Job langweilig, Beziehung zerbrochen
Für Jessica kommt das Angebot, von New York nach London zu ziehen, zum richtigen Zeitpunkt: Die Beziehung zu ihrer großen Liebe Zev ist gerade zerbrochen und ihr Job als Producerin bei einer Filmfirma macht sie auch nicht gerade glücklich. In England angekommen hat sie erstmal so manchen kulturellen Unterschied zu verarbeiten.
Die gleiche Sprache zu sprechen, bedeutet nicht unbedingt, gleich alles zu verstehen. Zum Beispiel die Frage, ob es sich be einem Jaffa Cake um einen Keks oder eine Kuchen handelt. Und warum ein Bär namens Paddington erwachsene Männer zum Weinen bringt.
Jessica träumt von der Hauptrolle bei Jane Austen
Dabei bringt Jessica schon viele Dinge für eine Klischee-Engländerin mit: ihren fellfreien Schoßhund mit Namen Astrid zum Beispiel, ihre Vorliebe für exaltierte Kleidung und am liebsten sähe sie sich eigentlich als Heldin in einer Jane-Austen- oder Charlotte-Brontë-Verfilmung.
Ihren „Mr Darcy“, Mr Perfect oder vielleicht auch „Mr nächstes Desaster“ findet sie gleich am ersten Abend in einer Bar bzw. einem Pub: den Punkmusiker Felix. Und was folgt, ist der Versuch, eine Beziehungsgeschichte für Millennials als romantische Komödie zu erzählen, ohne peinlich oder rückständig zu wirken. Was ziemlich gut funktioniert.
Gelungene RomCom für Millennials
Im Genre der RomComs finden sich viele bemitleidenswert eindimensionale und überraschungsarme Geschichten. Was Lena Dunham daraus macht, ist das Gegenteil davon.
Sie verweist ironisch auf Vorbilder wie „Notting Hill“, „Tatsächlich Liebe“ oder „Schlaflos in Seattle“ und bürstet sie gegen den Strich mit schnellen, kantigen Dialogen, die sich nicht mit sanftem Geplänkel abgeben. Und die hinter einer schrillen, neurotischen oder auch einfach nervigen Oberfläche eine tiefe Unsicherheit, Verletzlichkeit und Suche nach Anerkennung verraten.
Megan Stalter ist als Jessica umwerfend, in einer Rolle, die das Thema Body Positivity schon lange hinter sich gelassen zu haben scheint, die sich vielleicht auf der Suche nach „Red Flags“ bei ihrem Gegenüber etwas zu sehr im Weg steht. Die am Ende aber auch mit diesem „zu sehr“ ziemlich gut leben kann.
Serie für eine Generation, für die in Liebesdingen Vieles möglich ist
Lena Dunham hat mit der Serie auch ein Stück ihrer eigenen Biografie verarbeitet, insbesondere den Umzug nach London und die glückliche Beziehung zu einem Musiker. 13 Jahre nach „Girls“ ist ihr mit „Too much“ gleichzeitig eine Feel good- und eine Feel different-Serie gelungen, für eine Generation zwischen Polyamorie und Monogamie, zwischen Straight und LGBTQ+ mit Sternchen. Für die also in Liebesdingen Vieles möglich ist. Sogar ein Happy End.
Trailer „Too Much“, ab 10.7. auf Netflix
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