Autorinnen und Autoren aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz: Ihre Lesungen, Gespräche und poetischen Betrachtungen sind Thema im SWR Kultur Lesezeichen.
Literatur Ein Beutel voll mit Leben: „Wo die Kaffeekirschen leuchten“ von Nicola Denis
Als Literaturübersetzerin aus dem Französischen hat sich Nicola Denis einen Namen gemacht. Jetzt hat sie sich mit einem neuen Roman in das Leben ihrer Eltern eingeschrieben, die 1953 als junges Ehepaar nach Kolumbien aufbrechen. Der lebhafte Briefwechsel in die Heimat wird zum Vermächtnis, aus dem Nicola Denis eine bunte Tragetasche voller Geschichten und Träume knüpft.
Literatur Der Debutroman einer Schauspielerin: „Niemands Töchter“ von Judith Hoersch
Vier Frauen, drei Generationen, ein Verbrechen, über das Niemand spricht – und das ihr Leben miteinander verbindet. Judith Hoersch erzählt eine Geschichte über das Schweigen, wie uns Unausgesprochenes prägt und wie heilsam die Wahrheit sein kann.
Literatur Eine Heimatgeschichte der anderen Art: „Mein innerer Schwarzwald“ von Sigrid Katharina Eismann
Im 18. Jahrhundert wurden Hunderte Salpeter-Familien aus dem Hotzenwald im südlichen Schwarzwald in das Banat deportiert. Die Freibauern hatten sich bei Krone und Kirche unbeliebt gemacht. Verbannung und Widerstand zeichnen das Leben dieser Menschen aus, die Teil ihrer eigenen Familiengeschichte sind, wie die Autorin entdeckt. Sigrid Katharina Eismann hat aus historischen Fakten und überlieferten Erzählungen mit viel Fantasie und Empathie einen mutigen Roman gestrickt, der bis in die Gegenwart führt.
Literatur Eine rheinhessische Familiendynastie unter Hitler: Christina Strunck und ihr Buch „Die Aufsteiger“
Wie sehr war die eigene Familie im Nationalsozialismus involviert? Diese Frage treibt viele Menschen um, mit Furcht vor den Antworten. Die Kunsthistorikerin Christina Strunck hat mutig erforscht, wie ihr Urgroßvater und seine fünf Kinder unter Hitler agiert haben. Die Familie besaß eine große Firma in Sprendlingen in Rheinhessen, die gut durch die Kriegszeit kam – warum? Wie weit gingen ihr Urgroßvater und seine Söhne? Christina Strunck ist bei ihrer Recherche auf viele beunruhigende Indizien gestoßen und musste gleichzeitig feststellen, dass Schwarz und Weiß hier keine passenden Kategorien sind.
Literatur Hinreißend: „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner
Drei Frauen, drei Generationen, drei Außenseiterinnen – davon erzählt der neue Roman der bei Stuttgart lebenden Autorin Hannah Häffner. Verortet hat sie ihre Geschichte in einem kleinen fiktiven Dorf im Schwarzwald und verhandelt dabei ganz existentielle Fragen von Unabhängigkeit und Zugehörigkeit. „Die Riesinnen“ ist ein beindruckendes Debüt, das vor allem auch sprachlich überzeugt.
Literatur „Man schreibt sich vom Dunklen ins Helle“ – Annegret Held
Schon von klein auf hat Annegret Held aus dem Westerwald geschrieben und sich für Literatur interessiert. Dennoch ging sie zunächst zur Polizei und schrieb dort über ihre Erfahrungen im Streifendienst. Auf ihren ersten Roman mit dem Titel „Meine Nachtgestalten“ folgten Bücher, Verfilmungen und Lesereisen. Doch irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem Annegret Held vor dem weißen Blatt saß und ihr nichts mehr einfiel: „Du wartest ja auf den Impuls, es kam keiner und ohne Inspiration wird das auch nix und irgendwie dachte ich, ich bin ja ganz leer geschrieben.“ Das änderte sich erst als sie sich zur Schreibtherapeutin ausbilden ließ und so einen neuen Zugang zum Schreiben fand.
