Autorinnen und Autoren aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz: Ihre Lesungen, Gespräche und poetischen Betrachtungen sind Thema im SWR Kultur Lesezeichen.
Literatur Was Kaiserslautern und Sarajevo gemeinsam haben - Gespräch mit dem Autor Tijan Sila
Mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis wurde er 2024 endgültig einem breiten Publikum bekannt: Der Schriftsteller Tijan Sila lebt und arbeitet in Kaiserslautern. Im Gespräch erzählt er von seiner besonderen Verbindung zur Stadt, vom Schreiben neben seiner Arbeit als Berufsschullehrer und dem Familienalltag mit seiner kleinen Tochter, von Kriegserfahrungen als literarischem Stoff – und von seiner Kinderbuchreihe „Lila Leuchtfeuer“, die er gemeinsam mit seiner Frau entwickelt hat.
Würdigende Liebeserklärung Rafik Schami und sein Roman „Das Mosaik der Frauen“
Die erste Frau im Leben eines Mannes ist die Mutter – gefolgt von Freundinnen, Gefährtinnen, Partnerinnen. Von ihnen erzählt Rafik Schami, eine Würdigung und Liebeserklärung zugleich.
Lesezeichen „Alte Lieben“ - Eva Christina Zeller
In ihrem autofiktionalen Roman hat die Tübinger Autorin ihre ehemaligen Geliebten aufgesucht und mit ihnen Interviews über die lang zurückliegende, gemeinsame Zeit geführt. Dabei fällt der Rückblick auf die Beziehung oft irritierend unterschiedlich aus.
Literatur Die Briefdetektivin – Der Roman „Die Reise der verlorenen Worte“ von Jule Wengenroth
Janne liebt ihren Job bei der Post. Sie sieht sich als Briefdetektivin, die dafür sorgt, dass unzustellbare Briefe doch noch den Menschen erreichen, für den sie gedacht waren. Dafür darf Janne die Briefe öffnen und Nachforschungen anstellen. Doch dann wird sie daran erinnert, dass sie schon viel zu lange keinen Kontakt mehr zu ihrem eigenen Großvater hat. Ein an ihn adressierter Brief landet auf ihrem Schreibtisch. Die Adresse stimmt, aber warum ist er unzustellbar? Und wer ist Rieke Hubert, die den Brief geschrieben hat? Janne beschließt, das herauszufinden. Ein einfühlsames Buch darüber, wie schwer und wichtig es ist, die richtigen Worte zu finden.
Literatur „Das Dorf der Visionäre“ von Rainer Bayreuther und Gunilla Eschenbach
Im kleinen Ort Saig unweit des Titisees im Schwarzwald gelegen, trafen sich ab den 1920er Jahren viele namhafte kreative und intellektuelle Geister. Darunter der Maler Otto Dix, der Historiker Gerhard Ritter, der im Widerstand gegen Hitler aktiv war, oder auch der Bildhauer Fritz Klimsch und sein Sohn, der Schriftsteller Uli Klimsch. Gunilla Eschenbach und Rainer Bayreuther haben in einer detaillierten Dorfstudie die überraschenden Begegnungen und den Austausch untereinander lebendig gemacht. Ein faszinierendes Portrait eines magischen Ortes.
Missverständnis und Beziehung – Daniela Dröscher und ihr Essay „Sprechen“
Für Daniela Dröscher, aufgewachsen im Hunsrück zwischen Dialekt und Hochdeutsch, war Sprechen oft eine Frage von Schweigen. Ob sie ihre Stimme erhebt, sich traut, etwas zu sagen – auch auf die Gefahr hin, dass sie mehr preisgibt, als sie eigentlich wollte. Sprechen ist kein Informationsaustausch, es sagt viel mehr als die Bedeutung der Worte. Dies erkundet Daniela Dröscher in ihrem nachdenklichen Essay.
Biografie von Joachim Scholtyseck Adolf Rosenberger. Rennfahrer, Porsche-Mitgründer, Selfmademan
Der ehemalige Rennfahrer Adolf Rosenberger gehörte zu den Mitgründern von Porsche. Da ein jüdischer Mitgesellschafter das Missfallen der NS-Machthaber wecken musste, wurde er 1935 aus dem Unternehmen herausgedrängt. Zu diesem Schluss kommt der Bonner Historiker Joachim Scholtyseck in seiner umfangreichen Studie. Die Bedeutung Rosenbergers hatte in der Firmengeschichte jahrzehntelang keinen Platz.
