Johann Sebastian Bach

Wege zur h-Moll Messe

Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll wird von vielen als Höhepunkt seines Schaffens bezeichnet. Das Werk entstand aus vielen kleineren Werken. Dieser Weg kann nachvollzogen werden.

Teilen

Stand

Best of Bach

Als „größtes musikalisches Kunstwerk aller Zeiten und Völker“ pries der Verleger Hans Georg Nägeli Bachs h-Moll-Messe. Das war 1818, aus der superlativen Vollmundigkeit spricht neben der Werbewirksamkeit auch eine große Ehrfurcht vor der Qualität dieser Musik und echte Begeisterung.

Johann Sebastian Bach, Messe in h-Moll BWV 232, erste Seite des Credo
Johann Sebastian Bach, Messe in h-Moll BWV 232, erste Seite des Credo.

Tatsächlich ist die h-Moll-Messe, Bachs letztes großes Vokalwerk, sein Opus summum. Er hat darin das Beste aus seinen früheren Kompositionen gebündelt, überarbeitet und klug miteinander kombiniert. Die h-Moll-Messe ist aus der Musikgeschichte und aus unserem Musikleben nicht wegzudenken, Chöre und Musikfreunde weltweit singen und lieben sie. Bachs Autograph zählt zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Einblicke ins Wegenetz zur h-Moll-Messe

Welche Wege führen zur h-Moll-Messe? Das fragt SWR Kultur in diesem Themenschwerpunkt in mehreren Sendungen: In Konzerten des Internationalen Bachfests Stuttgart werden die vier Kyrie-Gloria Messen Bachs aus den späten 1730er-Jahren gesendet.

Sie sind weniger bekannt als das umfangreichere Schwesterwerk, enthalten aber ebenso großartige Musik. In all seinen Messen hat Bach – ähnlich wie schon zuvor im Weihnachtsoratorium – das Parodieverfahren genutzt und Musik aus seinen eigenen Kantaten mit neuen Texten unterlegt.

Vorträge der Musikwissenschaftler Bernhard Schrammek und Peter Wollny bieten einen Blick in Bachs Kompositionswerkstatt, erläutern seine Finessen der Parodietechnik, schauen auf die überlieferten Quellen und auf die musikalische und liturgische Tradition, in der sich Bach bewegte.

Musikalische Wunderkammern

Schließlich werden Kyrie und Gloria aus der h-Moll-Messe selbst unter die Lupe genommen. Darin findet man die Wunderkammern der musikalischen Möglichkeiten. Das Spektrum reicht vom prunkvollen Jubel mit Pauken und Trompeten über bewusst rückwärtsgewandte Chöre im alten Stil bis zu virtuosen modernen Arien und Duetten, in denen unterschiedliche Instrumente solistisch hervortreten.

Eine wichtige Inspirationsquelle war für Bach das Repertoire der Dresdner Hofkapelle, der er in diesem Werk im Jahr 1733 seine Referenz erwies – in der Hoffnung auf einen Ehrentitel oder gar Posten bei Hofe.

Alte Musik | Wege zur h-Moll-Messe Lobpreis und Erbarmen – Kyrie und Gloria aus Bachs h-Moll-Messe

Von Doris Blaich

Alte Musik SWR Kultur

Inspirationen der Dresdner Kollegen

Ohne die Komponisten der Dresdner Hofkapelle wären Bachs Messen nicht denkbar. Messkompositionen von Jan Dismas Zelenka etwa oder von Georg Friedrich Heinichen (aufgeführt im Eröffnungskonzert des Internationalen Bachfests Stuttgart, mit der Gächinger Cantorey und Hans-Christoph Rademann) gehören deshalb selbstverständlich zu unserem Wege-Panorama dazu.

Bachs „große catholische Messe“.

Am Ende des Themenschwerpunkts bei SWR Kultur steht eine Live-Übertragung der h-Moll-Messe vom Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd mit dem Chorwerk Ruhr, Concerto Köln und dem Dirigenten Florian Helgath. Das Konzert wird deutschlandweit im ARD Radiofestival gesendet. Ein Gespräch mit dem Musikwissenschaftler Meinrad Walter beleuchtet die Theologie hinter dem Credo der h-Moll-Messe.

Alte Musik Symbolum Nicenum ‒ Das Credo aus Johann Sebastian Bachs Messe h-Moll BWV 232

Von Bettina Winkler und Meinrad Walter

Alte Musik SWR Kultur

Die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach zählt nicht nur als sein Magnum Opus sondern als eines der bedeutendsten Werke der geistlichen Musik. Sie besteht aus 18 Chorsätzen und neu Arien und bildet damit eine komplette Messe ab. Daher gab sein Sohn Carl Philipp Emanuel Bach dem Werk im Nachlassverzeichnis den Beinamen „große catholische Messe“.

