Natürlich, gemütlich, glücklich. Mit ihrer Musik erreichen die Egerländer Musikanten Millionen von Menschen. Ihre Konzerte sind ausverkauft, sie nennen sich selbst das „erfolgreichste Blasorchester der Welt“.
Identität und Eigenbewusstsein bei den Egerländern
Die Egerländer waren sprachlich, kulturell und kulinarisch durch Bayern, Österreich und Böhmen geprägt. Aber es gibt auch eine ganz eigene Identität, sagt Raimund Paleczek, der im Sudetendeutschen Museum für historische Forschung zuständig ist.
Egerland war nämlich Reichspfandschaft. Im Jahr 1322 hat der römisch-deutsche Kaiser Ludwig Geld gebraucht und einen Teil seines Reiches verpfändet. Er hat Eger quasi an den böhmischen König verliehen.
Offiziell war der Landstrich aber immer noch direkt dem Kaiser unterstellt. Bis 1806 existierte das historische Egerland in der Form. „Das hat den Egerländern schon so ein bisschen ein Eigenbewusstsein verliehen“, weiß Paleczek.
Das Egerland gehört als Teil Böhmens zur Habsburgermonarchie Österreich-Ungarn. Während in ganz Europa im 19. Jahrhundert der Nationalismus erstarkt, wachsen in Böhmen die Spannungen zwischen deutsch- und tschechischsprachiger Bevölkerung.
Flucht nach Bayern und Gründung der Egerländer Musikanten
Mit der Vertreibung der Sudetendeutschen aus dem heutigen Tschechien flieht auch der damals 19 jährige Egerländer Ernst Mosch 1945 nach Bayern. Er hatte als Panzergrenadier in der deutschen Wehrmacht gekämpft und Posaune bei der Militärmusik gespielt, später war er an der Front.
Ernst Mosch spielt in Deutschland Jazz, aber auch böhmische Blasmusik mit Landsleuten aus dem Egerland und Kollegen aus dem Südfunk-Tanzorchester. Sie nehmen einige Stücke auf, darunter das Lied „Rauschende Birken“, ein Walzer von Václav Kaucký.
Am 21. April 1956 läuft es im Südfunk Stuttgart. Auf das Mittagskonzert gehen 32.000 Zuschriften beim Südfunk ein. Es ist die Geburtsstunde der Egerländer Musikanten.
Tradition trifft Massentauglichkeit
Ernst Mosch notierte Melodien aus Böhmen aus dem Kopf und kombinierte sie mit neuen Texten. Als der Erfolg wuchs, ließ er sich Noten aus der Tschechoslowakei schicken.
Das originäre Liedgut aus dem Egerland war sehr vielseitig. Aus der Vielfalt hat sich Ernst Mosch wenige Lieder rausgesucht und sich auf massentaugliche Texte konzentriert. Statt in Mundart sang er auf Hochdeutsch, um ein breiteres Publikum zu erreichen.
Eine Ikone der Blasmusik
Fast 30 Gold- und Platinplatten hat Ernst Mosch mit seinen Egerländer Musikanten eingespielt. Im Jahr 1960 bekam er die goldene Schallplatte für die „Rauschenden Birken“: eine Million verkaufte Exemplare, als erste Blaskapelle der Welt.
Das geht nur mit einer riesigen Fangemeinde. Ernst Mosch hat einen Nerv getroffen und wurde für Einige beinahe zum Heiligen.
Zwischen Tradition und Neuausrichtung
Ernst Mosch starb 1999. Für Fans und Kapelle war das eine Katastrophe. Niemand wusste, wie es weitergehen sollte. Schließlich übernahm Ernst Hutter die Leitung der Kapelle unter dem Namen „Die Egerländer Musikanten – das Original“.
Der Zusatz „das Original“ dient bis heute der Abgrenzung von anderen Formationen. Anfangs gab es Skepsis, doch bald wuchs wieder die Begeisterung.
Aber das war harte Arbeit. Ernst Hutter weiß von der Gratwanderung, die Tradition zu bewahren, das Fanpublikum mitzunehmen, aber auch so zu spielen, dass sich die nächste Generation angesprochen fühlt.
Politische Geschichte klingt mit
Wie das Original klingen soll, davon hatten und haben manche Fans der ersten Generation eine feste Vorstellung mit teils fragwürdigen Weltbildern. Der Egerländer Marsch, in der NS-Zeit für Propaganda missbraucht, wird bis heute gespielt, allerdings ohne Text.
Laut Ernst Hutter schwingt die politische Geschichte des Egerlands in der Musik immer mit, wenn auch nie offen ausgesprochen.
Erfolgsgeheimnis der Egerländer Musik
Das Erfolgsgeheimnis der Egerländer Musik liegt vermutlich in ihrer emotionalen Zugänglichkeit. Sie wurde über Jahrzehnte von Vertriebenen und Menschen mit Sehnsucht nach Heimat gepflegt.
Die Klänge bieten eine Projektionsfläche für universelle Gefühle. Das Egerland erscheint als ein idealisierter Ort der Geborgenheit. Die komplexe, teils tragische Geschichte tritt dabei oft in den Hintergrund.