Literatur Intelligent gemacht: „Der Wortschatz des Todes“ von Martin von Arndt
Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine entwickelt Autor Martin von Arndt einen vielschichtigen, actionreichen Plot. Dabei schickt er mit der ehemaligen BKA-Ermittlerin Irina eine spannende Figur ins Rennen, die den Mord an einem polnischen Geschäftsmann aufklären soll. Beschuldigt wird ein Freund ihres Bruders, der die Tat nicht begangen, aber trotzdem ein Geständnis abgelegt hat. Ein Krimi, der skrupellosen Machenschaften im Heute und politischen Abgründen in der Vergangenheit nachspürt.
Literatur Tücken des Vorzeigelebens: Der Roman „Das Universum der Welt“ von Ina Trouet
Marlen, die Hauptfigur in Ina Trouets neuem Roman, ist unzufrieden. Obwohl sie es nicht sein sollte. Sie reibt sich auf zwischen der Verantwortung für ihre Familie, für ihren Job und dem Wunsch nach mehr Freiraum. Auf einem Familienurlaub spitzt sich die Situation zu und Marlen wird mit Gegenentwürfen zu ihrem eigenen Leben konfrontiert
Literatur Eine Messe auch für den kleinen Geldbeutel - die 40. Antiquaria in Ludwigsburg
Die wertvollen bibliophilen Kostbarkeiten gibt es zwar auch immer wieder auf der „Antiquaria“, doch die Messe wurde vor 40 Jahren mit einem etwas anderen Geist gegründet. Anders als beim klassischen Antiquariat ging es anfangs eher um Gebrauchtbücher: Comics, Betriebsanleitungen für Autos und Motorräder, Kochbücher, Karl-May-Werke.
Literatur „Das Original hat absolute Autorität“ – Autor Stefan Moster übersetzt finnische Literatur
Mit lautem Lesen nähert sich Stefan Moster dem Rhythmus finnischer Texte. Oft sei der Klang einer Sprache genauso wichtig wie der Inhalt, weiß der preisgekrönte Übersetzer finnischer Literatur. Das gilt vor allem für die Romantrilogie Volter Kilpis über das Leben in den Schären am Ende des 19. Jahrhunderts. Moster hat kürzlich den letzten Teil übersetzt und herausgegeben. Was dieses Werk so besonders macht, und was er durch diese Arbeit für sein eigenes Schreiben gelernt hat, erzählt Stefan Moster in SWR Kultur.
Literatur Ein intensives Seelengespräch: „Wir kommen nach“ – der neue Roman von Manuela Fuelle
Eine Beerdigung im Nieselregen auf einem Waldfriedhof: Heide, Schwiegermutter und Freundin der Ich-Erzählerin wird mit einer schlichten Trauerfeier ohne christliche Begleitung verabschiedet. Eine Zumutung für die Schwiegertochter, die sich mit aller Macht gegen das Unabänderliche zur Wehr setzt. In einem traurig-zornigen Zwiegespräch nimmt sie Abschied, in dem sie auf die Freundschaft und die Beziehung der beiden Frauen zurückblickt. Der autofiktionale Roman von Manuela Fuelle besticht durch seine rasante Erzählweise und den Mut, sich auf eine unbequeme Suche zu machen. Ein Roman, der lange nachhallt.
Literatur Wiederholungstäter - Der Autor Andreas J. Schulte und seine Eifelkrimis
Es ist bereits der 34. Roman, den Autor Andreas J. Schulte geschrieben hat - Schreibblockaden kennt er nicht. Diesmal steht wieder sein Ermittler Paul David im Mittelpunkt, ein ehemaliger Militärpolizist, der nach einer Verletzung im Dienst nun einen Campingplatz betreibt und nebenbei eine Detektei. Unterstützung erhält er von seiner Lebensgefährtin Linda Becking. In „Eifelschatten“ bekommen sie es mit einem historischen Fall zu tun, dessen Auswirkungen auch in der Gegenwart noch spürbar sind.
