Uve Teschner ist in diesem Jahr beim Lesefestival StadtLesen zu Gast und liest aus Jan Weilers "Älternzeit". Vor seinem Auftritt hat uns der bekannte Hörbuch- und Synchronsprecher ein Interview gegeben.
SWR1: Deine Stimme kennen wir aus packenden Thrillern, wundervollen Romanen. Erinnerst Du Dich noch an dein erstes Hörbuch?
Uve Teschner: Ich hab gerade mal darüber nachgedacht. Ich hatte mehrere erste Hörbücher. Das wirklich erste war "Der Adler, der Müllmann und die hässlichste Frau der Welt“ von Waldtraut Lewin. Ich war so begeistert von dem Buch und ich dachte: das muss ich unbedingt machen. Ich hab es auf dem Kassettenrekorder aufgenommen und nach der Hälfte aufgehört, weil es alles so schrecklich klang. Ich dachte: niemals wirst du das irgendwie so hinkriegen, dass Leute Genuss daran haben.
Ich dachte: niemals wirst du das so hinkriegen, dass Leute Genuss daran haben.
Später hatte ich dann ein bisschen Technik, hab es noch mal versucht mit Johann Gottfried Seume und "Spaziergang nach Syrakus". Das haben wir auf einer Reise gehört, da wusste ich noch nicht mal, dass ich das ganz ernsthaft machen möchte.
Das erste, für das ich auch mal wirklich Geld gekriegt habe, war eine Biographie von dem Deisler, von dem Fußballspieler. [Sebastian Deisler: "Zurück ins Leben - Die Geschichte eines Fußballspielers", Anm. d. Red.]
SWR1: Worin liegt für Dich das Besondere, diese Geschichten nicht nur zu lesen, sondern zu erzählen, zu zelebrieren und zu durchleben?
Teschner: Wenn ich so begeistert von der Geschichte bin, dann möchte ich die unbedingt mitteilen und dann möchte ich mich darin ausleben können. Als Hörbuchsprecher hast du den Vorteil, dass du alle Rollen sprechen kannst.
Hörbuchsprecher: Dramaturg, Regisseur und Schauspieler in einem
Du kannst sie nicht alle so sprechen, wie du es im Hörspiel machen würdest oder so spielen wie im Film, wo du dich völlig in diese Rolle reinbegibst. Aber du kannst jedem was mitgeben, du inszenierst das, du bist der Dramaturg, du bist der Regisseur, du bist alle Schauspieler und Schauspielerinnen. Und du hast die Kontrolle über eine ganz kleine Welt, die du erschaffst.
Und ja, ich glaub das ist das, was wir Menschen ganz oft machen. Wenn Kinder in Spiele gehen, im Sandkasten oder mit ihren Autos, dann ersinnen sie sich für diesen Moment eine Welt und haben die Kontrolle darüber, was passiert. Und das ist das, was uns, glaube ich, wahnsinnig stärkt und nach vorne bringt im Leben, weil wir dann unsere Fantasie schulen – und wir haben Genuss daran.
SWR1: Was waren für Dich die schwierigsten Rollen? Ein Alien, ein Monster im Dunkeln…
Die krassesten Rollen sind gebrochene Menschen, die vom Schicksal plattgefahren worden sind
Teschner: Nee, die sind relativ einfach. Da musst du nur gucken, dass die Stimme nicht zu harsch oder schrill klingt, damit, wenn die dann plötzlich viel Text haben, der Hörer dann nicht mittendrin sagt: ich kann es nicht mehr hören.
Die Krassesten sind gebrochene Menschen, die vom Schicksal so plattgefahren worden sind, dass du in ganz wenigen Nuancen ganz viel Tiefe darstellen willst und das dann aber auch mit der Stimme unterstützen möchtest. Das sind die Herausforderndsten, weil du da wie ein Chirurg mit dem Skalpell rangehen musst. Und das musst du über eine lange Strecke durchhalten. Und das sind mit die Lohnenswertesten.
SWR1: Das finde ich jetzt ganz interessant. Während Du gesprochen hast, habe ich gedacht, das ist wie eine OP am offenen Herzen und Du sagst das wie ein Chirurg.
Teschner: Ja, lag vielleicht in der Luft (lacht).
SWR1: Welche Rückmeldungen hast Du von Fans oder von Hörerinnen und Hörern? Erfährst Du mal, wie die Dich so finden?
Teschner: Letztens schrieb mir einer, dass die Bücher, die ich gemacht hab, ihm über eine schwere Zeit geholfen haben. Das ist natürlich toll, ich hab das ja umgekehrt genauso.
Auch ich klammere mich manchmal an Sachen fest, wenn es ein bestimmter Song ist oder auch ein Buch, das mir weiterhilft. Wir suchen uns unsere kleinen Anker und wenn eine der Sachen, die ich gemacht habe, ein kleiner Anker ist, ist das das höchste Lob, was man kriegen kann.
SWR1: Wenn Du jetzt in Trier vor Publikum liest, bist Du da aufgeregter als sonst, wenn Du allein im Studio bist?
Teschner: Ich hoffe doch ein bisschen, aber wenn der Text einigermaßen sitzt, dann muss man nicht aufgeregt sein, dann kann man was Schönes erleben, hat einen tollen Abend und kann mit den Leuten interagieren. Das ist wichtig, damit man mal aus dem Studio rauskommt und nicht so vereinsamt.
SWR1: Hast Du eine persönliche Beziehung zu Trier?
Teschner: Ich war schon paarmal da und meine Freundin kommt aus der Gegend. Und wir mögen Trier beide sehr.
Homepage Audiobeispiele: uveteschner.de/audielles
Das Gespräch führte Dörte Tebben.