Autorinnen und Autoren aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz: Ihre Lesungen, Gespräche und poetischen Betrachtungen sind Thema im SWR Kultur Lesezeichen.
„Merkwürdigkeiten. Das Schatzkästlein und andere Kalendergeschichten“
Rätsel, Mathematikaufgaben, Kurioses und Geschichten mit Tiefgang: Mit dieser Mischung wurde der Schriftsteller und Theologe Johann Peter Hebel zum Bestseller-Autor. Seine Texte erschienen in einem Volkskalender und waren so beliebt, dass die besten von ihnen im sogenannten „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreunds“ 1811 veröffentlicht wurden.
Aus Anlass seines 200. Todestages ist im Wallstein Verlag unter dem Titel „Merkwürdigkeiten. Das Schatzkästlein und andere Kalendergeschichten“ eine Neuausgabe erschienen, die nicht nur zum Wiederentdecken von Hebels Texten einladen möchte. Der Herausgeber Dr. Andreas Mauz möchte damit auch zeigen, dass Hebel nach der Veröffentlichung des „Schatzkästleins des rheinischen Hausfreunds“ seiner Vorliebe für kuriose und merkwürdige Geschichten treu blieb.
Johann Peter Hebel: Merkwürdigkeiten
Wallstein Verlag
ISBN 978-3-8353-6078-5
Literatur Die hinreißende Geschichte zweier Außenseiter – „Vielleicht im Sommer“ von Lukas Mi-Sa Nguyen Egger
Zwei Teenager fliehen aus einem Heim und machen sich auf den Weg zur Nordsee. Mit dieser Roadtrip-Story hat sich plötzlich ein neuer Name in der Literaturlandschaft zu Wort gemeldet: Lukas Mi-Sa Nguyen Egger, ein junger Autor aus Karlsruhe, der mit seinem starken Debutroman „Vielleicht im Sommer“ Jugendlichen aus prekären Verhältnissen eine Stimme geben will. Er selbst weiß, was es heißt, wenn man sein Geld zusammenhalten muss und hat nach dem Theologiestudium auch eine Masterarbeit über Armut verfasst.
Lesezeichen Zwischen Tabubruch und Tradition - Marie Molsberg erzählt in „Donnersonntage“ von einer verbotenen Liebe in den 1970er Jahren
Bleiben oder gehen – das ist nur eine der vielen schweren Entscheidungen, die die beiden Hauptfiguren in „Donnersonntage“ treffen müssen. Die Liebesgeschichte zwischen dem cleveren Bauernbub Raimund und der zehn Jahre älteren, verheirateten Renate versetzen ihr Westerwälder Heimatdorf in Aufregung. Frauenrechte, Terrorismus und Antibabypille scheinen nur weit weg, spielen jedoch zunehmend in den Alltag der Bewohner hinein.
Vom Talkshow-Plädoyer zum Buch David Matei erzählt in „Deutschland ist es wert“, warum er Deutschland mit der Waffe verteidigen würde
Ein Auftritt bei „hart aber fair“ machte David Matei bundesweit bekannt. Der Politik-Influencer, der Millionen Menschen erreicht, hat nun sein erstes Buch geschrieben. Darin versucht er zu erklären, warum Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie für ihn Grund genug sind, um Deutschland zu lieben und notfalls zu verteidigen.
Literatur Das Schweigen nach dem Mord: Wolfgang Kaes erzählt in „Grauland“ seine eigene Familiengeschichte
Fast 90 Jahre lang blieb der Mord am Großvater von Wolfgang Kaes ungeklärt und prägte mehrere Generationen. In seinem neuen Roman „Grauland“ rekonstruiert der Journalist deshalb nicht nur ein Verbrechen, sondern fragt, was Gewalt, Verlust und jahrzehntelanges Schweigen mit den Hinterbliebenen machen. Dabei stößt er auch auf Spuren, die bis in sein eigenes Leben reichen.
Literatur Toleranz und Abenteuer im Mumintal - die finnische Schriftstellerin Tove Jansson
Als Reaktion auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs entwirft Tove Jansson ihre Mumin-Geschichten. Die kleinen Trolle machen sich auf den Weg, ein neues Zuhause zu finden und erleben dabei zahlreiche Abenteuer. Die Welt der Mumins zeichnet sich durch zahlreiche seltsame Wesen aus. Es ist eine bunte Gesellschaft, die sich gegenseitig respektiert. Zum 25. Todestag Tove Janssons hat der Reclam Verlag in Ditzingen die Geschichten der Mumins neu aufgelegt.
