Wer bin ich eigentlich?

Das Tagebuch – eine ganz persönliche Chronik

Manche schreiben in ein Heft, andere in eine der neuen Journaling-Apps. Tagebuch-Schreiben liegt im Trend. Ein Gespräch zum Tag des Tagebuchs am 12. Juni.

Teilen

Stand

Warum schreibt man Tagebuch?

„Die meisten Menschen schreiben Tagebuch, um sich etwas von der Seele zu schreiben“, sagt Marlene Kayen. Sie ist die Vereinsvorsitzende des Deutschen Tagebucharchivs in Emmendingen.

„Man möchte einen Sachverhalt oder eine Emotion nochmal durchdenken, durchleben und dann besser ins Leben integrieren. Tagebuch-Schreiben ist auch ein Mittel, um sich zu vergewissern: Wer bin ich denn eigentlich?“

Archivieren und transkribieren

Gut 28.000 Dokumente hat das Deutsche Tagebucharchiv in Emmendingen seit seiner Gründung im Jahr 1998 gesammelt. Aufbewahrt werden die Tagebücher, Lebenserinnerungen und Briefwechsel in drei ortsnahen Lagern. Langsam wird allerdings der Platz knapp.

Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und einer Transkriptionssoftware, die auf die Erkennung persönlicher Handschriften trainiert wird, werden die Dokumente katalogisiert und transkribiert.

Von der französischen Besatzung am Mittelrhein

Im Gespräch mit SWR Kultur erzählt Marlene Kayen von den Tagebüchern, die sie besonders mag, etwa das Tagebuch einer Pfarrerstochter aus dem mittelrheinischen Dorf Dörscheid, die nach dem Ersten Weltkrieg die Besetzung durch die Franzosen miterlebte.

Oder auch das Tagebuch einer Zugsekretärin, die ab den 1950er Jahren in europäischen Fernzügen ein Schreibabteil für Geschäftsleute betreute und auf diesen Reisen viel erlebte.

Forschung und Museum

Immer mehr soziohistorische Forschungsprojekte stützen sich auf der Sammlung des Deutschen Tagebucharchivs. Auch davon berichtet Marlene Kayen.

Privatpersonen können nicht in den originalen Dokumenten stöbern, aber das zugehörige Tagebuch-Museum im Alten Rathaus Emmendingen besuchen. Auch auf der empfehlenswerten Website des Archivs sind zahlreiche Lebensgeschichten aufbereitet.

Dem Leben großer Persönlichkeiten ganz nah Tagebücher von Anne Frank, Kafka, Thomas Mann & Co. lassen uns in ihre Seele blicken

Wie kommt man näher an einen Menschen heran, bekommt tiefere Einblicke in seine Seele, als über ein Tagebuch? Fünf Tagebücher unterschiedlicher Persönlichkeiten stellen wir vor.

SWR Kultur am Mittag SWR Kultur

Gesellschaft Tagebücher – Warum wir sie schreiben und wie die Forschung sie nutzt

Menschen schreiben Tagebuch, um Erinnerungen festzuhalten oder Belastendes zu verarbeiten. Die Einträge sind kleine Zeitkapseln und damit für Historiker eine authentische Quelle.

Das Wissen SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Gespräch mit
Marlene Kayen
Das Gespräch führte
Katharina Borchardt