Seit Jahren trotzt das Hörbuch allen Krisen des Buchmarkts. „Wir sind so ein bisschen durch das Geschäftsleben mäandert“, sagt Johannes Ackner, Co-Verleger des Leipziger Buchfunk-Verlags, der einst aus einer privaten Initiative hervorging.
„Im Prinzip eignen sich alle Bücher als Hörbücher“
Heute beschäftigt sein Unternehmen 22 Mitarbeitende und produziert Hörbücher auch für große Verlage. Für Ackner steht fest: „Im Prinzip eignen sich alle Bücher als Hörbücher. Da gibt es eigentlich keine Einschränkungen.“
Entscheidend sei, ob ein Buch Leserinnen und Leser finde und ob es literarisch überzeuge. „Es ist immer eine Mischung aus kommerziellen und verlegerischen Überlegungen“, erklärt er.
Eine eigene Kunstform, die professionelle Interpretation verlangt
Besonders wichtig ist dem Verleger die Wahl der richtigen Stimme: „Nur weil jemand gute Schriftstellerin oder Schriftsteller ist, heißt das noch lange nicht, dass sie auch gute Sprecherinnen oder Sprecher sind.“ Für Ackner ist das Hörbuch deshalb „eine eigene Kunstform“, die professionelle Interpretation verlange.
Neue Herausforderungen sieht er vor allem in der künstlichen Intelligenz. „Das ist ein Riesenthema in der Branche“, so Ackner. KI werde bereits bei Schnitt, Qualitätskontrolle und Vertrieb eingesetzt. Problematischer seien aber KI-generierte Stimmen.
„Die sind inzwischen so beängstigend gut, dass man sie kaum noch von menschlichen unterscheiden kann.“ Trotzdem zeigt sich Ackner pragmatisch: „Wir müssen sehen, dass wir dem etwas entgegenzusetzen haben: kreativ, ethisch und mit allen Beteiligten an Bord.“
Auf der Mainzer Büchermesse diskutiert Johannes Ackner am 25. Oktober 2025 über genau diese Zukunftsfragen des Hörbuchs.
Aktuelle Hörbücher
Drogen, Liebe, Tod – ein Zeitroman aus der französischen Provinz Ein Hörbuch, das unter die Haut geht – „Die Schlafenden“ von Anthony Passeron
Niemand hat die Provinz verlassen. Nur Désiré. Als Junkie kehrt er heim und löst nichtsahnend eine Katastrophe aus. Hörbuch mit Valentin Richter
Hörspiel Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
Um das Jahr 1900. Irgendwo in der Provinz der österreichisch-ungarischen k. u. k. Monarchie. Im "Konvikt zu W.", einem Militärinternat zur Aufzucht künftiger Eliten, gerät der Zögling Törleß in einen Zustand der Verwirrung, die seinen künstlerischen wie analytisch-intellektuellen Charakter zum Erwachen bringt. Der Mitzögling Basini bestiehlt seine Mitschüler, um seine Schulden zu begleichen. Er wird von Törleß' Freunden Reiting und Beineberg entlarvt. An ihm erproben sie ihre Vorstellungen von sexueller Hörigkeit und Demütigung.
Nach dem gleichnamigen Roman von Robert Musil
Mit: Michael Rotschopf, Stefan Konarske, Manuel Rubey, Stefano Bernardin, Florian Teichtmeister u. a.
Komposition: Michael Riessler
Hörspielbearbeitung: Manfred Hess
Regie: Iris Drögekamp
Produktion. SWR/ORF 2014
Hörbuch „Water Moon“ – Samantha Sotto Yambao
Ein Pfandhaus, das einem die Reue über falsche Entscheidungen abnimmt, das klingt verlockend. Doch Hana, die dieses Pfandhaus von ihrem Vater übernimmt, weiß, dass ein unerbittliches System dahinter steht. Als ihr Vater verschwindet, ahnt sie, dass sie bald auch Entscheidungen treffen muss, die sie vielleicht bereuen wird. Gelesen wird die Geschichte, die in den Gassen von Tokio spielt, bewegend und zauberhaft von Pia-Rhona Saxe. „Water Moon” ist ein phantasievolles und spannendes Hörerlebnis voller überraschender Wendungen, schwärmt Leonie Berger.