In den 90er-Jahren feierte die schwedische Band Ace of Base weltweiten Erfolg. Insbesondere die Single "All That She Wants" von 1992 katapultierte die vier Mitglieder Jonas, Malin und Jenny Berggren sowie Ulf Ekberg an die Spitze der Charts.
Am 24. November erscheint nun die Dokuserie "Ace of Base: All That She Wants" auf dem deutschen Kanal des Streamingdiensts Viaplay. In drei Teilen wird die "unzensierte Geschichte einer der erfolgreichsten schwedischen Popbands" gezeigt.
Ace of Base: Großer Erfolg in den 90ern
SWR1: Wenn man sich den Wikipedia-Eintrag für Ace of Base anschaut, steht da, die Band gibt es von 1987 bis heute. Würdest Du sagen, dass die Band noch existiert?
Ulf Ekberg: Der Mythos um die Band und deren Vermächtnis existiert auf jeden Fall noch. Es gab auch nie einen Punkt, an dem wir aufgehört haben. Aber es gibt die Band eher virtuell, im Kopf und in der Seele und nicht in echt.
SWR1: Stell Dir vor Du hättest eine Zeitmaschine zurück in die 90er-Jahre – welchen Tag würdest Du gerne noch einmal erleben?
Ekberg: 1994/1995 würde ich sagen – das waren echt gute Jahre, besonders als wir in Amerika den Durchbruch hatten. Es gab mehr tolle Tage als schlechte, als wir im Grunde rund um die Uhr das ganze Jahr geschuftet haben. [...]
Müsste ich mich entscheiden, dann wäre es der Tag, an dem wir den Anruf gekriegt haben, dass wir in den USA Nummer Eins sind, nach Monaten auf Platz zwei. Wir waren damals im Auto, sind gerade von London nach Newcastle in Nordengland gefahren für ein BBC-Interview. Und wir waren super müde, weil wir gerade aus Südamerika gekommen waren.
Dann haben wir mit einem Bier angestoßen und sind wieder eingeschlafen. Mehr haben wir unsere Nummer Eins in Amerika mit Single und Album nie gefeiert – das ist schade. Das würde ich heute gerne nachholen. Es waren so viele tolle Erfahrungen – schwer, da einen Tag herauszupicken.
Ulf Ekberg über Doku: Schöne und schwere Erinnerungen
SWR1: Jetzt gibt es die Doku-Reihe über Ace of Base – war das wie eine Zeitreise für Dich?
Ekberg: Es hat schöne und schwere Erinnerungen zurückgebracht – es war nicht alles Glanz und Gloria, den Erfolg zu haben. Nicht alle in der Band fanden es so aufregend, in der Welt herumzureisen und super bekannt zu sein. Für mich sind das tolle Erinnerungen, aber es war auch hart. Wenig Schlaf, man musste manchmal in drei Ländern sein – an einem Tag. Ständig Jetlag.
Es war irre zu erleben, welche Kraft Musik hat und wie sie uns zusammenbringen kann.
Aber auch die großartigsten Künstler der Welt zu treffen, in den besten Shows, und mit den besten Leuten auf dem Planeten zu arbeiten. Und dann weltweit unsere Fans zu treffen und die Leidenschaft von denen zu sehen: in Asien, Süd- und Nordamerika, Afrika und überall in Europa. Es war irre zu erleben, welche Kraft Musik hat und wie sie uns zusammenbringen kann.
Was die Musik von Ace of Base so einzigartig macht
SWR1: Es gibt viele große Stars, die sagen, Ace of Base hat sie musikalisch beeinflusst, darunter Lady Gaga und Katy Perry. Was löst das bei Dir aus, wenn Du so etwas hörst?
Ekberg: Dass Leute unser Erbe aus den 90ern weiterführen, das ist toll und macht mich ehrfürchtig. Und dass andere Musiker dieses Erbe in die 2000er-Jahre gebracht haben – in solch großartiger Art und Weise. Die haben das beide wirklich super gemacht. Ich liebe sie. Katy Perry ist fantastisch, und was Lady Gaga daraus gemacht hat, ist unglaublich. Das zu hören, macht mich sehr stolz – sie gehören zu den besten Künstlern der Welt.
