Zum 40. Jubiläum von "Falco 3" erscheint das Album am 24. Oktober neu remastered. Die 1985 erstmalig erschienene Platte brachte dem österrichischen Sänger seinen größten Erfolg ein.
Musikmanager Horst Bork über seine Arbeit mit Falco
SWR1: Sie waren nicht nur Falcos Manager, sondern Sie waren ja auch Therapeut oder Kindermädchen. Welcher dieser Jobs war denn der schwerste?
Horst Bork: Das hat permanent gewechselt. Man musste sich manchmal dreimal unterschiedliche Hüte am Tag aufsetzen. Aber das gehört dazu. Man hat nicht nur immer Sonne und man hat nicht nur immer Schatten. Das ist immer eine Wanderung.
Manche Künstler nehmen Dinge anders in Kauf, gehen damit um. Andere verfallen in tiefe Abgründe, bis sie da wieder herauskommen. […] Falco war einer, der zwar im Moment enttäuscht war, aber doch kapiert hat, dass das Geschäft so funktioniert. Normales Geschäft, würde ich sagen.
Falco und "Rock me Amadeus": Schaffe ich das noch einmal?
SWR1: "Rock Me Amadeus", das war der Durchbruch in den USA. Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie ihm das erzählt haben?
Bork: Das weiß ich noch sehr genau! Ich hatte am Nachmittag einen Anruf aus Amerika gekriegt, dass der Song Nummer eins ist und der Hans war zu Hause. [...]
Seine erste Reaktion war, schaffe ich denn das dann noch einmal? Er hat sofort kapiert, dass das ein Peak ist, der schwer zu überbieten oder noch mehr zu erreichen ist. [...] Er hat sich zwar links gefreut, aber rechts hat er registriert, dass das Leben dadurch nicht unbedingt leichter wird.
Falco: "I bin doch koa Mozartkugel!"
SWR1: Falco hatte sich lange geweigert, die Nummer aufzunehmen, er wollte als Wiener nicht über Mozart singen.
Bork: Das stimmt! "I bin doch koa Mozartkugel," hat er immer gesagt. Ich hab' mir immer gesagt, das ist doch eine einmalige Gelegenheit, weltweit. Und vielleicht haben auch Wiener eine intensivere Beziehung zu Amadeus Mozart als wir sie hatten.
Unterm Strich hat er es dann doch gemacht. Aber die Brücke, die ich ihm gebaut habe, war, sing' es doch einmal und wenn es nichts ist, dann werfen wir es weg! [...] Er ging dann ans Mikrofon und hat gesagt: "Ich singe das nur auf Druck meines Managements!"
Er hat den Song dann innerhalb von zwei Stunden, ohne große Veränderungen aufs Band "geschmissen" […] und das war die Version, die es geschafft hat.
Falco über "Rock Me Amadeus": "Ich singe das nur auf Druck meines Managements!"
SWR1: Wie haben Sie ihm den Druck denn gemacht?
Bork: Ihm hat der Titel prinzipiell nicht so gut gefallen. Er hatte als Wiener zu Amadeus Mozart gewisse Annäherungsprobleme gehabt. [...] Man kann da nicht mehr tun, als zu sagen, komm, probieren wir es einmal. Und wenn es dann nichts ist, dann werfen wir es weg. Obwohl uns allen klar war, wir werden das nie wegwerfen. Es ging ja dann weiter. Die Nummer war fertig und wir haben sie der Plattenfirma vorgespielt. Die waren auch sehr, sehr verhalten.
Man muss aber dazu sagen, dass die LP vorher "Junge Römer" war, die ging dann gar nicht. Wie Senkblei lag die da. Da hat sich keiner groß interessiert. Da lastete auf "Falco 3" eine große Erwartungshaltung. Das hat die Entscheidungen nicht leichter gemacht. Da wurde sehr viel intensiver diskutiert, passt das – passt es nicht?
Dann haben wir es noch in Diskotheken getestet, da waren die Reaktionen auch sehr verhalten. […] Das heißt, die Vorzeichen waren nicht so gut, aber irgendwie hat es das Ding doch geschafft und hat sich da durchgebrannt.
Podcast-Tipp: Meilensteine-Folge zu "Falco 3" von Falco
Falco und "Jeanny": "So eine Schnulze sing' ich nicht, das müssen wir verschärfen!"
SWR1: Die zweite Riesennummer auf "Falco 3" ist "Jeanny". Um den Song hat es große Aufregung gegeben, Falco wurde vorgeworfen, der Song würde eine Vergewaltigung verharmlosen. Wie hat Falco darüber gedacht?
Bork: Der Anfang der Geschichte ist, "Jeanny" kam als Demo und war ja ganz nett. Aber da ging es in der Basis um die Geschichte eines jungen Mädels, das einen Freund hatte und der Freund hat den Eltern des Mädels nicht gepasst. Und dann sind die beiden eben ausgerissen und wurden von der Polizei gesucht. Das war die Ursprungsnummer.
Dann sagte der Hans, so eine Schnulze sing' ich nicht! "Das müssen wir verschärfen," das war immer sein Wort. Und dann kommen diese Sätze, die er so rausgepumpt hat: "Keiner wird Dich finden! Du bist bei mir!"
Daraus haben die Leute eben Rückschlüsse gezogen. Er hätte sie umgebracht, vergewaltigt. Da kamen ja dubiose Vorwürfe von Dieter Thomas Heck, von Thomas Gottschalk. Jeder hat sich ausgekotzt, wie schlimm das sei. Ich kann nur jedem empfehlen, den Text mal in Ruhe zu lesen oder zu hören.
Es war halt ein Riesenspektakel. Das größte Geschenk, das uns die Medien gemacht haben, war, dass einige Radiosender den Song nicht gespielt haben.