Der zweite Satz aus der „Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur“ von Johann Sebastian Bach, auch bekannt als „Air“, entstand um etwa 1720. Das etwa 300 Jahre alte Stück scheint in allen möglichen Pop-Genres als Sample beliebt zu sein.
„Everything’s gonna be alright“ von „Sweetbox“ aus dem Jahr 1997 ist eine Mischung aus R&B, Soft-Hiphop und Popballade. Hier ist die Bach-Vorlage ganz eindeutig erkennbar. Es wurde nicht auf eine bestehende Orchesteraufnahme zurückgegriffen, sondern das Deutsche Filmorchester Babelsberg hat Bachs „Air“ nochmal extra für den Song eingespielt.
Auch Basslinie wird im Pop aufgegriffen
Das „Air“ ist vor allem wegen seiner charakteristischen Melodie bekannt. Aber im Song „A Whiter Shade of Pale” von Procol Harum fällt die Parallele zum stufenweise absteigende Bass auf. Und auf die Frage: „War das Zufall oder Absicht?“, hat der Sänger der Band eine eindeutige Antwort geliefert: Er sagte, es sei Absicht gewesen. Zwar wollte er Bach nicht direkt zitieren, aber die Musik des großen Barockkomponisten sei „einfach in ihm“ gewesen.
Ob das nicht eher nachträgliches Storytelling ist, um eine gute Geschichte zu verkaufen kann man die Band nicht mehr fragen.
Bach im K-Pop
Bachs „Air“ ist auch bis in die unmittelbare Gegenwart beliebt. Zum Beispiel im K-Pop, also im koreanischen Pop.
„Feel my rhythm“ von 2022 ist ein Song der Girlband „Red Velvet“ – eine Horde leicht bekleideter Mädchen in Fruchtquark-Farben, die sich im Musikvideo in einer Mischung aus SciFi-Prinzessinenschloss, Blumenparadies und Luxushotel aufhalten und von Champagner, Party und „sweet emotions“ singen.
Weshalb Johann Sebastian Bachs Musik in eine solche Umgebung verpflanzt wurde, wissen wird nicht. Aber es wird klar: Die Popwelt – auch auf der anderen Seite des Globus – liebt diesen Komponisten.