Trierer Autorin ausgezeichnet

Ursula Krechel erhält den Georg-Büchner-Preis 2025

Der bedeutendste Literatur-Preis im deutschen Sprachraum geht an Ursula Krechel. Eine Schriftstellerin, die immer nah am Puls der Zeit ist, sagt SWR-Kulturkritikerin Beate Tröger. Ihre Werke drehen sich um Flucht, Exil und Feminismus.

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Anerkennung ihrer literarischen Karriere

Ursula Krechel hat sich ihren Ruf über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich erarbeitet – mit einem Werk, das seit den 1970er-Jahren stetig gewachsen ist. „Der Büchner-Preis wird auch als Krönung einer literarischen Karriere verliehen“, erklärt die Literaturkritikerin Beate Tröger.

Ursula Krechel erhält den Georg-Büchner-Preis 2025.
In der Jurybegründung heißt es, dass Ursula Krechel mit ihren Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen, Romanen und Essays den Verheerungen der deutschen Geschichte und Verhärtungen der Gegenwart die Kraft ihrer Literatur entgegensetze.

Die Kontinuität als Merkmal

Krechel ist eine Autorin, die Themen über lange Zeiträume hinweg verfolgt. So arbeitete sie über zehn Jahre an ihrem Roman-Triptychon „Shanghai fern von wo“, „Landgericht“ und „Geisterbahn“. Die drei Romane erzählen vom Alltag im Nationalsozialismus und von dessen Nachwirkungen nach 1945.

Schon der Gedichtband „Stimmen aus dem harten Kern“ von 2005 sei eine Art Übergangsarbeit gewesen – ein Vorgriff auf Themen, die Krechel später in ihrer Trilogie erzählte, sagt Tröger. Das zeige, wie stark ihre Arbeitsweise von Kontinuität geprägt sei.

Vor allem die Kontinuität ist es, die Ursula Krechels Arbeitsweise auszeichnet, dieses hartnäckige Schreiben-Müssen, Schreiben-Wollen.

Die Suche nach dem Verborgenen

Nicht nur Krechels Art zu schreiben sei besonders, sondern auch das Poetische in ihren Texten, sagt Literaturkritikerin Beate Tröger: „Die Suche nach einer möglichst genauen Sprache für das, was verdrängt und verborgen ist.“

Eine ihrer großen Stärken sei es, unter die Oberfläche zu schauen, so Tröger. Krechel betrachte, wie Gesellschaften zu bestimmten Zeiten verfasst seien, was verdrängt oder tabuisiert werde – und wie sich das in Sprache übersetzen lasse. Besonders ist, so Tröger, wie Krechel es schafft, „auch eine bestimmte Form von Sprachlosigkeit in Sprache zu übersetzen“.

Ursula Krechel hat Theaterstücke wie „Erika oder „Aus der Sonne geschrieben, ebenso Lyrikbände wie „Nach Mainz“ und Romane wie „Zweite Natur“, ihr Prosadebüt von 1981. Zuletzt erschien im Januar 2025 der Roman „Sehr geehrte Frau Ministerin“.

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Erstmals publiziert am
Stand
Interview mit
Beate Tröger
Das Interview führte
Philine Sauvageot
Philine Sauvageot, Team SWR Kultur
Onlinefassung
Giordana Marsilio
Giordana Marsilio, Autorin und Redakteurin, SWR Kultur