Annika Ljungberg: Rednex waren mehr oder weniger eine Castingband
SWR1: Annika, du warst die weibliche Stimme, der weibliche Star der Band Rednex.
Annika Ljungberg: Ja, wir haben das zusammen aufgebaut. Zum einen gab es das Team im Studio. Und ich habe die Band 1994 zusammengestellt. Das ist korrekt!
SWR1: War das wie bei einer Castingshow?
Ljungberg: Mehr oder weniger. Ich hatte die Aufgabe, die Band zusammenzustellen. Da hat man sich einfach auf mich verlassen. Also habe ich in der Musikbranche nach Kollegen gesucht oder nach Leuten, von denen ich wusste, dass sie Instrumente spielen. Und so kam es zu dieser Besetzung – mit langen Haaren.
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Der Lotter-Look bei Rednex gehörte zum Konzept, sagt Ljungberg
SWR1: Lange Haare waren also absolut hilfreich und man musste lange Haare haben?
Ljungberg: Ja. Ich denke, das passte gut zusammen, wenn man ein echter Redneck (Anm. d. Red.: Als Rednecks werden meist abfällig arme, weiße Landarbeiter bezeichnet) ist. Man hat weder die Zeit noch das Geld, sich die Haare zu schneiden.
Die Sache ist die: Von Anfang an hatten wir diese Geschichte, dass wir angeblich aus einem schwedischen Dorf in Idaho, USA, stammen. Das war auch die Geschichte für die Presse, sowohl in Schweden als auch international.
Am Anfang haben wir überhaupt keine Interviews gegeben. Wir waren völlig still, wenn Reporter nach einer Show Backstage in den Raum kamen. Wir haben kein Wort gesagt. Sie haben also wirklich gedacht, dass wir diese Redneck-Mutanten waren.
Als ich "Cotton Eye Joe" zum ersten Mal im Studio hörte, dachte ich: Okay, die Leute werden das entweder total lieben oder total hassen. Ich war mir wirklich nicht sicher.
Annika Ljungberg von Rednex: Deutschland war ein zweites Zuhause!
SWR1: Viele Menschen auf der Welt haben geliebt, was ihr gemacht habt. Und sie haben Rednex gefeiert. Überall, wo ihr aufgetreten seid, war die Band ein bisschen wild, oder?
Als wir nach Deutschland gekommen sind, hat es sich wie ein zweites Zuhause angefühlt für uns.
Ljungberg: Oh ja! Und wir waren auch auf der Bühne wirklich wir selbst! Und ich muss sagen, als wir nach Deutschland gekommen sind, hat es sich wie ein zweites Zuhause angefühlt für uns.
SWR1: Die Leute haben auch das Lebensgefühl geliebt, dass ihr versprüht habt, auch wenn das alles etwas seltsam angemutet hat, weil ihr auch immer so verrückt ausgesehen habt, mit den Klamotten, den langen Haaren und diesem ungewaschenen Stil, den ihr hattet. Und ich habe immer gedacht, eure Zähne haben ausgesehen, als hättet ihr sie nie geputzt.
Ljungberg: Das ist wirklich außergewöhnlich lustig, weil unser Stil tatsächlich so war, dass ich jeden Morgen, wenn ich aufgestanden bin und in den Spiegel geschaut habe, gesagt habe: "Guten Morgen, Mary Joe!" Und ich fühlte mich ehrlich gesagt wirklich wie Mary Joe – mit meinen schwarzen Zähnen, meinen unordentlichen Haaren, meinen schäbigen Klamotten.
Wir haben dem Publikum einfach das gegeben, wofür es gekommen ist: großartige, lustige Musik und eine gute Zeit zusammen.
Es war, als ob man direkt aus dem Bett aufsteht, sich nicht darum kümmert, wie man aussieht. Wir haben dem Publikum einfach das gegeben, wofür es gekommen ist: großartige, lustige Musik und eine gute Zeit zusammen.
Ich erinnere mich an unser erstes Fotoshooting in Schweden. Wir wollten danach eigentlich zu McDonald's gehen, um uns etwas zu essen zu holen, und wir durften nicht hinein. Unser Manager und unser Tourmanager mussten reingehen, und wir mussten im Auto sitzen bleiben.