Ein Jubiläum: Im Jahr 1925 veröffentlichte Arthur Schnitzler seine „Traumnovelle“ in einzelnen Kapiteln in der Modezeitschrift „Die Dame“. Erst im Folgejahr erschien das Werk dann als eigenständige Buchausgabe.
Schnitzlers Novelle, die unmittelbar nach ihrer Publikation nur wenig positive Resonanz fand, erzählt die Geschichte eines Paares, Fridolin und Albertine, deren nach außen hin glückliche bürgerliche Ehe zusehends von erotischen Fantasien und Begierden unterhöhlt wird.
Die „Traumnovelle“ lieferte den Stoff für diverse Verfilmungen, insbesondere für Stanley Kubricks letzten vollendeten Film „Eyes Wide Shut“ aus dem Jahr 1999 mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen.
Die Jubiläums-Neuausgabe beinhaltet ein 30-seitiges essayistisches Nachwort des 2001 bei einem Unfall verstorbenen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers W.G. Sebald.
„Das literarische Werk Schnitzlers“, so schreibt Sebald, „entstand auf dem Punkt, an dem der bürgerliche Begriff von der Liebe ins Stadium der Dissolution einzutreten begann.“
„Es hat seine nachhaltige Faszinationskraft daran, daß es mit Bedauern zwar, aber ohne Pathos die Kalamitäten beschreibt, die von einem zur fixen Idee gewordenen Ideal ausgelöst werden, und daß es solchermaßen den wirklichen gesellschaftlichen und seelischen Zuständen genauer Rechnung trägt als die weiterhin an der Hypostasierung der Liebe arbeitenden Werke vieler Zeitgenossen.“
Die Illusion also als die denkbar realistischste Annäherung an die Liebe.