Literatur „Prachtliebe & Wunderfakten“: Dominik Eulberg porträtiert heimische Tierarten
Die Erhaltung der Biodiversität: Dafür engagiert sich der Westerwälder DJ, Techno-Produzent und Ökologe Dominik Eulberg. In den letzten Jahren hat er sich als Sachbuchautor einen Namen gemacht. Nun hat Eulberg den Band „Prachtliebe & Wunderfakten“ herausgebracht. Das Buch bietet überraschendes Wissen über die heimische Fauna und ist ein Augen- und Ohrenschmaus.
Literatur Lesben in Schwulitäten – „ex@frau“ von Else Buschheuer
Mit dem Roman „Ruf! Mich! An!“ landete Else Buschheuer vor rund 25 Jahren einen Bestseller. Danach hat Else Buschheuer weitergeschrieben, hat im Fernsehen moderiert und gebloggt. Und dem Leben immer wieder eine vollkommen neue Richtung gegeben. Davon erzählt nun auch das neue, autofiktionale Buch „ex@frau“, erschienen im Tübinger konkursbuch Verlag.
Literatur „Kanakenkind“ – Luigi Toscano und Silke Kettelhake
Der Mannheimer Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano ist durch sein außergewöhnliches Projekt „Gegen das Vergessen“ bekannt geworden. Seit über 10 Jahren reist er durch die ganze Welt, um Überlebende des Holocaust zu porträtieren, ihre Schicksale festzuhalten und an die nächsten Generationen weiterzugeben. Jetzt hat Luigi Toscano zusammen mit der Autorin Silke Kettelhake seine eigene Lebensgeschichte unter dem provokanten Titel „Kanakenkind“ veröffentlicht. Darin erzählt er schonungslos von seiner Kindheit in äußerst prekären Verhältnissen, über tiefe Abstürze, bis hin zu seiner Rettung durch die Fotografie und der weltweiten Aufmerksamkeit für seine künstlerische Arbeit – eine Beeindruckende Lebensgeschichte.
Literatur Ein Beutel voll mit Leben: „Wo die Kaffeekirschen leuchten“ von Nicola Denis
Als Literaturübersetzerin aus dem Französischen hat sich Nicola Denis einen Namen gemacht. Jetzt hat sie sich mit einem neuen Roman in das Leben ihrer Eltern eingeschrieben, die 1953 als junges Ehepaar nach Kolumbien aufbrechen. Der lebhafte Briefwechsel in die Heimat wird zum Vermächtnis, aus dem Nicola Denis eine bunte Tragetasche voller Geschichten und Träume knüpft.
Literatur Der Debutroman einer Schauspielerin: „Niemands Töchter“ von Judith Hoersch
Vier Frauen, drei Generationen, ein Verbrechen, über das Niemand spricht – und das ihr Leben miteinander verbindet. Judith Hoersch erzählt eine Geschichte über das Schweigen, wie uns Unausgesprochenes prägt und wie heilsam die Wahrheit sein kann.
Literatur Eine Heimatgeschichte der anderen Art: „Mein innerer Schwarzwald“ von Sigrid Katharina Eismann
Im 18. Jahrhundert wurden Hunderte Salpeter-Familien aus dem Hotzenwald im südlichen Schwarzwald in das Banat deportiert. Die Freibauern hatten sich bei Krone und Kirche unbeliebt gemacht. Verbannung und Widerstand zeichnen das Leben dieser Menschen aus, die Teil ihrer eigenen Familiengeschichte sind, wie die Autorin entdeckt. Sigrid Katharina Eismann hat aus historischen Fakten und überlieferten Erzählungen mit viel Fantasie und Empathie einen mutigen Roman gestrickt, der bis in die Gegenwart führt.
Literatur Eine rheinhessische Familiendynastie unter Hitler: Christina Strunck und ihr Buch „Die Aufsteiger“
Wie sehr war die eigene Familie im Nationalsozialismus involviert? Diese Frage treibt viele Menschen um, mit Furcht vor den Antworten. Die Kunsthistorikerin Christina Strunck hat mutig erforscht, wie ihr Urgroßvater und seine fünf Kinder unter Hitler agiert haben. Die Familie besaß eine große Firma in Sprendlingen in Rheinhessen, die gut durch die Kriegszeit kam – warum? Wie weit gingen ihr Urgroßvater und seine Söhne? Christina Strunck ist bei ihrer Recherche auf viele beunruhigende Indizien gestoßen und musste gleichzeitig feststellen, dass Schwarz und Weiß hier keine passenden Kategorien sind.
