Comic-Biografie zum 100. Geburtstag

„Die Knef“ – Diese Graphic Novel lässt rote Rosen regnen

Zum 100. Geburtstag von Hildegard Knef hat der Comic-Künstler Moritz Stetter den Lebensweg der Schauspielerin, Sängerin und Autorin in einer Graphic Novel mit Originalzitaten und Liedtexte nachgezeichnet.

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Von Autor/in Silke Arning

Adam und Eva im Paradies, ein Menschenaffe, Leonardo da Vincis berühmter Darstellung von der Harmonie zwischen Mensch und Kosmos. Irritierend rätselhaft ist der Auftakt dieser Graphic Novel. Moritz Stetter überrascht mit farbenfrohen Bildern.

Dann plötzlich Szenen im schrillen Pink und Rot. Hitler schreit, die Massen marschieren im Gleichschritt. Das scheint nur auf den ersten Blick grotesk, denn wir sind bereits mitten drin in einem Lied von Hildegard Knef: „Es hat alles einen Anfang“.

Buch „Die Knef“ von Moritz Stetter, S. 6 und 7
Ikone der deutschen Nachkriegszeit: Hildegard Knef (1925 - 2002)

Fast ausschließlich Knefs eigene Texte

Für seinen Comic hat Moritz Stetter fast ausschließlich mit Originaltexten und Zitaten von Hildegard Knef gearbeitet und sich dabei hauptsächlich auf „Der geschenkte Gaul“, den autobiografischen Roman der Künstlerin, berufen. Eine wichtige Quelle, auch wenn sich Stetter bewusst ist, dass dieser in Sachen Wahrheitsgehalt mit Vorsicht zu genießen ist.

„Es ist wenig Text von mir selbst“, sagt Stetter über seine Graphic Novel. „Ich habe dann versucht, erst einmal mit diesen Texten zu arbeiten, bis ich an dem Punkt war, dass ich diesen Sound und diese Sprache so aufgenommen habe, dass ich selbst einigermaßen glaubhaft in diesem Sprachduktus schreiben konnte.“

Sogar die Handschrift der Knef wurde für eine kleine Passage nachempfunden, in der sie ihrer Mutter in einem Brief über ihre Erlebnisse in russischer Kriegsgefangenschaft berichtet.

Buch „Die Knef“ von Moritz Stetter, S. 64
In eindrücklichen Bildern zeichnet Moritz Stetter die Lebensgeschichte von Hildegard Knef nach.

„Ich wollte ihr kein Podest bauen“

Die künstlerische Arbeit bei dieser Graphic Novel liegt einerseits in Auswahl und Collage des Textmaterials, vor allem aber in der Gestaltung. In der Wucht der Bilder, mit denen Moritz Stetter den Werdegang Hildegard Knefs darstellt. Und das hat Klasse.

„Ich wollte ihr jetzt auch kein Podest bauen, das haben schon viele Biograf*innen gemacht“, erklärt Stetter seine Motivation für das Projekt. „Auf der anderen Seite wurde sie auch sehr ungerecht behandelt in der Rezeption in den Jahrzehnten nach ihrem Tod. Auch als Frau wurde sie anders behandelt als das bei Männern stattfand.“

Moritz Stetter (* 1983) ist Comiczeichner und Illustrator aus Hamburg
Moritz Stetter (* 1983) ist Comiczeichner und Illustrator aus Hamburg.

Einblicke wie aus dem Fotoalbum der Knef

Im Nachkriegsfilm „Die Sünderin“ ist Hildegard Knef ein paar Sekunden nackt zu sehen, ganz Deutschland gerät in Aufruhr. „Ich habe gedacht, ich habe das Land zerrissen oder bombardiert“, kommentiert die Schauspielerin später. „Dieses alberne Melodrama wurde zu einem Skandal. Lächerlich.“

Moritz Stetter zeichnet die Vielgescholtene als gigantisches Monster in lila Giftfarben, das über den Protest der Kirchen und wohlfeilen Bürger hinweg die Städte zertrampelt. Auch wenn sich der Künstler um Ausgewogenheit bemüht – seine Sympathie für den Menschen Hildegard Knef wird in seinen Illustrationen sichtbar, die sich extrem verändern und eine unglaubliche Dynamik entwickeln.

Buch „Die Knef“ von Moritz Stetter, S. 66
Im ersten deutschen Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“ von Wolfgang Staudte spielt Hildegard Knef 1946 die KZ-Überlebende Susanne Wallner.

Mal blättert man wie in einem Fotoalbum und schaut dem kleinen Hildchen beim Aufwachsen zu. Dann Szenen aus dem Berlin der 1930er-Jahre, die jüdischen Nachbarn verschwinden. Dann eine Interviewszene mit der Knef, die von den Anfängen ihrer Schauspielkarriere erzählt. Und wieder ein Schnitt: die Knef in Großaufnahme über eine ganze Seite gezeichnet.

Moritz Stetter lässt rote Rosen regnen

Von nun an geht’s bergab – diese Liedzeile zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Graphic Novel. Aus dem Dunkel der Nachkriegszeit in Deutschland startet die Knef in ein hellgelbes Hollywood.

Buch „Die Knef“ von Moritz Stetter, S. 178 und 179
Bis heute unvergessen: Hildegard Knefs Chanson „Für mich soll's rote Rosen regnen“ von 1968.

Farben und Formate der Bilder wechseln ständig und kommentieren auf subtile Weise das Geschehen, an das Moritz Stetter durch seine eigenwillige Darstellung immer wieder mal ein Fragezeichen setzt. Unglaublich auch, dass man durch die vielen Liedtexte in diesem Comic schon fast meint, die Knef singen zu hören.

Und natürlich lässt Moritz Stetter in seiner Hommage die Rosen regnen: „Ich find die Lieder unfassbar und zeitlos. Ich  habe so einen Playlist mit meinen 30 Lieblingsliedern“, sagt der Zeichner und Autor. „Ich finde ihre Musikkarriere fast die Spannendste und die Unsterblichste.“

Es soll rote Rosen regnen Ikone und Überlebenskünstlerin – 100 Jahre Hildegard Knef

„Die Knef“ war Schauspielerin, Sängerin, Schriftstellerin – und eine radikale Überlebenskünstlerin. Bis heute bleibt sie ein Vorbild für Mut, Selbstbestimmung und weibliche Stärke.

Hildegard Knef - rote Rosen für "die größte Sängerin ohne Stimme"

"Ich bin begabt", sagte Hildegard Knef schüchtern, als sie sich in den Filmstudios vorstellte. Damit nahm eine große Karriere als Schauspielerin, Chansonsängerin und Autorin ihren Anfang.

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Zeitwort 15.10.1946: "Die Mörder sind unter uns" kommt in die Kinos

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