Adam und Eva in Gottes Terrarium
Beißen sie zu oder doch nicht? Der appetitlich-rote Apfel schwebt auf der Bühne des Schwetzinger Schlosstheaters über den Sängerinnen und Sängern. Die Bühne erinnert dabei nicht von ungefähr an ein Terrarium.
„Und dann sind Adam und Eva eigentlich dem Experiment von Gott selbst ausgesetzt“, erklärt Regisseurin Andrea Moses, „denn er hängt den Apfel in das Paradies. Er bringt den Keim zur Freiheit, zur Revolution, zur Provokation mit sich. Das heißt: Er spielt ein Spiel.“
Es ist eine Uraufführung, die für den Auftakt der diesjährigen Schwetzinger SWR Festspiele einstudiert wird. Komponist Mike Svoboda und seine Frau, die Librettistin Anne-May Krüger, erzählen in „Adam und Eva“ die alttestamentarische Geschichte der ersten Menschen neu – als Komödie.
Gottes Schöpfung als unvollkommener Widerspruch
Die Vorlage für ihre Oper ist das gleichnamige Theaterstück aus der Feder des bedeutenden DDR-Dramatikers Peter Hacks: Gott schuf die Erde wissentlich unvollkommen, um aus dieser Unvollkommenheit den lange entbehrten Widerspruch erwachsen zu lassen. Hegel lässt grüßen.
Die Aufgabe fällt schließlich den Menschen zu. Gottes Assistent Satanael bringt Eva auf die Idee, vom Baum der Erkenntnis zu essen. „Den Apfelbiss sehe ich als Chance, als Aufforderung für eigene Kreativität“, so Regisseurin Moses.
Die Schöpfung verbindet Mike Svoboda mit Stockhausen
Zur Schöpfungsgeschichte hat Komponist Mike Svoboda dabei eine besondere Verbindung: In der Uraufführung von Karlheinz Stockhausens „Licht“ an der Mailänder Scala verkörperte er als Posaunist die Rolle des Lucifer. Die Zusammenarbeit mit diesem großen Komponisten des 20. Jahrhunderts habe ihn musikalisch sehr geprägt, meint Svoboda.
Auch Anne-May Krüger profitierte bei der Arbeit am Libretto von ihrer musikalischen Vorbildung als Sängerin. Ihr sei es wichtig gewesen, dass die Musik nicht in Konkurrenz zum Schauspieltext trete, verriet die Librettistin im Gespräch mit SWR Kultur. Durch die Musik entstehe in Kombination mit dem Sprechtext eine Art Polyphonie, ein „Subtext im Moment des Verklingens“, so Krüger.
Am Ende des Stücks stehen ein Biss, die Erkenntnis und dadurch der Bruch Adams und Evas mit Gott. Der Sündenfall macht die Geschöpfe ihrem Schöpfer gleich – zumindest auf der Bühne des Schwetzinger Schlosstheaters.