Literatur Hinreißend: „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner
Drei Frauen, drei Generationen, drei Außenseiterinnen – davon erzählt der neue Roman der bei Stuttgart lebenden Autorin Hannah Häffner. Verortet hat sie ihre Geschichte in einem kleinen fiktiven Dorf im Schwarzwald und verhandelt dabei ganz existentielle Fragen von Unabhängigkeit und Zugehörigkeit. „Die Riesinnen“ ist ein beindruckendes Debüt, das vor allem auch sprachlich überzeugt.
Literatur „Man schreibt sich vom Dunklen ins Helle“ – Annegret Held
Schon von klein auf hat Annegret Held aus dem Westerwald geschrieben und sich für Literatur interessiert. Dennoch ging sie zunächst zur Polizei und schrieb dort über ihre Erfahrungen im Streifendienst. Auf ihren ersten Roman mit dem Titel „Meine Nachtgestalten“ folgten Bücher, Verfilmungen und Lesereisen. Doch irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem Annegret Held vor dem weißen Blatt saß und ihr nichts mehr einfiel: „Du wartest ja auf den Impuls, es kam keiner und ohne Inspiration wird das auch nix und irgendwie dachte ich, ich bin ja ganz leer geschrieben.“ Das änderte sich erst als sie sich zur Schreibtherapeutin ausbilden ließ und so einen neuen Zugang zum Schreiben fand.
Literatur Intelligent gemacht: „Der Wortschatz des Todes“ von Martin von Arndt
Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine entwickelt Autor Martin von Arndt einen vielschichtigen, actionreichen Plot. Dabei schickt er mit der ehemaligen BKA-Ermittlerin Irina eine spannende Figur ins Rennen, die den Mord an einem polnischen Geschäftsmann aufklären soll. Beschuldigt wird ein Freund ihres Bruders, der die Tat nicht begangen, aber trotzdem ein Geständnis abgelegt hat. Ein Krimi, der skrupellosen Machenschaften im Heute und politischen Abgründen in der Vergangenheit nachspürt.
Literatur Tücken des Vorzeigelebens: Der Roman „Das Universum der Welt“ von Ina Trouet
Marlen, die Hauptfigur in Ina Trouets neuem Roman, ist unzufrieden. Obwohl sie es nicht sein sollte. Sie reibt sich auf zwischen der Verantwortung für ihre Familie, für ihren Job und dem Wunsch nach mehr Freiraum. Auf einem Familienurlaub spitzt sich die Situation zu und Marlen wird mit Gegenentwürfen zu ihrem eigenen Leben konfrontiert
Literatur Eine Messe auch für den kleinen Geldbeutel - die 40. Antiquaria in Ludwigsburg
Die wertvollen bibliophilen Kostbarkeiten gibt es zwar auch immer wieder auf der „Antiquaria“, doch die Messe wurde vor 40 Jahren mit einem etwas anderen Geist gegründet. Anders als beim klassischen Antiquariat ging es anfangs eher um Gebrauchtbücher: Comics, Betriebsanleitungen für Autos und Motorräder, Kochbücher, Karl-May-Werke.
Literatur „Das Original hat absolute Autorität“ – Autor Stefan Moster übersetzt finnische Literatur
Mit lautem Lesen nähert sich Stefan Moster dem Rhythmus finnischer Texte. Oft sei der Klang einer Sprache genauso wichtig wie der Inhalt, weiß der preisgekrönte Übersetzer finnischer Literatur. Das gilt vor allem für die Romantrilogie Volter Kilpis über das Leben in den Schären am Ende des 19. Jahrhunderts. Moster hat kürzlich den letzten Teil übersetzt und herausgegeben. Was dieses Werk so besonders macht, und was er durch diese Arbeit für sein eigenes Schreiben gelernt hat, erzählt Stefan Moster in SWR Kultur.
Literatur Ein intensives Seelengespräch: „Wir kommen nach“ – der neue Roman von Manuela Fuelle
Eine Beerdigung im Nieselregen auf einem Waldfriedhof: Heide, Schwiegermutter und Freundin der Ich-Erzählerin wird mit einer schlichten Trauerfeier ohne christliche Begleitung verabschiedet. Eine Zumutung für die Schwiegertochter, die sich mit aller Macht gegen das Unabänderliche zur Wehr setzt. In einem traurig-zornigen Zwiegespräch nimmt sie Abschied, in dem sie auf die Freundschaft und die Beziehung der beiden Frauen zurückblickt. Der autofiktionale Roman von Manuela Fuelle besticht durch seine rasante Erzählweise und den Mut, sich auf eine unbequeme Suche zu machen. Ein Roman, der lange nachhallt.