Anerkennung ihrer literarischen Karriere
Ursula Krechel hat sich ihren Ruf über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich erarbeitet – mit einem Werk, das seit den 1970er-Jahren stetig gewachsen ist. „Der Büchner-Preis wird auch als Krönung einer literarischen Karriere verliehen“, erklärt die Literaturkritikerin Beate Tröger.
Die Kontinuität als Merkmal
Krechel ist eine Autorin, die Themen über lange Zeiträume hinweg verfolgt. So arbeitete sie über zehn Jahre an ihrem Roman-Triptychon „Shanghai fern von wo“, „Landgericht“ und „Geisterbahn“. Die drei Romane erzählen vom Alltag im Nationalsozialismus und von dessen Nachwirkungen nach 1945.
Schon der Gedichtband „Stimmen aus dem harten Kern“ von 2005 sei eine Art Übergangsarbeit gewesen – ein Vorgriff auf Themen, die Krechel später in ihrer Trilogie erzählte, sagt Tröger. Das zeige, wie stark ihre Arbeitsweise von Kontinuität geprägt sei.
Vor allem die Kontinuität ist es, die Ursula Krechels Arbeitsweise auszeichnet, dieses hartnäckige Schreiben-Müssen, Schreiben-Wollen.
Die Suche nach dem Verborgenen
Nicht nur Krechels Art zu schreiben sei besonders, sondern auch das Poetische in ihren Texten, sagt Literaturkritikerin Beate Tröger: „Die Suche nach einer möglichst genauen Sprache für das, was verdrängt und verborgen ist.“
Eine ihrer großen Stärken sei es, unter die Oberfläche zu schauen, so Tröger. Krechel betrachte, wie Gesellschaften zu bestimmten Zeiten verfasst seien, was verdrängt oder tabuisiert werde – und wie sich das in Sprache übersetzen lasse. Besonders ist, so Tröger, wie Krechel es schafft, „auch eine bestimmte Form von Sprachlosigkeit in Sprache zu übersetzen“.
Ursula Krechel hat Theaterstücke wie „Erika“ oder „Aus der Sonne“ geschrieben, ebenso Lyrikbände wie „Nach Mainz“ und Romane wie „Zweite Natur“, ihr Prosadebüt von 1981. Zuletzt erschien im Januar 2025 der Roman „Sehr geehrte Frau Ministerin“.