Geschichte der Frauenbewegung Bianca Walther und ihr Buch „Die Vorkämpferinnen“
Wer in den Geschichtsbüchern nicht vorkommt, bleibt unsichtbar. Das will die Historikerin Bianca Walther ändern und hat sich der Geschichte von Frauen angenommen. In ihrem Debutwerk „Die Vorkämpferinnen“ zeichnet sie die Geschichte der deutschen Frauenbewegung nach – nicht als Geschichte voller Heldinnen, sondern als Geschichte eines langen gemeinsamen Kampfes.
Literatur „Fortsetzung des Schreibens mit anderen Mitteln“ – der Tübinger Schriftsteller Joachim Zelter über die Leidenschaft des Radfahrens
Die Tour de France startet in diesem Jahr in Barcelona: 3.333 Kilometer, 21 Etappen und etlichen harten Bergstrecken. Der Kampf ums gelbe Trikot ist ein Spektakel, das den Tübinger Schriftsteller Joachim Zelter vor fast 30 Jahren zu einem anderen Mann gemacht hat: aus einem Kettenraucher wurde ein begeisterter Radrennfahrer, der sich heute mehrmals in der Woche auf den Sattel schwingt, um den Kopf freizubekommen.
Literatur „Das schönste aller Leben“ – Debütroman von Betty Boras
Theresia und Vio – zwei Frauen, die drei Jahrhunderte trennen. Ihre Geschichte ist eng mit der Banater Erde verbunden. Und mit der Frage, wie sie das enge Korsett aus gesellschaftlichen Erwartungen und Vorstellungen von Schönheit sprengen können. Von ihnen erzählt Betty Boras in ihrem Debütroman „Das schönste aller Leben“.
Literatur Serra Al-Deen: „Ich musste erst lernen, mich selbst als Autorin ernst zu nehmen“
Serra Al-Deen hat zwar schon als kleines Kind gerne Geschichten geschrieben, aber „professionelles Schreiben“ war für sie lange keine denkbare Option. Sie ist als Tochter irakischer Migranten in Heidelberg geboren und aufgewachsen, hat Anglistik und Arabistik studiert und ist ausgebildete Dolmetscherin. Inzwischen studiert die 35 Jährige am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Wie viele junge Autorinnen und Autoren fragt auch sie sich: wie findet man seine eigene literarische Stimme? Wen wünscht man sich als Publikum? Und wie findet man seinen Platz im Literaturbetrieb?
Fakten und Fiktion Peter Probst und sein Roman „Am helllichten Tag“
Die junge Journalistin Toni fährt hektisch in ihre Heimatstadt Pirmasens, aber es ist zu spät: Ihr Vater ist verstorben. In seinem Haus findet Toni Hinweise, dass ihn etwas sein Leben lang belastet hat. Toni findet Verbindungen zu einem Entführungsfall in den 1960er Jahren. Geschickt verwebt Autor Peter Probst ungeklärte Fälle der Vergangenheit mit einer fiktiven Geschichte in der Gegenwart zu einem ebenso spannenden wie unterhaltsamen Krimi.
Literatur Was Kaiserslautern und Sarajevo gemeinsam haben - Gespräch mit dem Autor Tijan Sila
Mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis wurde er 2024 endgültig einem breiten Publikum bekannt: Der Schriftsteller Tijan Sila lebt und arbeitet in Kaiserslautern. Im Gespräch erzählt er von seiner besonderen Verbindung zur Stadt, vom Schreiben neben seiner Arbeit als Berufsschullehrer und dem Familienalltag mit seiner kleinen Tochter, von Kriegserfahrungen als literarischem Stoff – und von seiner Kinderbuchreihe „Lila Leuchtfeuer“, die er gemeinsam mit seiner Frau entwickelt hat.
Würdigende Liebeserklärung Rafik Schami und sein Roman „Das Mosaik der Frauen“
Die erste Frau im Leben eines Mannes ist die Mutter – gefolgt von Freundinnen, Gefährtinnen, Partnerinnen. Von ihnen erzählt Rafik Schami, eine Würdigung und Liebeserklärung zugleich.
Lesezeichen „Alte Lieben“ - Eva Christina Zeller
In ihrem autofiktionalen Roman hat die Tübinger Autorin ihre ehemaligen Geliebten aufgesucht und mit ihnen Interviews über die lang zurückliegende, gemeinsame Zeit geführt. Dabei fällt der Rückblick auf die Beziehung oft irritierend unterschiedlich aus.