Bach schuf dieses Werk nicht in einem Guss, sondern komponierte bereits 1733 eine Missa brevis – kurze Messe übersetzt – diese arbeitete er dann bis zu seinem Tod 1750 zur sogenannten h-Moll-Messe um. Angereichert wurden Kyrie und Gloria der Missa brevis durch Kantatensätze, die er bereits komponiert hatte, und setzte so die h-Moll-Messe wie ein musikalisches Mosaik zusammen.

Zusammensetzen des Mosaiks

Bach hatte zwar von Beginn an nicht das Ziel, eine Messe dieser Größenordnung zu komponieren, aber sein Schaffen an diesem Werk lässt sich auf über drei Jahrzehnte beziffern. Den Startschuss bildet der Eingangschor der Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen“ BWV 12 von 1714. Bach arbeitete den Chor zum Crucifixus der Messe um.

Diese Vorlage ist mit Abstand das früheste Mosaiksteinchen in der Messe, dahinter folgt der neunte Teil, das Qui tollis. Auch hier bedient sich Bach an einem seiner Eingangschöre, diesmal aus der Kantate „Schauet doch und sehet“ BWV 46, komponiert 1723.

Bach - Cantata Schauet doch und sehet... BWV 46 - Rademann | Netherlands Bach Society

Bach schien ein Faible für seine Eingangschöre gehabt zu haben. Auch der siebte Teil der Messe „Gratias agimus tibi“ entstammt dem ersten gesanglichen Part der sogenannten Ratswahlkantate „Wir danken dir, Gott, wir danken dir“ BWV 29. Den instrumentalen Part wiederverwendet er auch innerhalb der Messe selbst für den Schlusschor.

Auch an weltlichen Kantaten bediente sich Bach, so stammt die Musik des Osannas aus dem Eingangschor der Kantate „Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen“ BWV 215 die Bach für den sächsischen Kurfürsten und polnischen König August III. komponierte.

Barocke Rad-Tour Bach-Radeln in Karlsruhe und Umgebung: Sport mit der Musik von Bach

Am 11. Mai fand zum dritten Mal das Bach-Radeln bei Karlsruhe statt. Kirchen und vor allem deren Orgeln sollen dabei vorgestellt werden, zu Musik von Johann Sebastian Bach.

Treffpunkt Klassik SWR Kultur

„Air“ in allen möglichen Pop-Genres und K-Pop Johann Sebastian Bach in der Popmusik

Musik ist in allen Genres voll von Zitaten und Querverweisen. So begegnet man auch Johann Sebastian Bach erstaunlich oft in der Popmusik.

Treffpunkt Klassik SWR Kultur

Buch-Tipp Eine kleine Reise durch das Leben von Johann Sebastian Bach: „Das Havelberger Konzert“ von Christoph Hein

Wer kennt das „Havelberger Konzert“ von Johann Sebastian Bach? Christoph Hein hat diesen Titel für sein neuestes Buch gewählt. 5 Novellen rund um das Leben des Komponisten. Diese ganz eigene Sicht ist jetzt im Inselverlag erschienen. Susanne Pütz hat die 5 Novellen gelesen.

Treffpunkt Klassik SWR Kultur

Hingehört - Stars der Alte-Musik-Szene und ihre musikalischen Favoriten Ingo Bredenbach mit Bachs „Canonischen Veränderungen“ über „Vom Himmel hoch, da komm ich her“

Diesmal stellt der Tübinger Organist, Stiftskantor und Professor für Orgelliteratur und -improvisation an der Hochschule für Kirchenmusik Tübingen Ingo Bredenbach Orgelmusik von Johann Sebastian Bach vor: Einige canonische Veränderungen über das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ BWV 769a.
Sie entstanden 1747 als Antrittsbeitrag für Lorenz Christoph Mizlers Correspondierende Societät der musicalischen Wissenschaften, gegründet 1738. Jedes Mitglied dieses Vereins war gehalten, bis zu seinem 65. Lebensjahr einmal jährlich einen musiktheoretischen Aufsatz im Druck zu veröffentlichen. Bach ist das 14. Mitglied und die Zahl 14 kann man aus den Buchstaben seines Nachnamens herauslesen: 2+1+3+8. Auch das bekannte Bach-Porträt aus dem Jahr 1746 von Elias Gottlob Hausmann ist zu diesem Anlass entstanden. Bach hält hier ein Notenblatt mit einem Rätselkanon in der Hand. Und wenn man genau hinsieht, sind 14 Knöpfe an Bachs Rock zu sehen.
Bach konnte statt eines Aufsatzes jeweils eine Komposition einreichen, die einen entsprechenden theoretischen Anspruch hatte. Sein Antrittsbeitrag 1747 waren die Canonischen Veränderungen. 1748 reichte er das Musikalische Opfer ein und für 1749 hatte er höchstwahrscheinlich die Kunst der Fuge geplant. Danach wäre er wegen seines Alters von weiteren Beiträgen entbunden gewesen.

Alte Musik SWR Kultur