Wie Tanz Geschichte und Identität verbindet

Carnaval in Rio: Auf den Spuren des Samba in Brasilien

Der „Carnaval“ in Brasilien gilt als stimmungsvollster Karneval überhaupt. Das hat er auch dem Samba zu verdanken: eine Musik, ein Tanz, eine Kultur, die über zweihundert Millionen Menschen mitreißt.

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Von Autor/in Luis Jachmann

In Salvador, Bahia, an der Ostküste Brasiliens, herrscht Hochbetrieb: Es ist die letzte Woche vor dem Karneval, dem Höhepunkt des Jahres. In einem Tanzkurs proben 50 bis 60 Teilnehmende den Bloco Afro, eine besondere Art des Sambas, die tief in der afrobrasilianischen Geschichte verwurzelt ist.

Der Tanz ist nicht nur Ausdruck von Lebensfreude, sondern auch ein Symbol des Widerstands gegen Sklaverei und Unterdrückung. Rainha Vânia Oliveira, Tanzlehrerin und seit 25 Jahren Expertin für Bloco Afro, beschreibt ihren Kurs als identitätsstiftend für die schwarze Community.

„Unsere Tanzstunde spiegelt unser Leben wider. Unsere Ahnen lehren uns, den Schmerz, der uns widerfahren ist, in Freude umzuwandeln“, erklärt sie. Samba ist für sie nicht nur ein Tanz, sondern ein Weg, die eigene Geschichte zu bewahren und weiterzugeben.

Tanzlehrerin Rainha Vânia Oliveira
Rainha Vânia Oliveira ist Tanzlehrerin und seit 25 Jahren Expertin für Bloco Afro.

Die Ursprünge des Sambas

Der Samba hat seine Wurzeln in der Zeit des Sklavenhandels, der Salvador über Jahrhunderte prägte. Der „Samba de Roda“ entstand als Ausdruck des Widerstands: Afrikanische Sklaven versammelten sich im Kreis, spielten Instrumente und schufen Melodien, die ihren Schmerz und ihre Hoffnung ausdrückten.

In den Favelas entwickelte sich später der moderne Samba, der zunächst kritisch von der weißen Oberschicht beäugt wurde. Luan Sodré, Musikprofessor an der Universität von Salvador, erklärt, dass es „den einen Samba“ nicht gebe. „Jede Region hat ihre Art des Sambas. Das hängt zum Beispiel damit zusammen, welcher Arbeit die Menschen nachgehen.“

Samba-Bloco in Altstadt von Salvador de Bahia
Samba-Bloco in Altstadt von Salvador de Bahia.

Auch in Rio de Janeiro ist der Samba tief verwurzelt. Am Pedra do Sal, dem historischen Salzberg in Hafennähe, spielen jeden Montag Bands unter freiem Himmel. Hier, wo einst afrikanische Sklaven Salz verluden, wurde der Samba als kultureller Widerstand wiederbelebt.

In Salvador gewinnt der Samba-Reggae immer mehr an Popularität. In der barocken Altstadt tanzen die Menschen bis in die frühen Morgenstunden zu karibischen Rhythmen. Der Samba zeigt sich hier in seiner Vielfalt: Er ist nicht nur ein Tanz, sondern ein lebendiges Zeugnis brasilianischer Geschichte und Identität.

Stuttgart

Samba und Rumba tanzen in Stuttgart

Ob Anfänger oder Profi, im Tanzsportzentrum in Stuttgart-Feuerbach kommt wohl jeder ordentlich ins Schwitzen. Rumba und Samba sind nur einige der Tänze, die Tanzbegeisterte hier lernen können. Tina Grassl und Oliver Brosch haben es die lateinamerikanischen Tänze besonders angetan.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

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Autor/in
Luis Jachmann
Onlinefassung
Janine Putzek