Das lyrische Ich, so hatte Gottfried Benn einmal erklärt, werde „im Höchstfall siebzig Jahre alt“. Er hielt sich genau daran. Nun sind weitere 70 Jahre vergangen, in denen der Ruhm des Dichters Höhen und Tiefen erlebt hat.
Für die Nachkriegslyrik bildete seine Poetik einen Maßstab, den 68ern erschien er wegen seiner kurzzeitigen Parteinahme für die Nationalsozialisten untragbar, später wurde er neu entdeckt - als Modernist, der eine Lehre der Kälte vertrat.
Muss Benn heute als Prototyp des „alten weißen Mannes“ gelten? Oder strahlen seine Verse noch immer eine Faszination aus? Norbert Hummelt geht diesen Fragen in Gesprächen und Begegnungen nach.