SWR1: Ingo, normalerweise nehmt ihr euren Podcast zu Hause in Hamburg auf, da platzen vielleicht mal die Kinder rein oder der Paketzusteller klingelt. Was ist die Herausforderung vor Publikum?
Ingo Zamperoni: Dass man nicht sagen kann, oh, das war irgendwie Murks. Lass uns noch mal machen. Gleichzeitig führt das auch dazu, dass man vielleicht noch einen Tick konzentrierter ist und auch ein bisschen mit den Reaktionen des Publikums spielen kann. Wir freuen uns sehr auf die Menschen in Mannheim.
Idee zum Podcast kam durch Zamperonis eigene Erlebnisse
SWR1: Ihr analysiert in eurem Podcast die US-Politik. Das Ganze betrifft euch persönlich: Ihr habt Familie und Freunde in den USA.
Zamperoni: Weil es so einen persönlichen Bezug hat, ist die Idee [zum Podcast] ja auch entstanden. Wir haben ständig darüber gesprochen: Ich hab gerade mit einer Freundin in New York telefoniert oder ich hab gerade mit meinem Papa telefoniert.
Man kann über unsere Freunde und Familie [...] Rückschlüsse auf den großen Kosmos USA ziehen.
Dann sind wir ins Gespräch gekommen und irgendwann haben wir gesagt, da gibt es so viel auch zu erklären. Man kann über unsere Freunde und Familie, aber auch so vieles mehr, vom Kleinen, Rückschlüsse auf den großen Bereich, den großen Kosmos USA ziehen. Da haben wir gesagt, wenn wir ein Mikro mitlaufen lassen, vielleicht erklärt sich dann auch so manches für die Zuhörerinnen und Zuhörer.
Podcast "Amerika, wir müssen reden"
Ingo Zamperoni ist mit der US-Amerikanerin Jiffer Bourguignon verheiratet. Beide haben Familie und Freunde in den USA, die sich ideologisch immer mehr voneinander entfernen.
Ingo Zamperoni und Frau Jiffer — im Podcast feste Rollen
SWR1: In der neuen Folge regt sich Jiffer so über Trumps Wortwahl auf. Und du bist eher in der Moderatorenrolle. Habt ihr eine Aufteilung?
Zamperoni: Ein bisschen schon. Jiff ist ein bisschen freier und emotionaler. Ich versuche mich ein bisschen reinzuversetzen in die Millionen von Menschen, die Trump ja auch gewählt haben. Dass man da nicht Verständnis haben muss, dafür aber versteht, woher die kommen. Es gilt dieser alte journalistische Grundsatz: "Audiatur et Altera Pars". Auch die andere Seite möge gehört werden. Und da Jiff ja so eindeutig demokratisch geprägt ist und auch dafür glüht und brennt, hab ich dann die andere Rolle übernommen.
Das ist schon echt Wahnsinn. Selbst bei den Tagesthemen fragen wir uns teilweise: Gilt noch, was vor einer Stunde noch galt?
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Die USA ist gerade im Dauerwandel
SWR1: So wie sich der Trump ja gerade verhält, könntet ihr wahrscheinlich jeden Tag eine neue Podcastfolge machen.
Zamperoni: Im Prinzip ja. Das war auch der Grund, dass wir im November auf einen wöchentlichen Rhythmus gegangen sind. Davor waren wir fast 5 Jahre lang immer im Zwei-Wochen-Rhythmus. Plötzlich haben wir gemerkt, was in der ersten Woche passiert ist, führte gar nicht mehr dazu, dass wir darüber gesprochen haben. Weil in der zweiten Woche schon so viel passiert ist.
Das ist schon echt Wahnsinn. Selbst bei den Tagesthemen fragen wir uns teilweise: Gilt noch, was vor einer Stunde noch galt? Wir müssen flexibel reagieren. Auch da gilt der eiserne Grundsatz von ARD Aktuell: Aktualität schlägt Planung.
Sobald man persönlich auf Menschen zugeht und das Menschliche auch sieht [...] lässt sich ein Gesprächsfaden durchaus aufgreifen.
Lassen sich die USA noch erreichen?
SWR1: Euer Podcast heißt "Amerika, wir müssen reden". Lassen Amerikaner noch mit sich reden?
Zamperoni: Ich war gerade für eine Doku, die ich für die Fußball-WM gedreht habe, in den USA. Auf beiden Seiten kann man mit Menschen reden. Die Frage ist nur, ob man sie auch erreicht. Egal, ob man über Sport redet oder eben auch diesen Krieg. Manchmal fällt es schwer.
Dennoch habe ich gemerkt, sobald man persönlich auf Menschen zugeht und das Menschliche auch sieht, fällt es leichter, einen Stein ins Wasser zu werfen. Dann hat das einen Ripple-Effekt, wie die Amerikaner sagen. Und dann lässt sich ein Gesprächsfaden durchaus aufgreifen.