Was bleibt vom Mega-Event in London und Philadelphia?

Legendäres Live-Aid-Konzert – 40 Jahre Promi-Humanitarismus

Vor 40 Jahren fand das legendäre „Live Aid“-Konzert statt, bei dem Star-Musiker Spenden gegen die Hungersnot in Äthiopien sammelten. Allein die Promi-Dichte sorgte für eine riesige mediale Aufmerksamkeit. Welche Bedeutung hat das Event heute noch und was steckt hinter der Kritik daran?

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Von Autor/in Ines Kunze

Bryan Adams, die Beach Boys, David Bowie, Bob Dylan, Mick Jagger, Elton John, Madonna, Tina Turner, The Who und mehr: Die Liste der Stars, die vor 40 Jahren bei dem Mega-Event parallel in London und Philadelphia auftraten, ist lang und prominent. Über 1,5 Milliarden Menschen weltweit verfolgten das Spektakel live im Fernsehen oder Radio.

Freddy Mercury in London beim Live Aid-Konzert 1985
Sein Auftritt beim Live Aid-Konzert ist legendär: Queen-Frontmann Eddie Mercury 1985 in London imagn images

Besonders der Auftritt der Band Queen, bei dem Freddie Mercury es mit seiner gewaltigen Stimme schaffte, Schallwellen über dem Publikum sichtbar zu machen, blieb vielen als legendär in Erinnerung.

Die Konzerte spielten rund 150 Millionen Dollar Spenden ein

Wie schon bei seinem Vorläufer-Projekt „Band Aid“ sollte das Mega-Event Geld für den guten Zweck sammeln, konkret für die damals akute Hungerkrise in Äthiopien. Das funktionierte: Fachleute schätzen, dass die Konzerte insgesamt rund 150 Millionen Dollar Spenden einspielten.

Freddie Mercury singt Bohemian Rhapsody bei Live Aid 1985:

Queen - Bohemian Rhapsody (Live Aid 1985)

Das wohl größte Rock-Konzert der Geschichte

Das Live Aid-Konzert war zu diesem Zeitpunkt das wohl größte Rock-Konzert der Geschichte. Es sollte allerdings nicht das letzte seiner Art bleiben: 1989 und 2004 wurde gab es Wiederauflagen des Events, die jeweils allerdings in Größe und Popularität nicht an das Original herankamen.

Bild von Live Aid 1985
Bis an den Rand gefüllt: Das Live Aid-Konzert im JFK-Stadium in Philadelphia. ZUMA Press Wire

So viel Aufmerksamkeit für Hunger oder HIV wie noch nie

Entwicklungspolitik-Forscherin Dr. Stefanie Marung sieht in dem Konzert ein Ereignis mit nachhaltiger Bedeutung. Noch nie sei vorher so viel transnationale Aufmerksamkeit auf Themen wie Hungerbekämpfung oder HIV gelenkt worden. Das habe eine Tradition des „Promi-Humanitarismus“ etabliert, wie er heute etwa noch in Form von Emma Watson oder Angelina Jolie als UN-Sonderbeauftragte existiert.

Sade bei Live Aid 1985
Sade in London: Sie war eine der wenigen schwarzen Künstlerinnen, die eingeladen wurde. avalon

Schon damals gab es Kritik an der vermeintlichen Selbstlosigkeit der Stars. Zum einen gab es Gerüchte über gezahlte Aufwandsentschädigungen, zum anderen vermuteten Kritiker hinter den Auftritten für die Musiker vor allem eine Gelegenheit zur Selbstinszenierung. Man dürfe auch nicht vergessen, so Dr. Marung.

„Ich glaube, man kann den Künstlern selber nur zum Teil einen Vorwurf machen“

Kritk an Organisator Bob Geldof

Lediglich dem Organisator des Events, Bob Geldof, könne man vorwerfen, sich nicht ausreichend mit der Lage beschäftigt zu haben. Er hatte etwa mehrfach das Angebot von NGOs ausgeschlagen, über einen sinnvollen Einsatz der Spenden zu beraten. Außerdem wurde er mehrfach für die Tatsache kritisiert, nur wenige schwarze Künstlerinnen und Künstler eingeladen zu haben.

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Proteste gegen Klischeebild vom hungernden Kontinent

Auch wenn es gezielt um die Hungerkrise in Äthiopien ging, wurde damals wie heute oft pauschal von „Hilfe für Afrika“ gesprochen – gegen diese Klischee-Darstellung des „hungernden Kontinents“ gibt es wachsenden Protest. Äthiopien versucht seit Jahren, diesen Ruf loszuwerden, zumal er auch nur noch bedingt der Realität entspricht, so ist das Land eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Afrikas.

Was also bedeutet das für die Wohltätigkeits-Veranstaltungen der Zukunft? Dr. Marung glaubt nicht, dass es eine bessere Form von „Live Aid“ bräuchte. Viel mehr sei ein Zusammenspiel gefordert: Von medialer Aufmerksamkeit auf die Komplexität der Themen und Akteure, die dafür sinnvolle Ansätze finden.

Zeitwort 3.12.1984: Bob Geldof und Band Aid singen ein Weihnachtslied

Äthiopien wurde immer wieder von schweren Hungersnöten heimgesucht. Auch Mitte der 80er Jahre gab es dort eine Hungersnot, von der viele Millionen Menschen betroffen waren. Den Musiker Bob Geldof animierte das zu einer fast spontanen musikalischen Hilfsaktion.

SWR2 Zeitwort SWR2

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Doris Maull
Doris Maull
Interview mit
Steffi Marung
Autor/in
Ines Kunze
Team SWR Kultur: Autorin InesKunze