SWR1: Ace of Base haben ihr eigenes Ding gemacht: Das war Pop, Eurodance und Reggae. Gab es in den 90ern jemanden, den Du als Konkurrenz gesehen und genau beobachtet hast?
Ekberg: Nein … (lacht) Was Jonas und mich angetrieben hat, war, dass keiner in den 90ern die Musik gemacht hat, die wir echt mochten. Ein paar Ausnahmen waren vielleicht die Band KLF und ein paar Songs von Snap oder anderen Dance-Acts.
Wir haben all die Musikrichtungen gemacht, von denen wir dachten: Das ist klasse. Das war Reggae, Synth und Elektro, House und normaler Pop. Für die Plattenfirma war das am Anfang eher eine Herausforderung.
Wir haben nirgendwo richtig reingepasst. Es war schwierig, uns zu vermarkten.
Im Plattenladen hast du damals Vinyl und CDs verkauft und musstet erst nach Genre gucken und dann im Alphabet nach dem Künstler. Und wir haben nirgendwo richtig reingepasst. Es war schwierig, uns zu vermarkten. Dann sind wir so groß geworden, weil wir doch eine Lücke im Musikgeschäft gefunden haben: Die Leute wollten einfache, sehr starke, fröhliche, eingängige Melodien in Pop-Songs.
Doku "All That She Wants" behandelt Angriff auf Sängerin Jenny
SWR1: In der Doku geht es auch um den Angriff auf Sängerin Jenny. Ein weiblicher deutscher Fan ist damals in ihr Elternhaus eingedrungen und hat sie und ihre Eltern attackiert. In der Doku heißt es, das war der Moment, ab dem es mit Ace of Base zu Ende ging. Kannst Du das erklären?
Ekberg: Jenny ist von einem Fan angegriffen worden, der uns liebte, nicht von einem, der uns gehasst hat. Von da an wurde alles sehr ernst. Klar, wir hatten vorher auch schon Security – brauchst du auch, wenn du solche Fanmassen hast.
Aber dann haben wir mit viel größerer Sorge daran gedacht, uns zu schützen. [...] Für uns hat sich alles geändert. Wir hatten vorher ein sehr freies, friedliches Leben und den Schlüssel zu allen Türen der Welt und plötzlich mussten wir uns selbst einschließen, geschützt von extrem viel Personenschutz. Unsere Freiheit durch den Erfolg wurde unser eigenes Gefängnis.
Von da an hatte alles seine Leichtigkeit verloren. Natürlich hatten wir noch Spaß danach, aber mussten uns sehr stark einschränken, aufpassen, wem wir was sagen, wo wir sind – da mussten wir einfach neu denken. Aber wir haben die Band noch sechs bis sieben Jahre so weiterführen können.
Ich finde, eines der wichtigsten Dinge, die man für uns festhalten muss, ist: Wir haben das überlebt und auch Jenny hat das überlebt. Sie hat nicht nur die Attacke selbst überlebt, sondern es auch mental überstanden. Es hat Jahre gedauert und sie lebt ja immer noch damit – ein einschneidendes Ereignis.
Das macht Ulf Ekberg von Ace of Base heute
SWR1: Wie sieht heute ein normaler Tag im Leben von Ulf Ekberg aus?
Ekberg: Ich arbeite mit aufstrebenden Unternehmern und berate sie. Ich investiere ganz viel in Nachhaltigkeit und helfe Firmen, damit sie den Planeten ein bisschen besser machen. Ich helfe Unternehmern, die sich sozial engagieren und das weltweit. [...] Ich versuche, ein guter Papa zu sein und habe drei erwachsene Kinder. [...]
Ich bin immer noch so neugierig wie früher. Darüber freue ich mich und versuche, jeden Tag etwas Neues zu lernen und stelle mich gerne dumm. Wissen und Neugier sind wichtig und es macht mich glücklich, morgen und übermorgen immer noch etwas dazuzulernen.
Das vollständige Interview könnt ihr im Audio hören.