Was für ein Portfolio: Curt Cress spielte bei über 12.000 Titeln mit, vor allem in den 80er-Jahren, darunter Songs für Meat Loaf, Alphaville, Falco oder Rick Springfield. Auch für Filme und Fernsehen arrangierte er die passende musikalische Untermalung, darunter "Das Boot", "Die unendliche Geschichte" und "Wetten, dass..?".
In diesem Jahr reist er mit seiner Veranstaltung "Drum Talk" durch kleinere Clubs und Säle und gibt Geschichten aus seinem bewegten Leben und den Stars, mit denen er zu tun hatte, zum besten. So auch im Kreis Ahrweiler, wo er uns von besonderen Freundschaften erzählt.
Lange Freundschaften mit großen Stars
Ohne seine Drum-Sticks geht gar nichts – die hält Curt Cress konsequent drei Stunden lang in den Händen. Lässig in dunkelgrünem Hemd erzählt Cress von seinen Anfängen, als Teenager, der unbedingt Schlagzeug spielen wollte. Erste kleinere Bands, schließlich der Einstieg in die Jazz-Rock-Band Passport um den kürzlich verstorbenen Klaus Doldinger. Und wen löste er als Drummer ab? Udo Lindenberg. Mit Lindenberg verbindet ihn eine lange Freundschaft, sagt er.
Curt Cress spielte Schlagzeug für Freddie Mercury
In den zurückliegenden mehr als 40 Jahren hat er deutsche und internationale Stars begleitet. Auch den Queen-Sänger Freddie Mercury für sein Soloalbum "Mr. Bad Guy". Die Anfrage kam über den Produzenten Reinhold Mack, der bereits mit der britischen Rockband zusammengearbeitet hatte.
"Er produzierte die Mercury-Soloalben und fragte mich, ob ich die spielen will. Dann bin ich ins Studio und wir haben diese LP gespielt und mit Freddie eine gute Zeit verlebt", so Cress. Freddie Mercury selbst bezeichnet er als einen wunderbaren Menschen und tollen Künstler.
[...] Sehr klein, kleiner als ich sogar, und dünn. Ein vornehmer, sehr bescheidener Engländer. Und auf der Bühne war er einfach drei Meter groß. Das ist ein unfassbarer Künstler gewesen.
Cress: Stars wollen auch nur Musik machen
Die Arbeit mit Stars wie Mercury würde Cress aber nicht als solche bezeichnen: "Ich habe nie gearbeitet. Ich habe immer nur gespielt. Das ist nie eine Geschäftsbeziehung, das ist eher eine Liebesbeziehung". Es gehe darum, ein Werk zu kreieren, das auch lange halten soll. "Das ist nicht einfach mal so 'dahingedonnert'", erklärt er.
Dabei spiele auch der Status der Musiker keine Rolle: "Man trifft sich und will gemeinsam Musik machen – und das ist die Nummer. Da gibt es nicht Star und Nicht-Star." Zwar gebe es immer Menschen, die sich selbst für etwas Besseres hielten, doch "die richtig Großen – ob nun Tina Turner oder Freddie Mercury, Peter Maffay oder Udo Lindenberg – das sind alles tolle Menschen, mit denen du gemeinsam Musik machst."
Es gibt da noch einen großen Namen, mit dem er gerne mal zusammen gearbeitet hätte: Prince. Schließlich sei Curt Cress schon von Kindheit an eher ein Soul-Schlagzeuger gewesen. "Ich bin dann zwar im Jazzrock gelandet und dem Rock und allen möglichen Genres. Aber diese Art von Prince, diese Grooves, das wäre meine Welt gewesen", sagt er.
Ich habe nie gearbeitet. Ich habe immer nur gespielt. Das ist nie eine Geschäftsbeziehung, das ist eher eine Liebesbeziehung.
Manchmal passt der Song nicht
Trotz vieler positiver Erfahrungen sei es vorgekommen, dass er Sessions abbrechen musste – weil ihm der Song nicht gefiel. "Zweimal in meinem Leben bin ich im Studio aufgestanden und gegangen, weil ich den Text so beschissen fand", gibt er zu. "Aber ansonsten habe ich es durchgezogen. Man ist ja auch Profi und muss die Familie ernähren."
Eine Überraschung mit Gianna Nannini
Dass es auch immer mal zu Überraschungen kommen kann, beweist die Geschichte hinter den Aufnahmen zum Song "I Maschi" von der italienischen Sängerin Gianna Nannini. Der Titel hatte bereits eine Länge von drei bis vier Minuten, doch der Produzent wollte noch ein Schlagzeugsolo von Cress haben: "Der Produzent wollte, dass ich danach nochmal fünf Minuten hinten 'rumballer und irgendwelchen Solikram spiele, einfach so."
Eigentlich kein Problem ... Bis es zu einem Live-Auftritt kam. Nannini trat samt Band in Essen vor mehr als 12.000 Menschen auf, das Ganze wurde auch gefilmt. Und erst bei der Probe kam heraus, dass das Solo Vollplayback laufen sollte – das bedeutete für Cress – mitspielen! Oder es zumindest so aussehen lassen, als wüsste er noch genau, wie er für die Aufnahme des Songs herum getrommelt hatte.
Gar nicht so einfach, schließlich war die Aufnahme Monate her. "Dafür musste ich die ganze Nacht üben", sagt Cress und erzählt weiter: "Da wusste ich gar nicht mehr, was ich gespielt hatte. Ich hatte alles frei gespielt – es gibt ja keine Noten in meiner Welt. Das war anstrengend, aber es ist gelungen. Wunderbar."