Porträt

Mit Verspieltheit: Die Fado-Sängerin Cristina Branco auf Tour im Südwesten

Eigentlich sei sie keine reine Fadista, sagt Cristina Branco, sondern eine Sängerin, die auch Fado singt. Ihre Musik hat eine gewisse Leichtigkeit und Verspieltheit und entgeht der „Saudade“, der Sehnsucht, die das Genre prägt. Am 25. Januar gastiert die Sängerin in Karlsruhe, am 27. Januar in Freiburg.

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Von Autor/in Marlene Küster

Identität und Freiheit

Die 1972 in der portugiesischen Kleinstadt Almeirim geborene Sängerin Cristina Branco fügt dem ursprünglichen Fado Elemente wie Jazz, Bossa Nova, Blues, Jazz und Rock hinzu.

Sie kreiert einen neuen Fado, indem sie sich für Improvisation und Jazz-Einflüsse öffnet. Ihre Stimme steht im Mittelpunkt und ihre tiefgründigen Texte gehen über die des traditionellen Fado hinaus und beschäftigen sich etwa mit Identität und Freiheit.  

Fado ist essenziell in meinem Leben. Er ist meine Basis, meine Identität und mein Zentrum, von dem aus ich mich in verschiedene Musikrichtungen bewege. Mein Fado ist einzigartig, in der Tradition verwurzelt, aber gleichzeitig geht er weit darüber hinaus und hat einen unverwechselbaren Sound.     

Fado nach 17 Alben

In den Armutsvierteln von Lissabon ist der ursprüngliche Fado entstanden. Es geht in den melancholischen, atmosphärisch dichten Gesängen des Fado um unerfüllte Sehnsüchte, verlorenes Liebesglück und soziale Ungerechtigkeit. Auf ihrem aktuellen Album „Mãe“ taucht Branco zum ersten Mal nach 17 Alben in diesen traditionellen Fado ein. Das Album ist sozusagen eine Rückkehr zu den Wurzeln.

Sie sei keine Sängerin des Mainstreams, erklärt sie. Ihre Geschichte zu erzählen stehe im Vordergrund.

Karrierestart mit 18 Jahren

Als Teenager interessiert sich Branco zunächst für Sängerinnen wie Billie Holiday, Ella FitzgeraldSarah Vaughan, Janis Joplin und Joni Mitchell, die sie prägen und deren Einflüsse auch in ihre Musik miteinfließen. Ein einschneidendes und nachhaltiges Erlebnis hat sie dann mit 18 Jahren, als sie eine Schallplatte der portugiesischen Fado-Diva Amália Rodrigues geschenkt bekommt. 

Die Stimme von Rodrigues motiviert Branco selbst zu singen. Wie ihre Kolleginnen Misia und Mariza, die in Portugal ebenfalls zu den prägenden Stimmen eines neuen Fado zählen, holt Branco im Laufe ihrer Karriere den Fado in die Gegenwart, indem sie mit zeitgenössischen Texten arbeitet und Instrumente wie Akkordeon, Violine und Klavier in ihren Klangkosmos einführt, ohne die Verbindung zum ursprünglichen Fado aufzugeben.

Sie besticht mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, Originalität und ihrem Respekt vor der Tradition und erreicht in ihren Interpretationen eine emotionale Tiefe. In ihrer über zwei Jahrzehnte währenden Karriere hat sie erfolgreiche Werke veröffentlicht und gibt regelmäßig Konzerte. 

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Autor/in
Marlene Küster
Künstler/in
Christina Branco