Er verkaufte rund 6,5 Millionen Tonträger und galt als einer der erfolgreichsten deutschen Sänger. Heute ist von seinem Ruhm nicht mehr viel übrig. Dabei begann die Karriere des Xavier Naidoo so vielversprechend.
1995 gründete Naidoo zusammen mit sechs anderen Musikern die Söhne Mannheims. Parallel schrieb er immer wieder auch eigene Songs, es entstanden Hits wie „20.000 Meilen“ (1998), „Ich kenne nichts (das so schön ist wie du)“ (2003), „Dieser Weg“ (2005), „Alles kann besser werden“ (2009) und „Bei meiner Seele“ (2013).
2017 verließ Naidoo zusammen mit anderen Gründungsmitgliedern die Söhne Mannheims und konzentrierte sich fortan ganz auf seine Karriere als Solokünstler. „Seitdem singt und spricht Xavier Naidoo in seinem eigenen Namen“, erklärten die Söhne Mannheims 2021 in einem Statement, als sich in der Corona-Pandemie die Kontroversen um den Sänger zuspitzten.
Das Abdriften in wilde Theorien ist bei Naidoo nichts Neues
Einen Hang zu Verschwörungsmythen hatte Naidoo schon lange vor Corona: 1998 zweifelte er in einem Interview die Legitimität der Bundestagswahl an. Später erklärte er wiederholt, dass Deutschland kein freies Land sei, da es nach dem Zweiten Weltkrieg keinen gültigen Friedensvertrag gab – ein beliebtes Narrativ der Reichsbürgerbewegung.
Außerdem geriet er immer wieder für seine Songtexte in die Kritik. 2012 veröffentlichte er mit Kool Savas den Song „Wo sind sie jetzt“, den zahlreiche LGBTQ+-Verbände als homophob kritisierten.
Auf seinem Telegram-Kanal vertrat er 2020 die Ansicht, dass die Erde eine Scheibe sei und Aliens auf der Erde lebten. Darüber hinaus bezeichnete Naidoo den Zentralrat der Juden als „Zentralrat der Lügen“. Den Holocaust hat er mehrfach geleugnet. Bis heute laufen gegen ihn zwei Verfahren wegen Volksverhetzung.
In der Corona-Pandemie driftete Naidoo vollends ab
Wegen rassistischer Aussagen verlor er im März 2020 seinen Platz in der Jury der RTL-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“. Es folgten Auftritte bei der Reichsbürgerbewegung, faktenferne Videos zu Geflüchteten und dem Klimawandel, die Unterstützung der QAnon-Bewegung und letztlich die Leugnung der Corona-Pandemie.
Besonders das Video zu Naidoos Song „Ich mache da nicht mit“ sorgte für Kritik. Darin ließ Naidoo seinem Ärger über Corona-Schutzimpfungen und die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung freien Lauf. In dem Video wurde zudem die Sprengung eines Impfzentrums angedeutet.
Angesichts der Pandemie-Bestimmungen sagte Naidoo 2022 seine laufende Tournee ab. Die ausstehenden Konzerte sollten zu einer planbareren Zeit nachgeholt werden, dazu kam es allerdings nie. Seither ist Naidoo nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten.
In seinem Reue-Video räumte er Fehler ein
2022 veröffentlichte Naidoo ein Video, in dem er sich für seine Äußerungen entschuldigte. Darin sagte er unter anderem:
Mir wurde bewusst, dass ich meine Familie, meine Freunde, meine Fans, Menschen, die mich verteidigt haben, aber auch viele andere Menschen mit verstörenden Äußerungen irritiert und provoziert habe, für die ich mich entschuldigen möchte.
Für viele war sein Reue-Video jedoch wenig glaubwürdig und kam viel zu spät. Bis zuletzt wollten viele Städte Xavier Naidoo aufgrund seiner rechtspopulistischen und antisemitistischen Aussagen keine Bühne mehr bieten, darunter auch seine Heimatstadt Mannheim. Nun versucht er dennoch ein Comeback.
Können alte Hits retten, was eine Video-Entschuldigung nicht geschafft hat?
Am 6. Juli 2025 kündigte Naidoo auf seinen Social-Media-Kanälen ein Comeback-Konzert für den 16. Dezember in der Kölner Lanxess-Arena an. Nach Angaben der Konzertagentur Live Nation wird es das erste Konzert seit sechs Jahren sein.
Die Fans scheinen Naidoo mittlerweile verziehen zu haben: Das Konzert war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und auch für einen zweiten Termin in Köln gab es schnell keine Karten mehr.
Nun wird Xavier Naidoo sieben weitere Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz geben. Im Rahmen der „Bei meiner Seele“-Tour wird er im Januar 2026 auch wieder in der SAP-Arena in seiner Heimatstadt Mannheim auftreten.
Weitere Konzerte sollen in Zürich, München, Wien, Hamburg, Leipzig und Berlin stattfinden. Auf dem Programm stehen seine alten Hits, Infos über neue Songs gibt es derzeit nicht.
Es sieht also danach aus, als ob zumindest bei Xavier Naidoos Fans das Bedürfnis nach Nostalgie überwiegt und Gewissensfragen ausgeblendet werden. Ob allerdings das deutsche Publikum sich allgemein von Naidoos Gesinnungswandel überzeugen lassen wird, bleibt abzuwarten.
Wird Xavier Naidoos Weg zurück auf die Bühne also ein leichter sein oder doch eher steinig und schwer? Seine künftigen öffentlichen Auftritte, die weiteren Verkaufszahlen seiner Comeback-Tour und nicht zuletzt die beiden laufenden Verfahren gegen ihn werden zeigen, ob sich Xavier Naidoo tatsächlich für die deutschen Bühnen rehabilitiert hat.