Kommentar

Deutscher Buchpreis 2025 an Dorothee Elmiger - Überzeugende Entscheidung

Der mit 25.000 Euro dotierte Deutsche Buchpreis geht an die 1985 geborene Schweizer Schriftstellerin Dorothee Elmiger und ihren Roman „Die Holländerinnen“. Es ist die Entscheidung für eine literarische Kunst, die dunklen Ecken des Lebens zu erkunden und den Konjunktiv zu feiern.

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Von Autor/in Carsten Otte

Das ist der Roman des Jahres 2025 Deutscher Buchpreis 2025 für Dorothee Elmiger: „Die Holländerinnen"

Der Deutsche Buchpreis 2025 geht an Dorothee Elmiger für den Roman „Die Holländerinnen". Zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse 2025 wurde aus 229 Romanen gewählt. Eine überzeugende Entscheidung.

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Harmloser, fast spröder Anfang

Der Roman beginnt nahezu harmlos, fast ein wenig spröde. Eine arrivierte Schriftstellerin soll eine Poetikvorlesung halten, aber anstatt die bislang veröffentlichten Werke zu analysieren oder sie im Lichte der eigenen Biografie zu interpretieren (wie es bei solchen Gelegenheiten üblich ist), beginnt die Autorin, von einer unheimlichen Reise zu berichten.

Ein bekannter, aber nicht weiter benannter Theatermacher habe die Erzählerin zu einem Projekt im mittelamerikanischen Dschungel eingeladen. Die Theatergruppe wolle sich auf die Spuren von zwei holländischen Touristinnen begeben, die im Jahr 2014 auf einer Wanderung durchs grüne Dickicht in Panama verschwunden und nie wieder aufgetaucht seien.

Ein historischer Fall als Aufhänger

Dorothee Elmigers Roman greift damit einen historisch verbrieften Fall auf, allerdings nicht um eine True-Crime-Story zu erzählen, sondern um den physischen Horror in Sprache zu übersetzen und damit auch die Grenzen des Erzählbaren auszuloten.

Durchaus passend, dass der gesamte Text in indirekter Rede gehalten ist. Das Grauen kommt hier im Konjunktiv I daher, der immer auch eine nicht nur sprachliche Differenz zum schwer fassbaren Geschehen aufzeigt. So erkennt die Ich-Erzählerin, als sie im Wald herumirrt, dass diese Geschichte keine Pointe und auch kein klares Ende haben könne.

Zahlreiche Verweise aus der Literaturgeschichte

Elmigers Prosa ist von literarischen Anspielungen und Querverweisen durchzogen; man denke an Werner Herzogs „Fitzcarraldo“ oder Joseph Conrads „Heart of Darkness“. Es handelt sich bei den „Holländerinnen“ durchaus um ein intellektuelles Kopfkino. Doch das virtuose Collagieren wird hier nicht zum Selbstzweck. Elmiger gelingt es, die Gewaltgeschichten der Vergangenheit ins Verhältnis zu einer nicht minder bedrohlichen, literarisch-psychischen Gegenwart zu setzen.

Gelassene Stimmung bei der Preisvergabe

Elmigers Roman mit dem Deutschen Buchpreis auszuzeichnen, ist eine durchweg überzeugende Entscheidung. Selten wirkte die Stimmung bei der Preisverleihung im Frankfurter Römer auch so gelassen. Nach den Debatten im vergangenen Jahr schienen alle Beteiligten eine möglichst harmonische Veranstaltung absolvieren zu wollen.

Die reflektierte und gleichsam sympathische Dankesrede der Schweizer Autorin passte in die harmonische Buchpreis-Szenerie, die sich vom Vorjahr deutlich unterschied.

Eine nahezu „klassische“ Buchpreis-Saison

Im Rückblick auf die Long- und Shortlist ergibt sich eine nahezu „klassische“ Buchpreis-Saison: Die Jury hat eigene Akzente gesetzt und auf Prosawerke hingewiesen, die ohne eine Nominierung vermutlich nicht im kulturmedialen Rampenlicht gestanden hätten.

Die Kehrseite dieser oft als „mutig“ titulierten Entscheidungen liegt ebenfalls auf der Hand: Herausragende Bücher wie Anja Kampmanns sprachkünstlerischer, historisch versierter und hochaktueller Kiez-Roman „Die Wut ist ein heller Stern“ oder Katerina Poladjans gewitzt-melancholischer Familien- und Epochenroman „Goldstrand“ haben es nicht einmal in die erste Runde geschafft.

Prominente Namen fehlen oft

Das ist und bleibt, wenn man sich die literarische Qualität der dann nominierten Bücher anschaut, ziemlich rätselhaft, gehört aber zu die Usancen des Wettbewerbs, in dem prominente Namen ohnehin oft fehlen.

Nicht wenige Schriftstellerinnen und Schriftsteller möchten sich nämlich am Deutschen Buchpreis grundsätzlich nicht beteiligen, weil sie sich dem Prozedere nicht aussetzen wollen oder weil sie es schlichtweg nicht nötig haben.

Das muss Dorothee Elmiger aber nicht interessieren, denn sie wird sich nicht nur über den Buchpreis freuen können, sondern auch über eine Jury-Entscheidung, die im Feuilleton garantiert einhellig begrüßt wird.

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Sechs Romane sind nominiert Das ist die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025

Die Finalistinnen und Finalisten für den Deutschen Buchpreises stehen fest: Dorothee Elmiger, Kaleb Erdmann, Jehona Kicaj, Thomas Melle, Fiona Sironic und Christine Wunnicke.

20 Romane auf der Longlist Auffallend sind die Leerstellen: Diese Titel sind nominiert für den Deutschen Buchpreis 2025

Die Jury des Deutschen Buchpreises wählte diese 20 Romane auf die Longlist. Unter anderem dabei sind neue Bücher von Nava Ebrahimi, Dmitrij Kapitelman und Christine Wunnicke.

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