Von Klassik bis Techno

Vom Kunstlied zum Clubtrack: Der „Erlkönig“ in sieben Versionen

Goethes „Erlkönig“ ist eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für Musiker. Wir zeigen sieben überraschend unterschiedliche Interpretationen von Schubert bis Techno.

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Von Autor/in Janine Putzek

Kaum eine Ballade der deutschen Literatur hat eine so starke kulturelle Strahlkraft wie Johann Wolfgang von Goethes „Erlkönig“. Im Jahr 1782 veröffentlicht, erzählt die Ballade in dramatischen Versen die Geschichte eines unheilvollen Ritts durch die Nacht.

Ein Vater versucht verzweifelt, sein krankes Kind zu retten, während ein mysteriöses Wesen, der Erlkönig, das Kind mit verführerischen Worten lockt. Die Themen Angst, Tod, Natur und das Übersinnliche sind zeitlos und universell.

Der Erlkönig in sieben unterschiedlichen Interpretationen

1. Franz Schubert
2. Techno trifft Goethe: Blondee
3. Hardstyle Erlkönig von Lūcadelic
4. Falkenstein: Erlkönig im Neofolk
5. Kinder-Rap mit den Jungen Dichtern und Denkern
6. Roger Mas - El rei dels verns
7. Carl Loewe

Der Platzhirsch: Der Schubertianische Erlkönig

SCHUBERT // ‘Erlkönig, D. 328’ by Konstantin Krimmel and Ammiel Bushakevitz

Wenn es um den Erlkönig geht, führt kein Weg an der Vertonung von Franz Schubert vorbei. Wohl kaum ein anderes Klaviervorspiel kündigt so düster von der schauerlichen Geschichte. Das Kunstlied für hohe Singstimme und Klavier ist definitiv der Platzhirsch unter den Erlkönig-Interpretationen.

Das Kunstlied komponierte Schubert 1815 angeblich an nur einem Tag. Er wollte diese Vertonung Goethe widmen, der sie jedoch unkommentiert zurücksenden ließ. Erst fünf Jahre später wurde Schuberts Erlkönig erfolgreich aufgeführt und ging als Opus 1 in Druck.

Auf der musikalischen Grundlage von Schuberts Erlkönig entstanden einige Bearbeitungen. So komponierte Franz Liszt eine Version für Klavier solo und Heinrich Wilhelm Ernst schrieb eine Fassung für Violine solo.

Die deutsche A-capella-Gruppe Maybebop arrangierte ihre eigene Version, bei der jede der vier Rollen (Erzähler, Vater, Sohn, Erlkönig) jeweils von einem Sänger interpretiert wird. Daneben gibt es weitere Bearbeitungen für Orchester und Chor von verschiedenen Interpreten.

Techno trifft Goethe: Blondee

Goethes Erlkönig inspiriert auch heute noch Musiker. So erschienen 2025 gleich zwei neue musikalische Interpretationen: eine Hardstyle-Variante von Lūcadelic und der Techno Erlkönig mit Blondee.

In Clubs gefeiert, schafft Blondee eine moderne Hommage an Goethe: Mit treibenden Beats, düsteren Synthesizern und verfremdeten Sprachsamples erzählt die Techno-Version die unheimliche Geschichte neu. Der repetitive Bass erinnert an den galoppierenden Rhythmus, der schon Schubert prägte.

Hardstyle-Version von Lūcadelic

Lūcadelic - Erlkönig (Official Lyric Video)

2025 ging Lūcadelic mit seiner Interpretation des Erlkönigs auf YouTube viral. Der Künstler kombiniert elektronische Klangflächen mit orchestralen Elementen, wobei die Musik zwischen minimalistischem Sounddesign und dramatischen Höhepunkten wechselt.

Statt das Gedicht nur zu vertonen, setzt Lūcadelic auf eine Art klangliche „Erzählung“. Die Musik folgt den Emotionen der Figuren und nutzt Geräusche wie galoppierende Schritte, Windrauschen und pulsierende Bässe.

Falkenstein: Erlkönig im Neofolk

Falkenstein - Erlkönig (Official Video)

Der Stoff der Schauerromantik ist wie gemacht für Neo- und Pagan-Folk-Bands, die Natur und alte Sagen besingen. So hat auch die deutsche Gruppe Falkenstein Goethes „Erlkönig“ in eine mittelalterlich geprägte Version verwandelt.

Die ruhigen, fast hypnotischen Melodien kontrastieren mit der düsteren Geschichte des Gedichts und verleihen dem Klassiker eine melancholische und volkstümliche Note. Der „Erlkönig“ wird hier in die Welt der Minnesänger transportiert.

Kinder-Rap mit den Jungen Dichtern und Denkern

Junge Dichter und Denker (JDD) sind ein 2006 gegründetes Musikprojekt, bei dem Jugendliche deutsche Gedichte und Balladen rappen und mit Beats unterlegen.

Das Projekt hat sicher so manchem Schulkind in den frühen 2000er-Jahren beim Auswendiglernen von Gedichten geholfen. Die JDD Version des „Erlkönigs“ bleibt ein Beispiel dafür, wie sich klassische Inhalte modern vermitteln lassen.

Roger Mas – katalanische Version

Roger Mas - El rei dels verns (Erlkönig) (Videoclip Oficial)

Der Erzählstoff des Erlkönigs fasziniert auch Musiker außerhalb Deutschlands. So hat der katalanische Liedermacher und Sänger Roger Mas hat das Goethe-Gedicht ebenfalls vertont.

Begleitet von ruhigen Gitarrenklängen erzählt er die Geschichte auf Katalanisch in einer intimen, reduzierten Form.

Carl Loewe und die Konkurrenz zu Schubert

Erlkönig op.1 Nr.3 - Wer reitet so spät durch Nacht und Wind

Franz Schubert mag die bekannteste klassische Vertonung des „Erlkönigs“ geschaffen haben, doch er war nicht der Einzige. Auch Größen wie Beethoven, Spohr und Carl Loewe setzten Goethes Ballade musikalisch um.

Loewe veröffentlichte seine Vertonung schon 1818 und hatte dabei ein klares Ziel: Auch er wollte wie Schubert Goethes Gunst gewinnen und plante, das Werk bei einem Treffen im Jahr 1820 in Jena persönlich vorzutragen. Doch sein Vorhaben scheiterte, denn in Goethes Unterkunft fehlte ein Klavier.

SWR3 Comedy Wie klingt eigentlich... Goethes Erlkönig in sehr leichter Sprache?

Wie klingt eigentlich Goethes Erlkönig in sehr leichter Sprache? Das Comedy-Kollektiv Luksan Wunder kennt die Antwort...

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Janine Putzek
SWR-Reporterin Janine Putzek.