In einem Übungsraum in der ehemaligen Feuerwache bringt Hip-Hopper Danny Fresh einer Gruppe von Elfjährigen das Rappen bei. Der Sprechgesang ist zentraler Bestandteil der Hiphop-Kultur:
„Ihr habt gemerkt: Der Text war immer der Gleiche. Vier Silben nur. War jetzt der kürzeste Rap, den man sich vorstellen kann. Aber das waren die Silben, die in einem Takt verteilt waren, ganz am Anfang sehr, sehr langweilig. Wenn ich so Rappen würde, wären alle nach 10 Sekunden eingeschlafen.“
Wie verbinde ich Texte mit Musik?
Wie verteile ich die Silben in einem Beat und wie verbinde ich Texte mit Musik so, dass keiner einschläft? All das lernen die Kids bei den ersten Heidelberger HipHop Kulturtagen.
Danny Fresh will vor allem Kinder und Jugendliche für die Musik begeistern und für Sprache sensibilisieren. Rap verbinden viele mit derber und vulgärer Ausdrucksweise.
„Sozialpädagogen-Rap“ nicht erwünscht
Da ist viel die Rede von Drogen und krasser Gewalt, Frauen werden auch mal als „Bitches“ bezeichnet. Der 48-jährige Musiker will aber keinen „Sozialpädagogen-Rap“, sondern einen bewussten Umgang mit Sprache:
Warum immer das Wort „Hurensohn“
„Nehmen wir mal das allseits beliebte Wort „Hurensohn“, erklärt Danny Fresh: Es sollte nur benutzt werden, wenn man das begründen kann. Nicht, weil man denkt, als Rapper einen Freifahrtschein dafür zu haben und dem Deutschlehrer damit „eins rein drücken zu können. „Wenn aber wirklich inhaltlich auch harte Sprache Sinn macht, darf das da schon drin sein.“
Workshops auch in Justizvollzugsanstalten
Der Rap-Coach ist nicht nur an Schulen unterwegs. Immer wieder hat der gebürtige Schwabe aus Ostfilder auch Projekte in Justizvollzugsanstalten, und auch da trifft er auf immer ähnliche Sprach-Klischees.
Im Gefängnis würden die Jungs immer übers Drogendealen und Gewalt reden. „Und ich sage immer: Leute, wenn sich der Song hier in Berlin genauso anhört wie der letzte in München und [ … ], dann machen wir keine Kunst, dann machen wir Copy.“
Eigene Geschichten erzählen
Danny Fresh will Stories hören, an die er sich noch in drei Jahren noch erinnern kann: „ So kriegt man die Leute dann auch meistens dazu, nicht nur diese Sprache zu bedienen, sondern wirklich eigene Geschichten zu erzählen.“
Künstlerisch notwendige Rauheit
Grundsätzlich findet Danny Fresh es aber gut, dass der Rap sprachlich nicht so weichgespült ist. In Zeiten achtsamer Sprache ist Rap für ihn noch ein Refugium künstlerisch notwendiger Rauheit.
Musik war selten so angepasst wie heute
„Wenn du nicht mit genügend Humor durchgehst, dann hast du ja nur ein Scheißleben, anders kann ich’s nicht sagen, und ich glaub die Rapper setzen sich da in einer guten Art und Weise drüber hinweg und so zu reden. [ … ] Musik war selten so angepasst wie heute, es ist eigentlich traurig, weil Punk war nicht angepasst. Die Sechziger, die die Siebziger war nicht angepasst. Wenn Musik so angepasst wird, dann wird’s nicht mehr schön.“
Danny Fresh führt keine Verbotsliste, wenn er mit Schülern zu tun hat. Er bittet die Jugendlichen einfach : „Texte so, dass du den Song auch deinen Eltern vorrappen könntest“.
Dann ist meistens schnell Schluss mit Drogen und Gewalt.
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