Der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Genesis auf der Loreley
Gleich das erste Konzert auf der Loreley Freilichtbühne im Juli 1976 war ein voller Erfolg: Genesis machten damals, bei ihrer ersten Tour mit Phil Collins als Sänger, Halt auf dem sagenumwogenen Fels über dem Rhein. Damit begann die Erfolgsgeschichte der Freilichtbühne.
Doch der Start war holprig. Denn als Konzertveranstalter Rainer Zosel das Amphitheater auf dem Loreley-Plateau entdeckte, war es weit entfernt davon, ein funktionaler Konzertort zu sein: Es gab weder Wasserleitungen noch Strom und zwischen den Gängen wuchs Unkraut.
Eine Bühne wird wiederbelebt
„Wir haben hier monatelang Tag und Nacht gearbeitet“, erinnert sich Zosel. Aber es fehlte noch die erste Band. Weil der Veranstaltungsort zu abgelegen war, hagelte es Absagen – bis Rainer Zosel Kontakt zu Genesis bekam: „Die waren gleich Feuer und Flamme, und dann ist es angelaufen.“
In den letzten 50 Jahren sind zahlreiche große Namen der Pop- und Rockmusik im beschaulichen Sankt Goarshausen im Mittelrheintal aufgetreten: von deutschen Musikern wie BAP, Herbert Grönemeyer, Pur oder Die Toten Hosen bis zu internationalen Stars wie Bob Dylan, Joe Cocker, Metallica, The Police und U2.
Schwierige Anreise
Dabei hat sich an der Abgelegenheit der Freilichtbühne natürlich nichts geändert. Sankt Goarshausen ist mit seinen rund 1.000 Einwohnern nach wie vor keine gut angebundene Metropole, die Parkplätze sind begrenzt und die Anreise mit der Fähre ist auch eher ungewöhnlich und zweitaufwendig – für das Publikum genauso wie für Bands mit all ihrer Technik und Instrumenten.
Der Mythos Loreley: Magische Momente für Fans und Künstler
Doch die betörende Loreley scheint den manchmal widrigen Umständen zum Trotz auf Rockstars eine ganz besondere Wirkung zu haben. „Die Freilichtbühne Loreley und das ganze Erlebnis ist nicht nur ein Festival, es ist ein Mythos“, sagt etwa Andy Powell, der mit seiner Band Wishbone Ash unter anderem 1985 Teil des Metal Hammer Festivals auf der Loreley war.
Dieser Loreley-Mythos lockt seit Jahrzehnten Touristen aus der halben Welt auf den Felsen. Von dort oben, rund 130 Meter über dem Rhein, hat das Publikum bei jedem Konzert eine einzigartige Aussicht auf das Mittelrheintal. Doch neben dieser speziellen Atmosphäre für das Publikum verbinden auch viele Musiker besondere Erlebnisse mit der Loreley.
Ein Gänsehaut-Moment für Wolfgang Niedecken
Im Rahmen des Rockpalast Open Airs 1982 war BAP die erste deutsche Band, die auf der Loreleybühne auftrat – ein Meilenstein der Bandgeschichte.
„Wenn du da unten in einem kleinen Kessel stehst und blickst da hoch und die Leute jubeln, freuen sich und singen mit, das war sowas von überwältigend. Mir ist wirklich die Spucke weggeblieben. Das war Wahnsinn“, erinnert sich Wolfgang Niedecken.
Georg Elser Auszeichnung für Wolfgang Niedecken: „Musik kann die Leute vom Verhärten abhalten.“
Am Schluss standen dann alle Musiker des Abends gemeinsam auf der Bühne: der Star-Gitarrist Rory Gallagher, der Bluesmusiker Eric Burdon, der Gitarrist Dave Lindley – und Wolfgang Niedecken.
Zusammen spielen sie „Knockin‘ und Heaven’s Door“, für Niedecken ein bis heute unvergesslicher Moment: „Da denke ich immer noch: ‚Ich habe das echt erlebt!‘ Wie in so einem Film. Wahnsinn.“
Familiäre Atmosphäre fast wie zu Hause
Vieler dieser Konzerte aus den Anfangsjahren haben sicher zum schnellwachsenden Mythos der Freilichtbühne beigetragen, der bis heute anhält.
Weltstars auf den Höhepunkten ihrer Karriere machen Halt im kleinen Sankt Goarshausen – vielleicht ja nicht trotz der Abgelegenheit, sondern genau wegen dieser Atmosphäre des beschaulichen Mittelrheinortes.
„Die Loreley ist mittlerweile vom Gefühl her auch ein Heimspiel“, sagt Thomas D von den Fantastischen Vier. Die ganze Betreuung habe er als sehr familiär in Erinnerung: „Wir haben uns immer sehr herzlich willkommen gefühlt. Es ist was familiäres, fast schon Handgemachtes.“
Kartenspielen mit Nina Hagen und viele weitere Anekdoten
So hat auch fast jeder in Sankt Goarshausen so seine eigene Loreley-Geschichte zu erzählen. Sie reichen vom Maumau-Spielen mit Nina Hagen bis zu spontanen Jam-Sessions in der Weinstube.
Bob Dylan wollte unbedingt Erdnüsse haben. Einer von uns ist dann in den Supermarkt gefahren und hat Erdnüsse in allen Sorten gekauft. Dann wollte Bob Dylan keine Erdnüsse mehr.
Die Loreley ist Peter Maffays Lieblingsort für Auftritte
Ein Musiker, der diese Atmosphäre besonders schätzt, ist Peter Maffay. Keiner ist öfter auf der Loreley aufgetreten als er. Und er reist immer einen Tag vorher an, um sich auf die besondere Atmosphäre am Rhein einzustimmen.
Peter Maffay – vom Schlagersänger zum Rockstar war es ein weiter Weg
„Die Umgebung, die Bühne, die Atmosphäre und die Erinnerungen, die man hat, das verdichtet sich irgendwann, sodass man sich gut aufgehoben und auch ein bisschen heimisch fühlt“, sagt Peter Maffay.
Ein Stück Musikgeschichte hoch über dem Rhein
Die Loreley Freilichtbühne ist also mehr als nur ein Veranstaltungsort – sie ist ein Stückchen Musikgeschichte voller Emotionen und besonderer Erlebnisse. Der Mythos Loreley lebt von seiner einzigartigen Atmosphäre hoch über dem Rhein, die Künstler und Fans gleichermaßen in ihren Bann zieht.