Die Harfenistin Doesjka van der Linden spielt im Hospiz Karl Josef in Freiburg für Menschen, die sich in ihrer letzten Lebensphase befinden. Mit ihrer Musik schenkt sie Trost, Ruhe und manchmal sogar ein Lächeln.
Mindestens einmal pro Woche besucht die 42-jährige Musikerin das Hospiz. In einem der Gästezimmer sitzt sie zwischen den Betten von Silke Sieg und ihrer Mutter. Silke Sieg, Anfang vierzig, lebt seit sieben Wochen im Hospiz.
Sie hat eine unheilbare, lebensverkürzende Krankheit, doch die Harfenmusik gibt ihr Kraft. „Das erste Mal habe ich mir gedacht: Wie kann dieses Instrument den Raum so ausfüllen?“, erzählt sie.
Für sie und ihre Mutter sind diese kleinen Konzerte eine Ruhepause in einer Zeit, die von intensiven Emotionen geprägt ist: Trauer und Leid – aber auch Verbundenheit und Freude.
Die Harfe: Großes Instrument mit großer Wirkung
Welche Wirkung von einer Harfe ausgehen kann, weiß Doesjka van der Linden schon seit ihrer Kindheit. Sie studierte klassische Musik mit Hauptfach Harfe, erst in Rotterdam, später in Freiburg.
Seit über 20 Jahren spielt sie Konzerte, solistisch, im Orchester und Kammermusikensembles. Dazu kommt Unterricht: ein ziemlich klassisches Musikerinnen-Leben.
Harfe in der Sterbebegleitung
Doch sie suchte nach neuen Möglichkeiten, mit ihrem Instrument Menschen zu berühren. „Ich spiele gerne in Räumen, wo Spiritualität im Vordergrund steht: in Kirchen, auf Beerdigungen“, erklärt sie.
Über eine Internetrecherche stößt sie auf das Thema Trauer- und Sterbebegleitung für Musikerinnen und Musiker. Sie nimmt an einer Fortbildung bei der Traunsteiner Harfenistin Uschi Laar teil, die das Institut für Harfen und Musikheilkunde in Bayern gegründet hat.
„Wir haben dort selbst erlebt, wie es ist, wenn man im Liegen Musik hört.“, sagt Doesjka. Gerade für schwerkranke Menschen, die nicht mehr viele Reize verarbeiten können, sei es wichtig, dass die Musik einfühlsam und angepasst ist.
Einfühlsamkeit und Improvisation als Schlüssel
Nach dieser Erfahrung nimmt Doesjka Kontakt mit dem Hospiz Karl Josef in Freiburg auf. Sie stellt sich als Harfenistin vor, die gerne an Kranken- und Sterbebetten spielen möchte.
Schwester Miriana, die das Hospiz leitet, schätzt Doesjkas Besuche sehr. „Es ist eine große Bereicherung für die Gäste, aber auch für das ganze Haus. Wenn Doesjka spielt, ist die Stimmung im ganzen Haus zu spüren“, sagt sie.
Bevor Doesjka bei den Gästen spielt, spricht sie mit dem Pflegepersonal über deren Zustand. Vieles ist unvorhersehbar.
Ihre Arbeit erfordert viel Improvisationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen. „Für mich ist es wahnsinnig schön, wenn ich Zeit habe, zu schauen: Wie fühlt es sich hier an? Wer braucht vielleicht Hilfe durch meine Musik?“
Musik als Trostspenderin
Die Arbeit im Hospiz geht manchmal auch unter die Haut. Der Verlust von Gästen, mit denen Doesjka eine Verbindung aufgebaut hat, kann sie emotional mitnehmen.
Doch trotz dieser Herausforderungen empfindet sie ihre Tätigkeit als Bereicherung. „Ich mag es sehr gerne, auf einzelne Menschen einzugehen und eine Atmosphäre zu schaffen, die ihnen hilft“, sagt sie.
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