Der Vater von Aeham Ahmad wollte ihn von Anfang an zum Klassikpianisten ausbilden und schickte ihn in die Musikschule von Damaskus. Zehn Jahre lang studierte Ahmad klassische Musik, vor allem Beethoven und Mozart.
„Ich habe ein Instrument, ich bin Klavierspieler, ich konnte nicht Gitarre spielen“, sagt Ahmad. Er musste sein sperriges Instrument im Krieg mitnehmen, das sei die einzige Möglichkeit gewesen.
Ankunft in Deutschland
2015 floh Aeham Ahmad über die Balkanroute nach Deutschland. Kaum angekommen, erhielt er als erster Preisträger den Beethovenpreis in Bonn für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion.
Bei der Preisverleihung stand Ahmad mit einigen Stars auf der Bühne. „5.000 Kilometer gelaufen und zwei Wochen später spielst du mit Martha Agerich am selben Flügel. Das war ein besonderer Abend“, erinnert sich der Pianist.
Dutzende Auftritte und tausende Kilometer
Heute ist Ahmad selbst ein viel beschäftigter Pianist. Alleine diesen September hat er mehr als ein Dutzend Auftritte. Daneben singt er noch in einem Kirchenchor und hat eine Familie mit drei Kindern.
Er legt innerhalb einer Woche tausende Kilometer zwischen Mailand, Eltville und Freiburg zurück. „Das ist auch nicht einfach, aber ich mache das seit 10 Jahren so.“, findet Ahmad. Schlaf komme dennoch nicht zu kurz.
Aeham Ahmad beim Bardentreffen 2024
Musik für die Hoffnung
Etwa alle zwei Monate reist Aeham Ahmad nach Syrien. Dort unterstützt er den Wiederaufbau einer Musikschule. „Ich denke, es gibt so viele Kinder, die wollen Musik lernen. Das ist meine Lebensaufgabe.“, erklärt er seine Mission.
Sein aktuelles Programm mit seinem Trio in Gaggenau heißt „Musik for Hope“, also Musik für die Hoffnung. Ahmad will mit Musik die Gesellschaft ein Stück zusammenzubringen. In seiner Musik gehe es auch um die Verbindung zwischen Menschen und Freundschaft.
Protest gegen Gaza-Krieg "Trümmer-Pianist" spielt auf Mainzer Gutenbergplatz
Aeham Ahamd wurde weltweit bekannt als "Pianist in den Trümmern". Am Freitagnachmittag gibt er ein Konzert auf dem Mainzer Gutenbergplatz.
Live | 10 Jahre Sommer der Migration
Vor genau zehn Jahren prägte Angela Merkel den Satz „Wir schaffen das!“ – und öffnete damit ein neues Kapitel deutscher Geschichte. Damals kamen innerhalb weniger Monate über eine Million Menschen nach Europa, viele von ihnen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Die Bundesregierung erklärte sich bereit, viele von ihnen aufzunehmen. Eine Entscheidung mit politischer Tragweite – bis heute.
Wie hat sich das Leben dieser Menschen seitdem verändert? Und wie hat sich die Stimmung in Deutschland und Europa gegenüber Geflüchteten entwickelt?
Host Natalie Amiri spricht in dieser besonderen Live-Ausgabe des Weltspiegel-Podcasts in München mit drei Gästen, die den „Sommer der Migration“ 2015 hautnah miterlebt haben:
Die ehemalige Leiterin des ARD-Studios in Wien, Susanne Glass, war vor Ort, als sich viele Geflüchtete über die Balkanroute auf den Weg nach Deutschland machten. Sie erzählt, welche damaligen Begegnungen sie bis heute prägen. Auslandskorrespondentin Anna Tillack aus dem ARD-Studio in Wien beobachtet heute, wie sich die Stimmung gegenüber Geflüchteten in Osteuropa wandelt. Einer dieser Geflüchteten ist Aeham Ahmad. Bekannt wurde er als Pianist in den Trümmern Syriens. Vor zehn Jahren floh er nach Deutschland. Wie blickt er in die Zukunft?
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Moderation: Natalie Amiri
Redaktion: Sarah Heck, Julia Schuster, Nils Kopp
Mitarbeit: Anna Stosch, Caroline Mennerich
Redaktionsschluss: Donnerstag, 14.08.2025
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Alle Folgen des Weltspiegel Podcasts findet ihr hier: https://www.ardaudiothek.de/sendung/weltspiegel-podcast/61593768/
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Podcast-Tipp: “Die Entscheidung” https://1.ard.de/die-entscheidung-danke-merkel-br24