Zukunft der Literatur

Markus Orths über KI: „Literatur bleibt ein Austausch zwischen Menschen“

In seinem Roman „Die Enthusiasten“ stellt der Autor die Frage: Was kann Literatur, was KI nicht kann? Für ihn ist klar: Die KI plagiiert – und führt sie in einem Experiment vor.

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Von Autor/in Steffen König

„Die Enthusiasten“: Nicht einmal Experten erkennen die Fälschung

Ein Lesungssaal im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Auf die Bühne tritt Markus Orths, Mitte fünfzig, Autor. Er will dem Publikum aus seinem neuen Roman „Die Enthusiasten“ vorlesen, der im Februar erschienen ist. 

Der Verlag bewirbt das Buch mit den Worten: „Der irrwitzigste Lesespaß seit Langem!“ Dabei ist das Thema ein sehr ernstes. Im Lauf der Handlung erscheint ein von einer KI geschriebener Roman, der den Stil eines Schriftstellers so gut imitiert, dass nicht einmal Experten ihn als Fälschung erkennen. „Ich bin gerade in großer Sorge um dieses Schreiben und um die Kunst“, sagt Orths dazu. 

Er hatte bereits Zusammenstöße mit generativer KI in seinem beruflichen Umfeld: „Ich habe tatsächlich schon mal den Fall gehabt, das während einer Schreibwerkstatt eine Autorin sagte: ‚Na ja, da bin ich nicht weitergekommen. Habe ich halt meinen Chatbot gefragt. Der gab mir drei Möglichkeiten. Die dritte war sensationell, habe ich sie halt genommen.‘ Da bin ich zu Tode erschrocken.“ 

Prüfprogramme gegen KI-generierte Texte 

Die von Markus Orths geschilderte Situation ist kein Einzelfall. Schon längst werden LLMs, sogenannte Large Language Models wie ChatGPT eingesetzt, um Texte zu generieren. An Hochschulen und Universitäten werden Hausarbeiten wiederum mit Prüfprogrammen untersucht, um die Verwendung von KI auszuschließen. 

Auch der Gesetzgeber ist alarmiert: Ab August müssen KI-generierte Inhalte in der EU als solche gekennzeichnet werden. 

Markus Orths bei einer Lesung im Literaturhaus in Oberhausen, 2020
Literatur soll zwischen Menschen stattfinden: Markus Orths bei einer Lesung im Literaturhaus in Oberhausen, 2020 Funke Foto Services

Die Notwendigkeit dessen unterstreicht Markus Orths beim Dreh mit SWR Kultur mit einem Experiment: Er und ein Chatbot haben mit den gleichen Vorgaben je die ersten Sätze einer Erzählung verfasst. Als er beide Texte seinem Publikum in Karlsruhe vorliest und fragt, welcher von ihm geschrieben wurde, sind die Meinungen gespalten – rund die Hälfte der Zuhörer stimmt für den KI-Text.  

Und so schließt sich für Orths der Kreis zu den Fragen, die ihn bewegen und zu seinem Roman inspirierten: „In welche Richtung bewegen wir uns mit der KI, mit der generierten Form des Schreibens und der Kunst? In welcher Welt wollen wir leben?“ 

Kunst als Kommunikation zwischen Menschen

Doch menschliche Autoren werden nicht zum Auslaufmodell. „Der Zauber besteht darin, sich verlieren zu können in anderen Welten“, meint Orths. „Und dann aber auch der Versuch, andere Menschen mit dem, was man schreibt, zu erreichen. Ich möchte gerne wissen, was andere da fühlen oder verstehen.“ 

Seine Leser sehen das ähnlich. Sie wollen verstehen, was einen Menschen zum Verfassen von Erzählungen bewegt und warum er schreibt, wie er schreibt. Sie wollen interpretieren und Fragen stellen. Literatur bleibt also auch heute noch in erster Linie ein Mittel des Austauschs zwischen Menschen.  

Was Chatbots angeht, steht für Markus Orths zudem eines weiterhin fest: Die Verwendung des Materials, das die KI liefert, ist ein Plagiat. 

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