136. Jahrgang heißt es bescheiden-stolz auf dem jüngsten Heft der Neuen Rundschau. Es ist zum 150. Geburtstags Thomas Mann gewidmet, der selbst in der Neuen Rundschau, der Literaturzeitschrift des S. Fischer Verlags, noch veröffentlicht hat.
Was wäre zu Thomas Mann denn noch zu sagen?
Die Neue Rundschau erinnert an den Migrationshintergrund von Thomas Mann, daran, dass seine für ihn wichtige Mutter aus Brasilien stammt, daran, dass Thomas Mann unter einer scheinbar gefestigten bürgerlichen Fassade ein Zerrissener war, ein Außenseiter, nicht nur aufgrund seiner Herkunft, sondern auch, weil er seine Homosexualität zeitlebens unterdrückt hat.
Thomas Mann also gleichsam ein diverser Autor im Ringen um Identität, eine Spannung, die darum in seinem Werk nie Gemütlichkeit aufkommen lässt, sondern mit Spott und Ironie genau die Schmerzpunkte berührt, die ihm am nächsten waren.
Dass Thomas Mann auch selbst als Rollenmodell einer um Form ringenden Adoleszenz taugen kann, erzählt der Schriftsteller und bekennende Fan Eckart Nickel.
Plötzlich ist Thomas Mann nicht nur ein nachahmenswerter Dichter, sondern eine Gesamterscheinung, die durch Verfilmungen gespiegelt wird, der „Zauberberg“ von Hans W. Geißendörfer lief 1984 im ZDF, Dresscodes, aber auch Tics und Allüren anbietet, um sich von denen abzugrenzen, die sich - wie ich - langhaarig und in zerrissenen Jeans auf Friedens- und Ökodemos herumtrieben.
Also Form gegen Formlosigkeit, würde man aus heutiger Sicht sagen. Aber die Form von Thomas Mann ist nur darum so aufregend, weil er sie seinem inneren Chaos abringt.
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