Literatur Spiel mit der Ohnmacht – „Die Farbe des Schattens“ von Susanne Tägder
Auch der zweite Fall mit Hauptkommissar Arno Groth führt wieder mitten in deutsch-deutsche Befindlichkeiten nach dem Fall der Mauer. Ein 11jähriger Junge verschwindet spurlos aus einer Plattenbausiedlung in einer mecklenburgischen Kleinstadt. Die Suche bleibt erfolglos. Grandios wie Susanne Tägder vor dem Hintergrund einer erstarrten Winterlandschaft die festgefahrene Situation, Ohnmacht und Verzweiflung beschreibt. Ein Spiel mit doppeltem Boden.
Spezialisiert auf grönländische Literatur Der Inuit Verlag aus der Eifel
„Inuit“ ist Grönländisch und bedeutet „Mensch“. Die Grönländerin Laali Lyberth hat den Inuit-Verlag 2024 gegründet, unter dem Dach des Dauner Verlags Kraterleuchten. In diesem Herbst hat sich ihr erstes Buch verlegt und auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert: „Sila“, ein Kinderbuch der grönländischen Autorin Lana Hansen. Erzählt wird die Geschichte von einem grönländischen Jungen, der sich in einen Raben verwandeln kann und der den schwierigen Auftrag bekommt, die vom Menschen bedrohte Natur zu retten. Hier treffen sich grönländische Mythen, spannende Abenteuer und Probleme der modernen Gesellschaft. Weitere Titel sollen folgen – Laali Lyberth möchte die grönländische Literatur dem deutschen Publikum bekannt machen.
Literatur Grandiose Entdeckung: „Ungeheuer am Nordpol“ von Charles Derennes
In einer Zeit des technischen Aufbruchs und der letzten kolonialen Eroberungen schreibt der französische Autor Charles Derennes einen ungewöhnlichen Abenteuerroman, der von den Geschichten Jules Vernes und H.G. Wells inspiriert ist. Die 1907 erschienene Geschichte hat der kleine Heidelberger Flur Verlag entdeckt und fast 120 Jahre nach seiner Veröffentlichung erstmals ins Deutsche übersetzen lassen. „Ungeheuer am Nordpol“ ist eine geschickt konstruierte, spannende Abenteuergeschichte, die mit Fakten und Fantasie spielt und zugleich sehr moderne ethisch-philosophische Überlegungen anstellt.
Literatur Zurück in die Kindheit - Hanns-Josef Ortheil und sein Roman „Schwebebahnen“
Das tägliche Schreiben und Notieren ist für Hanns-Josef Ortheil wahrscheinlich wie Atmen, Essen oder Schlafen. Seit Kindheitstagen schreibt er Erlebnisse auf. Davon konnte er schon oft auch für sein literarisches Schaffen zehren. So auch im Roman „Schwebebahnen“, in dem er von seiner Grundschulzeit in Wuppertal erzählt. Gleichzeitig entwirft er dabei ein Bild von Deutschland in den 1950er Jahren, von dieser Zeit des Neuanfangs. Es sei gewesen, als habe er sich in die Kindheit zurück geträumt, erzählt der Autor. Das merkt man dem Text an: Eine leichte, feinfühlige Erzählung aus der Perspektive des Jungen, der seine ganz eigene Sicht auf die Welt hat.
„Für immer seh ich Dich wieder Yannic Han Biao Federers schmerzlich schöne Erzählung über den Tod seines Sohnes
Ein junges Paar verliert seinen Sohn kurz vor dem Entbindungstermin. Der aus Breisach stammende Autor Yannic Han Biao Federer hat dieses Katastrophenerlebnis auf ebenso dramatische wie berührende Weise in seiner Erzählung „Für immer seh ich Dich wieder“ festgehalten.