Literatur Die Briefdetektivin – Der Roman „Die Reise der verlorenen Worte“ von Jule Wengenroth
Janne liebt ihren Job bei der Post. Sie sieht sich als Briefdetektivin, die dafür sorgt, dass unzustellbare Briefe doch noch den Menschen erreichen, für den sie gedacht waren. Dafür darf Janne die Briefe öffnen und Nachforschungen anstellen. Doch dann wird sie daran erinnert, dass sie schon viel zu lange keinen Kontakt mehr zu ihrem eigenen Großvater hat. Ein an ihn adressierter Brief landet auf ihrem Schreibtisch. Die Adresse stimmt, aber warum ist er unzustellbar? Und wer ist Rieke Hubert, die den Brief geschrieben hat? Janne beschließt, das herauszufinden. Ein einfühlsames Buch darüber, wie schwer und wichtig es ist, die richtigen Worte zu finden.
Literatur „Das Dorf der Visionäre“ von Rainer Bayreuther und Gunilla Eschenbach
Im kleinen Ort Saig unweit des Titisees im Schwarzwald gelegen, trafen sich ab den 1920er Jahren viele namhafte kreative und intellektuelle Geister. Darunter der Maler Otto Dix, der Historiker Gerhard Ritter, der im Widerstand gegen Hitler aktiv war, oder auch der Bildhauer Fritz Klimsch und sein Sohn, der Schriftsteller Uli Klimsch. Gunilla Eschenbach und Rainer Bayreuther haben in einer detaillierten Dorfstudie die überraschenden Begegnungen und den Austausch untereinander lebendig gemacht. Ein faszinierendes Portrait eines magischen Ortes.
Missverständnis und Beziehung – Daniela Dröscher und ihr Essay „Sprechen“
Für Daniela Dröscher, aufgewachsen im Hunsrück zwischen Dialekt und Hochdeutsch, war Sprechen oft eine Frage von Schweigen. Ob sie ihre Stimme erhebt, sich traut, etwas zu sagen – auch auf die Gefahr hin, dass sie mehr preisgibt, als sie eigentlich wollte. Sprechen ist kein Informationsaustausch, es sagt viel mehr als die Bedeutung der Worte. Dies erkundet Daniela Dröscher in ihrem nachdenklichen Essay.
Biografie von Joachim Scholtyseck Adolf Rosenberger. Rennfahrer, Porsche-Mitgründer, Selfmademan
Der ehemalige Rennfahrer Adolf Rosenberger gehörte zu den Mitgründern von Porsche. Da ein jüdischer Mitgesellschafter das Missfallen der NS-Machthaber wecken musste, wurde er 1935 aus dem Unternehmen herausgedrängt. Zu diesem Schluss kommt der Bonner Historiker Joachim Scholtyseck in seiner umfangreichen Studie. Die Bedeutung Rosenbergers hatte in der Firmengeschichte jahrzehntelang keinen Platz.
Literatur „Prachtliebe & Wunderfakten“: Dominik Eulberg porträtiert heimische Tierarten
Die Erhaltung der Biodiversität: Dafür engagiert sich der Westerwälder DJ, Techno-Produzent und Ökologe Dominik Eulberg. In den letzten Jahren hat er sich als Sachbuchautor einen Namen gemacht. Nun hat Eulberg den Band „Prachtliebe & Wunderfakten“ herausgebracht. Das Buch bietet überraschendes Wissen über die heimische Fauna und ist ein Augen- und Ohrenschmaus.
Literatur Lesben in Schwulitäten – „ex@frau“ von Else Buschheuer
Mit dem Roman „Ruf! Mich! An!“ landete Else Buschheuer vor rund 25 Jahren einen Bestseller. Danach hat Else Buschheuer weitergeschrieben, hat im Fernsehen moderiert und gebloggt. Und dem Leben immer wieder eine vollkommen neue Richtung gegeben. Davon erzählt nun auch das neue, autofiktionale Buch „ex@frau“, erschienen im Tübinger konkursbuch Verlag.
Literatur „Kanakenkind“ – Luigi Toscano und Silke Kettelhake
Der Mannheimer Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano ist durch sein außergewöhnliches Projekt „Gegen das Vergessen“ bekannt geworden. Seit über 10 Jahren reist er durch die ganze Welt, um Überlebende des Holocaust zu porträtieren, ihre Schicksale festzuhalten und an die nächsten Generationen weiterzugeben. Jetzt hat Luigi Toscano zusammen mit der Autorin Silke Kettelhake seine eigene Lebensgeschichte unter dem provokanten Titel „Kanakenkind“ veröffentlicht. Darin erzählt er schonungslos von seiner Kindheit in äußerst prekären Verhältnissen, über tiefe Abstürze, bis hin zu seiner Rettung durch die Fotografie und der weltweiten Aufmerksamkeit für seine künstlerische Arbeit – eine Beeindruckende Lebensgeschichte.