Bryan Adams, die Beach Boys, David Bowie, Bob Dylan, Mick Jagger, Elton John, Madonna, Tina Turner, The Who und mehr: Die Liste der Stars, die vor 40 Jahren bei dem Mega-Event parallel in London und Philadelphia auftraten, ist lang und prominent. Über 1,5 Milliarden Menschen weltweit verfolgten das Spektakel live im Fernsehen oder Radio.
Besonders der Auftritt der Band Queen, bei dem Freddie Mercury es mit seiner gewaltigen Stimme schaffte, Schallwellen über dem Publikum sichtbar zu machen, blieb vielen als legendär in Erinnerung.
Die Konzerte spielten rund 150 Millionen Dollar Spenden ein
Wie schon bei seinem Vorläufer-Projekt „Band Aid“ sollte das Mega-Event Geld für den guten Zweck sammeln, konkret für die damals akute Hungerkrise in Äthiopien. Das funktionierte: Fachleute schätzen, dass die Konzerte insgesamt rund 150 Millionen Dollar Spenden einspielten.
Freddie Mercury singt Bohemian Rhapsody bei Live Aid 1985:
Das wohl größte Rock-Konzert der Geschichte
Das Live Aid-Konzert war zu diesem Zeitpunkt das wohl größte Rock-Konzert der Geschichte. Es sollte allerdings nicht das letzte seiner Art bleiben: 1989 und 2004 wurde gab es Wiederauflagen des Events, die jeweils allerdings in Größe und Popularität nicht an das Original herankamen.
So viel Aufmerksamkeit für Hunger oder HIV wie noch nie
Entwicklungspolitik-Forscherin Dr. Stefanie Marung sieht in dem Konzert ein Ereignis mit nachhaltiger Bedeutung. Noch nie sei vorher so viel transnationale Aufmerksamkeit auf Themen wie Hungerbekämpfung oder HIV gelenkt worden. Das habe eine Tradition des „Promi-Humanitarismus“ etabliert, wie er heute etwa noch in Form von Emma Watson oder Angelina Jolie als UN-Sonderbeauftragte existiert.
Schon damals gab es Kritik an der vermeintlichen Selbstlosigkeit der Stars. Zum einen gab es Gerüchte über gezahlte Aufwandsentschädigungen, zum anderen vermuteten Kritiker hinter den Auftritten für die Musiker vor allem eine Gelegenheit zur Selbstinszenierung. Man dürfe auch nicht vergessen, so Dr. Marung.
„Ich glaube, man kann den Künstlern selber nur zum Teil einen Vorwurf machen“
Kritk an Organisator Bob Geldof
Lediglich dem Organisator des Events, Bob Geldof, könne man vorwerfen, sich nicht ausreichend mit der Lage beschäftigt zu haben. Er hatte etwa mehrfach das Angebot von NGOs ausgeschlagen, über einen sinnvollen Einsatz der Spenden zu beraten. Außerdem wurde er mehrfach für die Tatsache kritisiert, nur wenige schwarze Künstlerinnen und Künstler eingeladen zu haben.
Weihnachts-Hit oder Problemfall? 40 Jahre Band Aid: Warum sich Künstler von „Do They Know It's Christmas“ distanzieren
Bob Geldofs Band-Aid-Projekt feiert Jubiläum, aber dieses Jahr singen keine Stars „Do They Know It's Christmas“ neu ein. Über einen Hit, der schon immer problematisch war.
Proteste gegen Klischeebild vom hungernden Kontinent
Auch wenn es gezielt um die Hungerkrise in Äthiopien ging, wurde damals wie heute oft pauschal von „Hilfe für Afrika“ gesprochen – gegen diese Klischee-Darstellung des „hungernden Kontinents“ gibt es wachsenden Protest. Äthiopien versucht seit Jahren, diesen Ruf loszuwerden, zumal er auch nur noch bedingt der Realität entspricht, so ist das Land eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Afrikas.
Was also bedeutet das für die Wohltätigkeits-Veranstaltungen der Zukunft? Dr. Marung glaubt nicht, dass es eine bessere Form von „Live Aid“ bräuchte. Viel mehr sei ein Zusammenspiel gefordert: Von medialer Aufmerksamkeit auf die Komplexität der Themen und Akteure, die dafür sinnvolle Ansätze finden.
Zeitwort 3.12.1984: Bob Geldof und Band Aid singen ein Weihnachtslied
Äthiopien wurde immer wieder von schweren Hungersnöten heimgesucht. Auch Mitte der 80er Jahre gab es dort eine Hungersnot, von der viele Millionen Menschen betroffen waren. Den Musiker Bob Geldof animierte das zu einer fast spontanen musikalischen Hilfsaktion.