Eine Entdeckung mit Folgen
Vor zwei Jahren fiel Josch Dantes ein ungewöhnlicher Comic in die Hände: "Alandal" – eine abenteuerliche Geschichte über eine junge Kampfkünstlerin, angesiedelt in der Zeit der spanischen Kolonialherrschaft. Geschrieben vom Dokumentarfilmer Philipp Ignacio, gezeichnet von der philippinischen Comic-Legende Alex Niño, der in den 1970ern für Marvel arbeitete.
Diese Comics kommen aus einem Land, das seine Vergangenheit noch nicht zu Ende erzählt hat. Und genau das macht sie so stark.
Der Mannheimer Verleger war sofort begeistert. Die Mischung aus Historie, Spannung und Magie zog ihn in den Bann. Dantes sicherte sich die Rechte für eine deutsche Ausgabe – und legte damit den Grundstein für eine neue Reihe, die inzwischen zum Herzstück seines Programms gehört.
Die Frankfurter Buchmesse 2025 startet am 15. Oktober Ein Streifzug durch die Literatur des Gastlandes der Frankfurter Buchmesse 2025
Die Philippinen sind Gastland der Frankfurter Buchmesse 2025. Rund dreißig neue Bücher erscheinen zur Messe, auch viele Graphic Novels. Hervorragend übersetzt und hochpolitisch.
Zwischen Geschichte, Mythos und Magie
Seit dieser Entdeckung hat Dantes sich tief in die philippinische Kultur eingearbeitet. Das Land habe, sagt er, eine besondere Erzähltradition: Fantastisches und Reales gehen darin ganz selbstverständlich ineinander über.
Viele Comics erscheinen auf den Philippinen direkt in englischer Sprache – ein Erbe der amerikanischen Kolonialzeit. Für die deutschen Ausgaben arbeitet Dantes mit Übersetzer Jens Nielsen zusammen. Der ergänzt jedes Buch um ein Glossar, das sprachliche Besonderheiten erklärt, kulturelle Bezüge einordnet und eine Welt sichtbar macht, in der Geister, Dämonen und alte Götter immer noch zum Alltag gehören.
Geister, Dämonen und die Hüterin von Manila
In "Trese" etwa, einem der erfolgreichsten Comics des Landes, bekämpft die Ermittlerin Alexandra Trese übernatürliche Wesen in Manilas Unterwelt. Der Comic wurde sogar als Netflix-Serie adaptiert.
Auch in "Lehrreiche Lektionen einer philippinischen Kindheit" wimmelt es von Geistern. Das Buch erinnert an eine Mischung aus "Struwwelpeter" und Grimms Märchen mit düsteren Figuren, die moralische Lektionen erteilen. Basierend auf alten, mündlich überlieferten Geschichten, bewahrt der Comic ein kulturelles Gedächtnis, das fast verloren gegangen wäre.
Wenn Comics Gesellschaft erzählen
Dass Comics auf den Philippinen nicht nur Unterhaltung sind, zeigt "Elmer", einer der Lieblingsbände des Verlegers. Darin werden Hühner zu denkenden Wesen. Eine groteske, zugleich berührende Parabel über Diskriminierung und Rassismus. Was auf den ersten Blick absurd wirkt, entpuppt sich als kluge Gesellschaftsanalyse.
Ein Ein-Mann-Verlag mit großem Netzwerk
Den Dantes Verlag gründete Josch Dantes vor acht Jahren, aus reiner Leidenschaft. Heute führt er ihn allein, mit Partnern auf der ganzen Welt. Neben europäischen und amerikanischen Comics sind die philippinischen Bände ein Herzensprojekt.
Philippinische Comics sind kein Exportprodukt. Sie sind Weltliteratur in Bildern.
In diesem Jahr sind die Philippinen Gastland der Frankfurter Buchmesse. Für Josch Dantes ist das mehr als ein symbolischer Moment. Er freut sich darauf, seine Autorinnen und Zeichner dort zu treffen, neue Projekte zu planen und die philippinische Szene zu feiern.