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Judith Schalansky: Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist

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Judith Schalansky ist ein Multitalent: Als Buchgestalterin wurde sie mehrfach ausgezeichnet, als Schriftstellerin ohnehin. Sowohl „Der Hals der Giraffe“ als auch ihr international gefeiertes Buch „Verzeichnis einiger Verluste“ wurde von der Stiftung Buchkunst für die gestalterische Finesse mit Preisen bedacht.

Die von Judith Schalansky, 1980 in Greifswald geboren, im Verlag Matthes und Seitz herausgegebene und gestaltete Reihe „Naturkunden“ ist zu einer viel beachteten Marke geworden.

Schalanskys Schreiben widersetzt sich beharrlich der Einordnung in das klassische Schema der Gattungen; es oszilliert zwischen Essay und Fiktion, zwischen Prosa und Lyrik.

Als „Nature Writing“ lässt sich Schalanskys Arbeit in jedem Fall bezeichnen, wenn man berücksichtigt, dass die Grenzen der literarischen Naturbetrachtung sich in den vergangenen Jahren nach allen Richtungen hin geöffnet haben.

„Marmor, Quecksilber, Nebel“ ist die Verschriftlichung von Schalanskys Frankfurter Poetikvorlesung aus dem Jahr 2025. Schalanskys Sprechen über die eigene Arbeit folgt deren innerem Prinzip – es ist ein Mäandern durch die Welt und deren Erscheinungen; ein Abschweifen und Sichfestsaugen an Gegenständen; ein Freilauf der Reflexionen. Vor allem aber denkt Schalansky sehr konkret über Stoff und Material.

„Woraus die Welt gemacht ist“ – so lautet der Untertitel ihrer Vorlesungen, und dementsprechend heißt es dort:

Es beginnt nicht mit einem weißen Blatt, sondern mit einem weißen Block. Ich entdecke ihn, als ich mit einem Becher Kaffee auf dem Außendeck der Fähre an die Reling trete und auf das Thrakische Meer schaue, ein strahlender Fleck am unteren Gesichtsfeld. Es dauert einen Moment, bis ich verstehe, freilich ohne irgendetwas zu kapieren: Es ist ein Brocken, ein aberwitzig großer Brocken aus massivem Marmor, die Seiten annähernd rechtwinklig, beinahe ein Quader, ungeschlacht und perfekt.

Es geht um die Weltwahrnehmung und um die sprachliche Formung dessen, was man sieht.

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SWR