zugleich aber beschreibt Hustvedt auch die Trauer, die ihren Alltag grundiert, die kurzen, schockartigen Momente, in denen ihr die Endgültigkeit des Verlusts bewusst wird. Sie hat aufgeräumt in der gemeinsamen Wohnung:
Im Schrank unseres Schlafzimmers ist jetzt Platz. Ich schreibe noch immer ‚unser‘. Obwohl Pauls bescheidene Kleidung ausgeräumt ist, bleibt es ‚unser‘ Schrank. ‚Unser‘ Schlafzimmer. Ich glaube, solange ich hier lebe, wird es unseres sein.
Ein paar Jogginghosen hat sie aufgehoben, einen Pullover, den sie manchmal zum Schreiben anzieht. Hustvedt ist es wichtig, ihre Trauer nicht als privat zu kennzeichnen; es geht nicht allein um sie, um ihren Verlust.
Sie erzählt von einer universellen Erfahrung, integriert Politik, Psychoanalyse, Neurowissenschaften in ihre Überlegungen. Diese „Ghost Stories“ sind alles andere als geisterhaft.