Musikalische Inszenierung in Mailand und Cortina

Wie klingt Olympia?

Die Olympischen Winterspiele 2026 starten in Italien. Zu sehen gibt es viel, doch was wird den Ohren geboten? So klingen die Olympischen Spiele abseits der Nationalhymnen.

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Stand

Die Vielfältigkeit der Spiele in der Musik

Am 6. Februar starten die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina. Das Auge bekommt einiges geboten: rasante Abfahrten beim Skialpin, steile Kurven beim Bob und schwindelerregende Höhen beim Skispringen.

Das sportliche Programm wird dabei jeher von Musik begleitet. Die Spiele wurden bei der IOC-Sitzung in der Mailänder Scala bereits musikalisch eröffnet: Deren Musikdirektor Riccardo Chailly dirigierte die Ouvertüre zur Oper „Die diebische Elster“ von Rossini.

Mit großen Erwartungen wird nun also auf die Eröffnung geblickt. Denn die Zeremonien sind Bühne für unvergessliche oder sogar kontroverse Auftritte. Was wird den Ohren bei den Olympischen Spiele dieses Jahr geboten? Und wie klingt Olympia jenseits von Nationalhymnen?

Eröffnungsfeiern als musikalische Bühne

Ein Highlight der Olympischen Spiele ist die Eröffnungsfeier. Dieses Jahr findet sie – zum ersten Mal in der Geschichte der Winterspiele seit 1924 – an zwei Orten parallel statt: In Mailand und Cortina. Das bedeutet, es gibt auch zwei Feuerschalen.

Diese Besonderheit soll auch in der Musik verdeutlicht werden. Dario Faini, bekannt als Dardust, hat die Musik für die diesjährige Eröffnung und damit die offizielle olympische Hymne 2026 komponiert. Er betitelt die Komposition mit „Fantasia Italiana“. Darin versucht er, die Kontraste zwischen dem urbanen Mailand und dem alpinen Cortina darzustellen.

Die fünf Töne, die das Hauptmotiv bilden, repräsentieren dabei die fünf olympischen Ringe und damit die fünf Erdteile. Die unterschiedlichen Stile stehen für die vielfältigen Sportarten, die bei den Olympischen Spielen repräsentiert sind.

Auch bei der Instrumentenwahl setzt Dardust auf Kontraste, indem er klassisches Piano mit Synthesizersound mischt – und damit die stetige Aushandlung von Olympia zwischen Tradition und Innovation, klassischen und neuen Sportarten wiederspiegelt. Dieses Jahr wird beispielsweise Skibergsteigen zum ersten Mal als Disziplin ausgetragen.

Der italienische Musiker Dario Faini, bekannt als Dardust, am Klavier, 2025
Der italienische Musiker Dario Faini, besser bekannt als Dardust, komponierte die Eröffnungsmusik für die Winterspiele 2026.

Kontroverse bei den Sommerspielen

Dass solche musikalischen Performances auch Kontroversen auslösen können, zeigten zuletzt die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Der Auftritt der französischen Drag Queen Nicky Doll, die mit Teilnehmern von „Drag Race France“ ihren Song „I Had a Dream“ zum Besten gab, empfanden die französische Bischofskonferenz und der Vatikan als respektlos.

Die Kritik richtete sich dabei weniger an die Musik an sich, als an die Inszenierung: Die katholischen Ämter sahen darin Leonardo da Vincis in Mailand beheimatetes Fresko „Das letzte Abendmahl“ verunglimpft; der künstlerische Leiter Thomas Jolly erklärte, er habe Jan van Bijlerts „Festin des Dieux“ im Kopf gehabt.

Drag Queens stellen ein Gemälde bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris nach
Der Vatikan war von der Eröffnungsshow der Pariser Olympischen Spiele 2024 nicht begeistert.

Bei den diesjährigen Spielen scheint man auf Nummer sicherzugehen: Mit Mariah Carey wird eine etablierte Popsängerin auftreten. Und die klassische Musik wird mit einem Auftritt von Andrea Bocelli durch einen prominenten Sänger vertreten. Er war unter anderem auch schon bei den Olympischen Winterspiele 2006 in Turin aufgetreten.

Opernstars und Sinfoniker bei den Winterspielen

Opernstars sind bei den Winterspielen allgemein gern gesehen. So standen bereits Luciano Pavarotti, Renée Fleming, Sumi Jo oder Kiri Te Kanawa bei Eröffnungs- und Abschlusszeremonien auf der Bühne. Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gab die russisch-österreichische Opernsängerin Anna Netrebko auf der Bühne die olympische Hymne zum Besten.

Anna Netrebko und Chor beim Singen bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2014
Ein Aushängeschild der russischen Kultur: Anna Netrebko war bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi einer der musikalischen Protagonistinnen.

Doch nicht nur die Opernszene wird bei den Olympischen Spielen gefeiert, auch die Sinfoniker haben für eindringliche Olympiamusik gesorgt. Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 in London dirigierte Sir Simon Rattle das London Symphony Orchestra. Gespielt wurde Vangelis' „Chariots of Fire“.

Für eine humoristische Einlage sorgte damals der britische Comedian und Mr.-Bean-Darsteller Rowan Atkinson am Keyboard, als er für das Orchester monoton die gleiche Note spielte. Der Auftritt gilt heute als legendär in der musikalischen Olympia-Geschichte.

Mr. Bean Live Performance at the London 2012 Olympic Games

Eiskunstlauf ohne Musik?

Dieses Jahr sorgte übrigens vorab der Spiele eine musikalische Untermalung für Aufsehen, beziehungsweise: eine fehlende musikalische Untermalung. Denn Musik ist bei Olympia selbstverständlich nicht nur Teil der Zeremonien, sondern integraler Teil spezieller Disziplinen, wie dem Eiskunstlauf.

Dem spanischen Eiskunstläufer Tomàs-Llorenç Guarino Sabaté drohte jedoch, die Musik abgeschaltet zu werden. Für seine Kür wird er in einer Kleiderkombination auftreten, die von den Minions-Comicfiguren inspiriert ist. Dazu soll die passende Musik „Papaya (Vaya Papayas)“ aus dem Universal-Pictures-Film laufen.

Tomas-Llorenc Guarino Sabate beim Eiskunstlaufen
Blaue Latzhose, gelber Körper und dicke Brillengläser: So kennt man die Minions. Tomàs-Llorenç Guarino Sabaté nutzt die beliebten Figuren als Inspiration für seinen Eiskunstlauf.

Das Studio untersagte kurz vor Olympia die Nutzung der Musik – hat das Verbot aber mittlerweile wieder aufgehoben.

Eiskunstlauf ohne Musik? So undenkbar wie die Olympischen Spiele ohne musikalische Begleitung durch Tenöre, Sopranistinnen, Komponisten und Popsängerinnen.