Am 8. September 1522 vollendete das letzte noch verbliebene Schiff der Magellan-Expedition die erste Umrundung der Erde. Im Jahr 1524 veröffentlichte der italienische Ordensritter und Schriftsteller Antonio Pigafetta, der Mitglied der Expedition war, seinen literarischen Reisebericht.
Der 1964 geborene Dichter und Literaturhistoriker Petr Hruška hat sich von Antonio Pigafettas Reisebericht inspirieren lassen.
Petr Hruška wurde in der Bergarbeiterstadt Ostrava in Nordmähren geboren und hat an der dortigen Bergbau-Universität studiert.
Diese Stadt ist auch die Kulisse seines vorangegangenen Gedichtbandes, der den Schriftstellerkollegen Jaroslav Rudiš zu der Erkenntnis brachte, Hruška sei „einer der größten Dichter Tschechiens“.
In seinen neuen Gedichten nutzt Hruška den historischen Kontext der Magellan-Expedition, um feste Zeit- und Raumbezüge aufzulösen. Das Schiff wird zur allgemeinen Metapher des Lebens in all seiner Unwägbarkeit, Fragilität und Schönheit. Hruška hebt an:
„Ein fest verankerter Mastfuß, / der stille Dienst der Strebe unter Deck. / Am Ende des Taus / der mächtige Knoten, / ein Buchstabe im Alphabet der Seefahrt. / Grobe Naht am verschlissenen Segel, / mit Flecken von Inseln, / auf denen alles ganz anders ist, / die unauffindbar sind. / Eine Rippe aus der Flanke. / Seit dem achten Kapitel der Heiligen Schrift / stammen alle vom Schiff. / Und der heutige Morgen / strahlt so hell, / als sollte das Leben zu schaffen sein.“
Hruškas Gedichte, aus dem Tschechischen von Martina Lisa übersetzt, schwingen permanent zwischen konkreter Bedeutung und Metapher hin und her, eröffnen imaginäre, auch spirituelle Räume und kehren zurück in die Welt des Haptischen, um sich erneut aufzumachen. Ein poetisches Unterwegssein im besten Sinne.