Literatur „Ich will Wirklichkeit“ – Briefe der jungen Anna Seghers
Jean Radvanyi, der Enkel der Schriftstellerin Anna Seghers und ihr Nachlassverwalter, staunte nicht schlecht, als er in einer Schachtel bislang unbekannte Briefe seiner Großmutter entdeckte. Briefe, die sie an ihren späteren Ehemann Laszlo Radványi zwischen 1921 und 1925 geschrieben hatte.
Diese Briefe sind nun im Aufbau Verlag erschienen und geben einen Einblick in das Leben der angehenden Autorin, die zu der Zeit noch ihren Geburtsnamen Netty Reiling trug.
Sie erzählen von ihren Studienjahren, der Familie und natürlich von ihrer Beziehung zu dem Mann, der ein Leben lang treu an ihrer Seite stehen sollte. Anna Seghers wurde 1900 als Kind jüdischer Eltern in Mainz geboren und floh 1941 nach Mexiko. Noch heute gilt sie als wichtige Stimme der deutschen Exilliteratur. Ihr Roman „Das siebte Kreuz“ brachte ihr internationale Bekanntheit ein und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. 1947 kehrte sie nach Deutschland zurück, lebte schließlich in der damaligen DDR und war dort bis 1978 Präsidentin des Schriftstellerverbandes.
Comic „Zeitzeichnen“ – eine bemerkenswerte Comic-Ausstellung in Konstanz
Der amerikanische Comic-Künstler Art Spiegelman hat mit seiner Graphic Novel „Maus“ als einer der ersten gezeigt, dass man auch komplexe Geschichten wie den Holocaust mit Bildern erzählen kann. Nach anfänglicher Skepsis ist der besondere Beitrag, den Comics zur Erinnerungsarbeit leisten, heute unumstritten. Die Konstanzer Ausstellung, die der Kurator Jakob Hoffmann zusammengestellt hat, zeigt an vier ausgewählten Beispielen, wie ästhetisch unterschiedlich Künstlerinnen und Künstler Zeitgeschichte beleuchten.
Literatur „Winklers letzter Feldzug“ von Björn Hayer
Darf man Gewalt anwenden, um noch mehr Gewalt zu verhindern? Lässt sich Gutes mit Hilfe von Bösem erreichen? Konkretes Beispiel: Ist ein Anschlag auf eine Schlachterei legitim, um Tierquälerei zu beenden? Mit dieser ethischen Grundfrage befasst sich Björn Hayer in seinem Roman „Winklers letzter Feldzug“. Er erzählt darin die Geschichte eines Mannes, der sich als Tierschützer immer mehr radikalisiert, und dabei Recht und Unrecht immer weniger auseinanderhalten kann. Björn Hayer, neuer Leiter des Künstlerhauses Edenkoben, hat sich während seines Philosophiestudiums intensiv mit dem Thema Tierethik beschäftigt. Sein Roman ist nicht nur ein Plädoyer für die Rechte von Tieren, sondern auch eine spannend erzählte Geschichte mit Krimielementen und überraschendem Ausgang.
Literatur „Ihr kommt ums eigene Denken nicht herum“ – Angela Steideles Roman „Ins Dunkel“
Greta Garbo, Marlene Dietrich, Erika Mann stehen im Mittelpunkt dieser neuen Geschichte von Angela Steidele. Die aus Bruchsal stammende Autorin folgt den Spuren dieser ungewöhnlichen Frauen von der goldenen Ära des Kinofilms in die abgründige Zeit des deutschen Faschismus bis ins Schweizer Exil. "Ins Dunkel" lautet denn auch der Titel dieses Romans, in dem Angela Steidele, wie in ihren vorherigen Büchern, Recherche und Fiktion miteinander verbindet