Neue Stimmen aus Südostasien

Wie der Mannheimer Dantes Verlag philippinische Comic-Kunst nach Deutschland bringt

Philippinische Comics sind im Heimatland längst Massenkultur. Jetzt kommen sie zu uns – mit Geschichten, die Kolonialgeschichte, Magie und Gegenwart kunstvoll verbinden.

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Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

Eine Entdeckung mit Folgen

Vor zwei Jahren fiel Josch Dantes ein ungewöhnlicher Comic in die Hände: "Alandal" – eine abenteuerliche Geschichte über eine junge Kampfkünstlerin, angesiedelt in der Zeit der spanischen Kolonialherrschaft. Geschrieben vom Dokumentarfilmer Philipp Ignacio, gezeichnet von der philippinischen Comic-Legende Alex Niño, der in den 1970ern für Marvel arbeitete.

Josua Dantes, Gründer und Inhaber des Dantes Verlags aus Mannheim
Josua Dantes, Gründer und Inhaber des deutschen Comicverlags aus Mannheim. Der Dantes Verlag wurde im August 2016 gegründet und 2017 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. © Josch Dantes

Diese Comics kommen aus einem Land, das seine Vergangenheit noch nicht zu Ende erzählt hat. Und genau das macht sie so stark.

Der Mannheimer Verleger war sofort begeistert. Die Mischung aus Historie, Spannung und Magie zog ihn in den Bann. Dantes sicherte sich die Rechte für eine deutsche Ausgabe – und legte damit den Grundstein für eine neue Reihe, die inzwischen zum Herzstück seines Programms gehört.

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Zwischen Geschichte, Mythos und Magie

Seit dieser Entdeckung hat Dantes sich tief in die philippinische Kultur eingearbeitet. Das Land habe, sagt er, eine besondere Erzähltradition: Fantastisches und Reales gehen darin ganz selbstverständlich ineinander über.

Alandal, geschrieben von J. Philip Ignacio, gezeichnet von Alex Niño und Übersetzt von Jens R. Nielsen
Alandal - ein Abenteuer um eine junge Martial-Arts-Kämpferin. Geschrieben von J. Philip Ignacio und gezeichnet von Alex Niño. Übersetzt von Jens R. Nielsen. © Josch Dantes

Viele Comics erscheinen auf den Philippinen direkt in englischer Sprache – ein Erbe der amerikanischen Kolonialzeit. Für die deutschen Ausgaben arbeitet Dantes mit Übersetzer Jens Nielsen zusammen. Der ergänzt jedes Buch um ein Glossar, das sprachliche Besonderheiten erklärt, kulturelle Bezüge einordnet und eine Welt sichtbar macht, in der Geister, Dämonen und alte Götter immer noch zum Alltag gehören.

Geister, Dämonen und die Hüterin von Manila

In "Trese" etwa, einem der erfolgreichsten Comics des Landes, bekämpft die Ermittlerin Alexandra Trese übernatürliche Wesen in Manilas Unterwelt. Der Comic wurde sogar als Netflix-Serie adaptiert.

Cover der philippinischen Comicserie „Trese“ 1-3
Die philippinische Comicserie "Trese": Ein Einblick in den philippinischen Volksglauben, in dem Ermittlungen im modernen Manila vor dem Hintergrund von Mythen und Aberglauben stattfinden. © Josch Dantes

Auch in "Lehrreiche Lektionen einer philippinischen Kindheit" wimmelt es von Geistern. Das Buch erinnert an eine Mischung aus "Struwwelpeter" und Grimms Märchen mit düsteren Figuren, die moralische Lektionen erteilen. Basierend auf alten, mündlich überlieferten Geschichten, bewahrt der Comic ein kulturelles Gedächtnis, das fast verloren gegangen wäre.

Wenn Comics Gesellschaft erzählen

Dass Comics auf den Philippinen nicht nur Unterhaltung sind, zeigt "Elmer", einer der Lieblingsbände des Verlegers. Darin werden Hühner zu denkenden Wesen. Eine groteske, zugleich berührende Parabel über Diskriminierung und Rassismus. Was auf den ersten Blick absurd wirkt, entpuppt sich als kluge Gesellschaftsanalyse.

Einer der Lieblings-Comics von Josch Dantes, ist „Elmer“
Einer der Lieblings-Comics von Josua Dantes, ist "Elmer". © Josch Dantes

Ein Ein-Mann-Verlag mit großem Netzwerk

Den Dantes Verlag gründete Josch Dantes vor acht Jahren, aus reiner Leidenschaft. Heute führt er ihn allein, mit Partnern auf der ganzen Welt. Neben europäischen und amerikanischen Comics sind die philippinischen Bände ein Herzensprojekt.

Philippinische Comics sind kein Exportprodukt. Sie sind Weltliteratur in Bildern.

In diesem Jahr sind die Philippinen Gastland der Frankfurter Buchmesse. Für Josch Dantes ist das mehr als ein symbolischer Moment. Er freut sich darauf, seine Autorinnen und Zeichner dort zu treffen, neue Projekte zu planen und die philippinische Szene zu feiern.

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