Die erste Lesung: Ein Abend der Premieren
In der Alten Feuerwache Mannheim las Lena Gorelik erstmals aus ihrem neuen Roman „Alle meine Mütter“. Der Abend war besonders: Abschluss eines Literaturfestivals „lesen.hören“ und Auftakt von Goreliks Lesereise.
Gorelik, die bereits mit dem Roman „Wer wir sind“ und ihre politischen Essays beeindruckte, widmet sich diesmal der Vielfalt und Komplexität von Mutterschaft.
„Ich habe das Buch mit der Frage geschrieben, ob die Welt noch einen Roman über Mütter braucht – und habe versucht, diese Frage in den Text einzubauen“, erklärte sie. Der Roman kombiniert persönliche Geschichten mit universellen Fragen, immer mit Goreliks unverkennbarer Wärme und Tiefgang.
Mutterschaft jenseits der Klischees
Goreliks Werk beleuchtet Mutterschaft aus verschiedenen Perspektiven: Mütter, die kämpfen und die trauern, die lieben. Solche, die sich bewusst gegen Mutterschaft entscheiden.
„Über Mütter kann man nicht ohne Gefühl schreiben“, sagt Gorelik. Doch sie wehrt sich gegen Kitsch und Klischees. Der Roman hinterfragt starre Mutterbilder und beleuchtet gesellschaftliche Konstruktionen.
„Es gibt so viele Formen von Mutterschaft, die wir nicht sehen. Und ich wollte fragen, warum das so ist.“ Ein Kapitel etwa widmet sich Müttern, deren Kinder im Krieg starben.
Ein Roman über uns alle
Der Roman ist mehr als eine Sammlung von Geschichten über Mütter. Es ist eine Reflexion über Menschlichkeit und die Suche nach Zugehörigkeit.
Trotz der Schwere vieler Themen findet Gorelik eine Sprache der Zuwendung, die Hoffnung gibt. Immer wieder kehren Bilder und Sätze zurück, die das Buch wie ein Kaleidoskop verbinden. „Vielleicht lässt sich das Schreiben und Leben gar nicht trennen“, sagt Gorelik.
Mit „Alle meine Mütter“ zeigt sie, dass Literatur uns nicht nur Geschichten erzählt, sondern auch neue Wege des Denkens eröffnet.