40 Jahre Live Aid
Ausgestrahlt wurde Live Aid in die ganze Welt und mehr als eine Milliarde Fans rund um den Globus haben damals vor dem Fernseher gesessen und stundenlang den damals größten Stars der Rock- und Popwelt zugeschaut. Vor dem Fernseher haben damals auch Musikredakteur Dave Jörg und Musikchef Bernd Rosinus gehockt.
Ich war dreizehn und wir saßen davor und dachten uns: Boah, ey! Was ist das denn, was da passiert? Das ist ganz toll! [...] Ich habe Live Aid geguckt, solange ich konnte bei meiner Oma im Taunus!
2023 haben Bernd Rosinus und Dave Jörg die Podcastfolge im Rahmen von "Die 80er – Der Musikpodcast" aufgezeichnet. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums veröffentlichen wir diese Folge jetzt noch einmal.
16 Stunden Livemusik im Fernsehen – sowas gab es noch nie
Insgesamt sechzehn Stunden lang sind im Wechsel zwischen den beiden Bühnen im Londoner Wembley Stadion und im amerikanischen Philadelphia die großen Stars aufgetreten. Mit dabei waren unter anderem: Bryan Adams, die Beach Boys, David Bowie, Duran Duran, Bob Dylan, Elton John, Madonna, Queen, Paul McCartney, U2 und noch einige mehr.
Ich glaube, ich habe die 16 Stunden durchgeguckt!
Im Wembley Stadion war damals sogar noch höherer britischer Besuch mit dabei, ihre "Royal Highness" Prinz Charles und seine damalige Ehefrau Prinzessin Diana.
Live Aid ist das größte Benefizkonzert der Welt
Ausgangspunkt für Live Aid war eine Dokumentation über Äthiopien, die Bob Geldof im Fernsehen gesehen hatte. In dem Land lag die Wirtschaft Anfang der 80er-Jahre komplett am Boden und lange Dürreperioden hatten die Ernten des Landes 1984 quasi komplett vernichtet, erzählt SWR1 Musikchef Bernd Rosinus.
Bob Geldof wollte den Menschen dort irgendwie helfen, aber wie? Natürlich durch Musik, dachte er sich. Er hat seinen Freund Midge Ure angerufen und ihm von der Idee erzählt, einen Benefizsong aufzunehmen, um Gelder für Äthiopien zu sammeln.
Entstanden ist dabei der Song "Do They Know It's Christmas". Nach dem Erfolg des Projektes, das unter dem Namen "Band Aid" gestartet war, entwickelt sich dann Live Aid.
Zusammengekommen an Spenden sind bei Live Aid damals umgerechnet ca. 218 Millionen Euro. Vielleicht hat zu dieser enormen Spendensumme auch das Gefühl beigetragen, das Initiator Bob Geldof den Zuschauern dabei zuschreibt.
Zu Hause vor dem Fernseher, da hat man dieses kollektive Menschsein spüren können. Dass man diese nackte Armut gemeinsam stoppen kann.
Rockstars bei Live Aid
Eines der Highlights von Live Aid war auch die Performance von Queen. Dabei war die Band zunächst nur schwer von einem Auftritt bei Live Aid zu überzeugen. Queen war gerade auf Tour in Australien unterwegs und vom Tourleben ziemlich ermüdet, erzählt Bob Geldof im SWR1 Interview.
Es war sehr schwer Freddie (Mercury) zu überzeugen [...]. Ich hab dann gesagt: Fred, wenn jemals eine Bühne für dich gebaut worden ist, dann ist es diese.
Die Kritik an Live Aid
So begeistert viele Menschen von Live Aid, der Musik und dem Wunsch zu helfen auch sind, es gab in den letzten 40 Jahren auch immer wieder Kritik an dem Projekt.
Zuletzt im Dezember 2024 von dem aus Ghana stammenden Rapper "Fuse ODG". Er findet, dass Projekte wie "Live Aid" und die Benefizsingle "Do They Know It's Christmas" dem afrikanischen Kontinent wirtschaftlich geschadet hätten. Durch solche Projekte würde der Eindruck entstehen, dass alle Länder Afrikas arm und unterentwickelt seien. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass sich mit Live Aid vor allem weiße Künstlerinnen und Künstler auf die Schulter geklopft hätten.
Sheeran vs. Geldof Zoff um "Do They Know It's Christmas 2024" von Band Aid
Bob Geldof hat mit Band Aid und "Do They Know It's Christmas" viel bewegt. Um die neue Version gibt es jetzt aber Zoff mit Ed Sheeran.
Neu war diese Art der Kritik nicht – Bob Geldof selbst hat sie als absurd zurückgewiesen und im Times Radio provozierend gefragt: "Wenn in Afrika eine Hungersnot herrscht, dann dürfen keine weißen Menschen helfen, sondern nur die mit nicht weißer Hautfarbe?"
Das Argument wäre, so Geldof im Frühjahr 2025, unfassbarer Quatsch und würde alles Gute einfach niedermachen. Er selbst würde es immer wieder so machen, um Leben in Afrika zu retten. Da Bob Geldof zu seiner Haltung steht und stand, haben wir uns redaktionell dazu entschlossen, den Live Aid-Podcast aus 2023 mit ihm, unverändert nochmal neu zu veröffentlichen.